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| Geschäfts- und Marktanteilsentwicklung 2017

Sparkassen bauen Kreditgeschäft weiter aus

Die Geschäftsentwicklung der 390 (Stand: 12/17) Sparkassen in Deutschland ist 2017 gut verlaufen. Ihre Bilanzsumme hat sich um 26,8 Milliarden Euro (2,3 Prozent) auf 1200 Milliarden Euro erhöht. Bei einem starken Neugeschäft sind vor allem Unternehmenskredite kräftig ausgebaut worden.

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Im Kundenkreditgeschäft haben die Sparkassen mit einer Steigerung von 24,8 auf 793,6 Milliarden Euro ein starkes Plus verbuchen können. Die hohe Zuwachsrate von 3,2 Prozent aus dem Vorjahr konnte damit bestätigt werden. Das Neugeschäft hat sich gegenüber 2016 um 0,5 Prozent erhöht. Mit Zusagen in der Gesamtsumme von 150,6 Milliarden Euro ist ein sehr guter Wert erzielt worden. Bei Krediten an Unternehmen und wirtschaftlich Selbstständige haben die Sparkassen einen Zuwachs von 19,8 (-5,2 Prozent) auf einen Bestand von 397,9 Milliarden Euro erreicht. Dabei haben sie im Jahresverlauf 83,7 Milliarden Euro neue Darlehen gegenüber Unternehmen und wirtschaftlich Selbstständigen zugesagt. Der historisch bisher beste Wert aus dem Jahr 2016 (81,2 Milliarden Euro) ist somit noch übertroffen worden.

Der Bestand der Kundeneinlagen hat sich seit Jahresbeginn um 21 Milliarden Euro (+2,4 Prozent) erhöht – ein geringerer Zuwachs als im Vorjahr (+28,6 Milliarden Euro bzw. +3,3 Prozent). Bei weiterhin nie­drigem Zinsniveau haben sich die in vergangenen Jahren üblichen Verschie­bungen zwischen den Anlagekategorien abgeschwächt fortgesetzt: Mittelzuflüssen bei Sichteinlagen (+5,5 Prozent) standen Rückgänge bei Termingeldern (-5,0 Prozent) und Eigenemissionen (-10,4 Prozent) gegenüber. Der Spareinlagenbestand hat ebenfalls geringfügig verloren (-1,1 Prozent).

Im Kundenwertpapiergeschäft lag der Umsatz mit 119,9 Milliarden Euro deutlich über dem Vorjahr (+17,5 Prozent). Umsatzgewinne waren in allen Kategorien zu verzeichnen (Aktien +17,6, Investmentfonds +18,4 und festverzinsliche Wertpapiere +16,3 Prozent). Der Nettoabsatz war mit 10,8 Milliarden Euro kräftig positiv und hat den besten Wert seit 2002 erreicht.

Auch aufgrund dieses hohen positiven Nettoabsatzes hat sich das Geldvermögen aller Kunden mit 31,8 Milliarden Euro wieder recht stark erhöht. Der Wert aus dem Jahr 2016 (+38,2 Milliarden Euro), als der Einlagenzuwachs in der Gesamtkundschaft deutlich höher war, ist allerdings nicht erreicht worden. Bezogen auf Privatpersonen hat sich die Geldvermögensbildung dagegen mit 33,4 Milliarden Euro annä­hernd den Wert von 2016 (33,7 Milliarden Euro) verbessert.

Trotz des intensiven und sich weiter verschärfenden Wettbewerbs haben die Sparkassen 2017 ihre starke Marktposition gut behauptet und sind beim Kredit- und Einlagengeschäft weiterhin Marktführer.

Kräftige Expansion bei Unternehmenskrediten

 
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Das Kreditgeschäft der Sparkassen hat sich im Jahr 2017 sehr gut entwickelt. Das Neugeschäft verlief positiv, die Zusagen lagen mit 150,6 Milliarden Euro um 0,5 Prozent über dem Vorjahr. Dies ist der zweitbeste Wert nach dem Rekordjahr 2015 (s. Abb. 1).

Unternehmen und wirtschaftlich Selbständigen haben die Sparkassen 2017 Kredite in Höhe von 83,7 Milliarden Euro zugesagt, 3,4 Milliarden Euro (+4,2 Prozent) mehr als im Vorjahr. Damit ist in diesem Segment ein neuer Rekordwert erzielt und der bisherige Bestwert aus dem Jahr 2015 (81,2 Milliarden Euro) sogar um 3,0 Prozent übertroffen worden. Die Zusagen lagen in allen Quartalen über den Vergleichswerten 2016. Mit 90,6 Prozent entfällt der Großteil der Darlehenszusagen 2017 auf den mittel- und langfristigen Bereich. Schwerpunkt bleiben also die Kredite mit längerfristigem, investivem Charakter.

 
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Das hervorragende Neugeschäft spiegelt sich auch in der Entwicklung der Bestände wider. Der an Unternehmen und wirtschaftlich Selbststän­dige 2017 herausgelegte Kreditbestand hat sich um 19,8 Milliarden Euro (plus 5,2 Prozent) erhöht – ein im Vergleich mit dem bereits starken Vorjahr (plus 4,5 Prozent) nochmals stärkerer Zuwachs. Der Kreditbestand lag Ende Dezember 2017 bei 397,9 Milliarden Euro. Das Tilgungsvolu­men belief sich auf 56,7 Milliarden Euro und hat damit nahezu Vorjah­resniveau (56,8 Milliarden Euro) erreicht (s. Abb. 2).

 
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Diese gute Entwicklung spiegelt sich auch im Vergleich mit den Wettbe­werbern wider. Bei einem im Jahresverlauf steigenden Marktvolumen bei Krediten an die Realwirtschaft1 haben die Sparkassen 2017 mit ihrem überdurchschnittlichen Bestandszuwachs weiter an Marktanteilen hinzugewonnen (plus 0,3 Prozentpunkte auf 30,0 Prozent). Die Genossen­schaftsbanken (plus 0,6 Prozentpunkte auf 19,8 Prozent) und die Gruppe der Regionalbanken/sonstige Kreditbanken/Zweigstellen ausländischer Banken (plus 0,2 Prozentpunkte auf 16,5 Prozent) konnten ihre Marktan­teile ebenfalls ausbauen. Großbanken haben demgegenüber weiter verloren (minus 0,2 Prozentpunkte auf 10,1 Prozent) ebenso wie die Lan­desbanken (minus 0,5 Prozentpunkte auf 12,5 Prozent), bei denen der Abbau von Aktiva allerdings nach wie vor unter strategischen Gesichtspunkten erfolgt ist (s. Abb. 3).

  • 1Kredite an die Realwirtschaft = Unternehmenskredite einschl. Wohnungsbaukredite ohne Kredite an Versicherungsunternehmen und Finanzierungsinstitutionen (= Wertpapierhändler auf eigene Rechnung, Tätigkeiten von Kreditkartengesellschaften, Bürgschaftsbanken, Wertpapiersammelbanken, Wertpapierhandelsunternehmen, Verbriefungsgesellschaften).

Kreditgeschäft mit Privatpersonen etwas verhaltener

 
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Bei den Krediten an Privatpersonen haben die Sparkassen 2017 insge­samt Kredite in Höhe von 58,6 Milliarden Euro neu zugesagt – 1,3 Milliarden Euro (minus 2,2 Prozent) weniger als 2016. Im Vergleich mit früheren Jahren ist dies trotzdem ein guter Wert. Auch der Bestand hat sich wieder recht kräftig erhöht – um 8,3 (plus 2,5 Prozent) auf 338,9 Milliarden Euro (s. Abb. 4).


Aufgrund des etwas unter dem Gesamtmarkt liegenden Bestands­zu­wach­­ses haben die Sparkassen 2017 leichte Marktanteilsverluste (minus 0,2 Prozentpunkte) verbucht. Sie sind aber dennoch in diesem Segment mit einem Marktanteil von 31,7 Prozent auf der Spitzenposition geblieben. Am stärksten hinzugewonnen haben die Großbanken (plus 0,9 Prozent­punkte auf 13,0 Prozent). Die Genossenschaftsbanken haben ihren Marktanteil ebenfalls ausbauen können (plus 0,3 Prozentpunkte auf 26,8 Prozent) (s. Abb. 5).

Der Rückgang des Neugeschäfts ist vom Volumen her vor allem auf die Entwicklung bei privaten Wohnungsbaukrediten zurückzuführen. Das Neugeschäft belief sich auf 47,7 Milliarden Euro – gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 0,9 Milliarden Euro (minus 1,8 Prozent). Der Wert aus dem Rekordjahr 2015 (52,2 Milliarden Euro) ist zwar eindeutig nicht erreicht worden. Angesichts der Tendenzen im Wohnimmobilienge­schäft wie ein sich verknappendes Angebot oder steigende Preise ist das Neugeschäft aber nach wie vor als gut zu bewerten.

Der Bestand bei den privaten Wohnungsbaukrediten hat sich im Jah­res­verlauf um 9,8 (plus 3,5 Prozent) auf 292,3 Milliarden Euro erhöht. Da­mit ist das sehr starke Vorjahreswachstum (plus 3,8 Prozent) dem etwas nachlassenden Neugeschäft entsprechend nicht ganz erreicht worden.

Das Konsumentenkreditgeschäft verlief 2017 schwächer als 2016. Im Neugeschäft haben die Sparkassen 10,9 Milliarden Euro zugesagt, womit der Vorjahreswert um 0,4 Milliarden Euro (minus 3,8 Prozent) verfehlt worden ist. Auch der Bestand ist gesunken (minus 1,5 Milliarden Euro bzw. mit minus 3,0 Prozent auf 46,6 Milliarden Euro). Im Vergleich zum Vorjahr (minus 3,0 Prozent) ist der Rückgang in etwa gleich geblieben.

Kundeneinlagen wachsen etwas schwächer

Insgesamt haben die Sparkassen im Einlagengeschäft 2017 einen Bestandszuwachs von 21,0 Milliarden Euro (plus 2,4 Prozent) verzeichnet – ein gegenüber den beiden Vorjahren etwas geringerer Zuwachs (2016: plus 3,3 Prozent, 2015: plus 3,0 Prozent). Mittelzuflüsse resultieren für die Sparkassen aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase wie nun schon seit Jahren ausschließlich aus Sicht­ein­lagen, die im Jahresverlauf um weitere 29,5 (plus 5,5 Prozent) auf einen Bestand von 565,5 Milliarden Euro angewachsen sind. Sie machen nunmehr 62,1 Prozent (Vorjahr: 60,2 Prozent) aller Einlagen aus (s. Abb. 6).

Alle anderen Einlagekategorien hatten Rückgänge zu verzeichnen, wobei der Bestand der Spareinlagen im Wesentlichen stabil geblieben ist (minus 1,1 Prozent auf 290,3 Milliarden Euro). Termineinlagen (minus 5,0 Prozent auf 17,3 Milliarden Euro) und Eigenemissionen (minus 10,4 Prozent auf 38,1 Milliarden Euro) haben dagegen in abgeschwächtem Umfang weiter verloren. Bei den Eigenemissionen sind immerhin die Sparkassenpfandbriefe 2017 um weitere 1,8 Prozent gestiegen. Mit einem Bestand von nunmehr 10,5 Milliarden Euro liegen sie unterdessen weit über dem Niveau der Schuldverschreibungen (5,6 Milliarden Euro).

 
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Bezogen auf die großen Kundensegmente haben Unternehmen ihre Einlagen 2017 zurückgefahren (minus 5,3 Milliarden Euro bzw. minus 3,7 Prozent auf 139,4 Milliarden Euro gegenüber einem Zuwachs von 1,3 Prozent im Vorjahr). Privatkunden haben 25,8 Milliarden Euro zusätzlich ange­legt (plus 3,8 Prozent auf 711,6 Milliarden Euro) – im Vergleich zu 2016 (plus 4,3 Prozent) ein nur etwas geringerer Zuwachs. Die Sparkassen haben sich damit wie in den Vorjahren durch eine komfortable Refinanzierungssituation ausgezeichnet. Das gesamte Kundenkreditgeschäft konnte über Kundeneinlagen refinanziert werden.

 
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Das gesamte Marktvolumen im Einlagengeschäft ist 2017 allerdings stärker angewachsen als das der Sparkassen. Deshalb hat sich der Marktanteil der Sparkassen um 0,7 Prozentpunkte verringert. Mit 29,5 Prozent Marktanteil nehmen sie aber nach wie vor die führende Stellung ein. Die Großbanken konnten ihre Marktanteile dagegen um 0,5 Prozentpunkte auf einen Marktanteil von 18,1 Prozent und die Landesbanken um 0,2 auf einen Marktanteil von 6,7 Prozent steigern. Die Genossenschaftsbanken haben 0,1 Prozentpunkte verloren, ihr Marktanteil belief sich Ende 2017 auf 21,6 Prozent (s. Abb. 7).

  • 1Kredite an die Realwirtschaft = Unternehmenskredite einschl. Wohnungsbaukredite ohne Kredite an Versicherungsunternehmen und Finanzierungsinstitutionen (= Wertpapierhändler auf eigene Rechnung, Tätigkeiten von Kreditkartengesellschaften, Bürgschaftsbanken, Wertpapiersammelbanken, Wertpapierhandelsunternehmen, Verbriefungsgesellschaften).

Nettoabsatz im Kundenwertpapiergeschäft klar positiv

Der Gesamtumsatz im Kundenwertpapiergeschäft der Sparkassen belief sich 2017 auf 119,9 Milliarden Euro – ein kräftiger Anstieg im Vergleich zum Vorjahr (plus 17,5 Prozent). Umsatzsteigerungen gab es dabei in allen Kategorien (Investmentfonds: plus 18,4 Prozent, Aktien: plus 17,6 Prozent, festverzinsliche Wertpapiere: plus 16,3 Prozent).

Der Nettoabsatz (Ankäufe ./. Verkäufe) war 2017 mit 10,8 Milliarden Euro klar positiv – der beste Wert seit 2002. Grund war ein großer positiver Nettoabsatz bei Investmentfonds (plus 11,2 Milliarden Euro), während Aktien (minus 0,3 Milliarden Euro) und festverzinsliche Wertpapiere (minus 0,1 Milliarden Euro) einen leicht negativen Nettoabsatz aufgewiesen haben. Aktienfonds (plus 2,8 Milliarden Euro), offene Immobilienfonds (plus 2,6 Milliarden Euro), gemischte Fonds (plus 1,9 Milliarden Euro) und Dachfonds (plus 1,6 Milliarden Euro) weisen die höchsten positiven Salden auf.

Sparkassenkunden erhöhen ihr Geldvermögen erneut deutlich

Bezieht man das den Sparkassen zurechenbare Bauspargeschäft sowie das zurechenbare Lebensversicherungsgeschäft ein, haben Sparkassenkunden (alle Kundengruppen) gute 34,8 Milliarden Euro direkt und indirekt bei ihrer Sparkasse neu angelegt. Gegenüber dem extrem starken Vorjahr sind dies 15,6 Prozent weniger. Privatpersonen haben unter Berücksichtigung des Bauspar- und Lebensversicherungsgeschäfts bei den Sparkassen 36,3 Milliarden Euro an zusätzlichen Geldern angespart – gegenüber dem Vorjahr eine Verringerung um lediglich 0,9 Prozent.

Autor
Immo Janßen ist Referent beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) in Berlin.
Yvonne Schulze ist Sachbearbeiterin beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband in Berlin.

  • 1Kredite an die Realwirtschaft = Unternehmenskredite einschl. Wohnungsbaukredite ohne Kredite an Versicherungsunternehmen und Finanzierungsinstitutionen (= Wertpapierhändler auf eigene Rechnung, Tätigkeiten von Kreditkartengesellschaften, Bürgschaftsbanken, Wertpapiersammelbanken, Wertpapierhandelsunternehmen, Verbriefungsgesellschaften).