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| Kernwerte

Sicherheit gibt es nicht zum Nulltarif

Sicherheit hat viele Facetten. Walter Strohmaier, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Niederbayern-Mitte und Bundesobmann der Sparkassen, erklärt im Interview, warum das Thema für Sparkassen ganz zentral ist – auch wenn es nicht immer Freude macht.

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DSZ: Herr Strohmaier, wie viele Passwörter und PINs haben Sie heute schon eingegeben?
Walter Strohmaier: Passwörter werden mittlerweile in sehr vielen Bereichen benötigt, auch in meinem Alltag. Oftmals ist es nicht nur die Anzahl verschiedener Kennwörter, sondern es sind auch die Sicherheitsanforderungen an ein Passwort, die es nicht unbedingt einfacher machen. Ich persönlich verwende immer möglichst sichere Kombinationen aus Buchstaben, Ziffern und Sonderzeichen. Sehr froh bin ich darüber, dass wir in der Sparkassen-Push-TAN-App wieder einen großen Schritt nach vorne gemacht haben. Seit einigen Monaten funktioniert die App mit Touch-ID und Face-ID. Das ist eine echte Erleichterung und verbessert außerdem noch einmal die Sicherheit.

DSZ: Mal ehrlich: Nerven die Sicherheitsanforderungen Sie manchmal?
Strohmaier: Sicherheit ist immer auch mit Aufwand verbunden. Das gilt für die eigene Wohnung zu Hause ebenso wie in der digitalen Welt. So geht auch ein erhöhtes Risiko ein, wer aus Bequemlichkeit sein Haus bei gekippter Terrassen­tür verlässt. Ähnlich ist es auch in der digitalen Welt. Auch hier lässt sich die Sicherheit erheblich verbessern, wenn (manchmal durchaus nervige) Sicherheitsanforderungen eingehalten werden. Bedenkt man, dass eines der am meisten verwendeten Passwörter „Hallo“ ist, kann man sich vorstellen, dass ein so „gesicherter“ Zugang in Wirklichkeit relativ ungeschützt ist.

DSZ: Sicherheit ist für alle Kreditinstitute von hoher ­Bedeutung. Warum spielt das Thema für Sparkassen aber eine besonders große Rolle?
Strohmaier: Vertrauen ist für die Sparkassen von größter Bedeutung. Das gilt für die reale und für die digitale Welt, denn es ist die Grundlage unserer Kundenbeziehungen. Damit dieses Vertrauen entstehen kann und auch bestehen bleibt, ist es unerlässlich, unseren Kunden in allen Bereichen Sicherheit zu geben. Das gilt für die Sicherheit, dass eine Kundenberatung oder Produktempfehlung fair, kompetent und an den Bedürfnissen des Kunden orientiert ist, ebenso wie die Garantie, dass die digitalen Zugangswege zur Sparkasse den neuesten Sicherheitsstandards entsprechen.

DSZ: Wie wirkt sich diese Sicherheitsorientierung praktisch aus?
Strohmaier: Nicht nur in der digitalen Welt bekommt man Sicherheit nicht zum Nulltarif und ohne Aufwand. Leider hält sich das Verständnis von Kunden für Sicherheitsanforderungen oftmals in Grenzen, wenn ein gewisser, als bürokratisch wahrgenommener Aufwand entsteht. Wir versuchen hier unter dem Aspekt, dass die Sicherheit an erster Stelle steht, den bürokratischen Aufwand in Grenzen zu halten und neue erleichternde Techniken anzuwenden. Hier verweise ich gerne noch einmal auf die Möglichkeit zum Entsperren der Push-TAN App per Touch-ID. Was die Sparkassen in Punkto Sicherheit definitiv auch heraushebt, ist das Institutssicherungssystem unserer Gruppe. Es bietet für die Kunden der Sparkassen-­Finanzgruppe ein Höchstmaß an Sicherheit. So hat seit der Gründung in den 1970er Jahren noch nie ein Kunde eines Mitgliedsinstituts einen Verlust seiner Einlagen erlitten, und es musste noch nie ein Einleger entschädigt werden.

DSZ: Sicherheit hat viele Aspekte, heute denken die meisten wahrscheinlich zuerst an IT-Sicherheit. Wo erwarten die Kunden Ihrer Erfahrung nach noch Sicherheit von der Sparkasse?
Strohmaier: Es ist richtig, dass heute beim Gedanken an das Thema Sicherheit sehr oft die IT-Sicherheit im Mittelpunkt steht. Die Sparkassen sind hier ebenso gut aufgestellt wie in vielen anderen Bereichen, bei denen die Menschen Sicherheit erwarten. Das gilt für die Sicherheit der Einlagen ebenso, wie die für Sicherheit, in der Sparkasse von einem bestens ausgebildeten Mitarbeiter beraten und betreut zu werden. Seit mehr als 200 Jahren sind die Sparkassen zuverlässige, verlässliche und sichere Partner in allen Regionen Deutschlands.

DSZ: Sicherheit und Solidität gelten nicht als „cool“ und „hip“, Risiko und Abenteuer hingegen schon – diesen Eindruck gewinnt man, wenn man beispielsweise die Berichterstattung über Fintechs liest. Müssen die Sparkassen daraus Konsequenzen ziehen?
Strohmaier: Wenn es um Sicherheit für unsere Kunden geht, möchte ich die Sparkassen nicht mit „Risiko und Abenteuer“ in Verbindung bringen, auch auf die Gefahr hin, damit weniger „cool“ oder „hip“ zu sein. Die Sparkassen stellen die beliebteste Banking-App in Deutschland zur Verfügung und setzen mit Kwitt und Handy-Banking digitale Standards. Nach wie vor hat die kleinste aller deutschen Sparkassen eine ähnliche Bilanz wie das sehr oft in der medialen Berichterstattung erwähnte Fintech N26. Deshalb sollten wir durchaus sehr selbstbewusst die hervorragende digitale Kompetenz der Sparkassen-Finanzgruppe kommunizieren.

DSZ: Sicherheit gehört zu den guten Dingen, mit denen man es auch übertreiben kann. Wie verträgt sich Sicherheit mit Innovationen in immer kürzeren Zyklen? Droht das Sicherheitsdenken nicht zur Innovationsbremse zu werden?
Strohmaier: Bei Innovationen im Finanzdienstleistungsbereich müssen Sicherheitsaspekte insbesondere bei den Sparkassen eine bedeutende Rolle spielen. Mag sein, dass wir hier an mancher Stelle nicht die ersten waren, wenn ich beispielsweise an den Start von Paydirekt denke. Besonders für den Marktführer ist es aber unerlässlich, Innovationen nicht zulasten der Sicherheit voranzutreiben.

DSZ: Auch bei der Geldanlage kann eine übertriebene Sicherheitsfixierung schädlich sein. Gibt es für Sie eine „goldene Formel“, wie viel Sicherheit sein muss und wie viel Risiko sein darf?
Strohmaier: Ob es eine „goldene Formel“ gibt, halte ich für fraglich. Eine erfolgversprechende Formel ist in jedem Fall die ganzheitliche Beratung. Denn im Grunde muss die ­Waage zwischen Risiko und Chance mit jedem Kunden individuell ausgelotet werden. Ein elementarer Schlüssel dazu sind die kompetenten Beraterinnen und Berater in den Sparkassen. Hier entscheidet sich im Gespräch, welches Risikoszenario zu einem Kunden passt und ob eine Sicherheitsfixierung tatsächlich schädlich oder vielleicht sogar passend ist.

DSZ: Sicherheit ist nicht nur ein Thema nach außen, sondern auch für die Mitarbeiter. Wie sicher sind die Arbeitsplätze in den Sparkassen in Zeiten des digitalen Wandels?
Strohmaier: Der digitale Wandel führt sicherlich zu Veränderungen in der Arbeitswelt, aber deshalb keineswegs zur Unsicherheit von Arbeitsplätzen in den Sparkassen. Es entstehen beispielsweise ganz neue Fachbereiche der digitalen Kundenbetreuung, in denen Mitarbeiter mit ganz neuen Kenntnissen benötigt werden. Außerdem ist und bleibt die Beratung unserer Kunden vom Mensch zu Mensch die zentrale Grundlage unserer Kundenbeziehungen. Deshalb müssen sich die Mitarbeiter keine Sorgen um die Zukunftsfähigkeit ihrer Arbeitsplätze machen. Ganz im Gegenteil. Ich sehe eine ausgesprochen positive Zukunft für die Sparkassen auch in der digitalen Welt. Denn wir können beides: Modernes Banking per App und hochqualifizierte, persönliche Beratung vor Ort. Es muss uns gelingen, diesen Mehrwert allen Kunden zu vermitteln.

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"Wertegemeinschaft Europa - ein stabiles Fundament?" Über diese Frage wird Walter Strohmaier beim Deutschen Sparkassentag in Hamburg mit RSGV-Präsident Michael Breuer, Klaus von Dohnanyi und Christine Hanna Meiser, Vorstandsvorsitzende des Europäischen Jugendparlaments in Deutschland, diskutieren. Nähere Informationen dazu gibt es hier.