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| Bankstellennetz 2018

Sparkassen weiterhin mit größtem Filialnetz

Fusionen und Zweigstellenschließungen reduzieren die Zahl der Bankstellen in Deutschland kontinuierlich. Sparkassen haben 2018 jedoch weniger Zweigstellen als andere Bankengruppen geschlossen. Wie geht die Entwicklung weiter?

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Im vergangenen Jahr sind in Deutschland rund 2300 Bankstellen1 im Wesentlichen aufgrund von Institutsfusionen oder Zweigstellenschließungen weggefallen. Das geht aus den Daten zur „Bankstellenentwicklung 2018“ der Bundesbank hervor. Der Gesamtabbau liegt damit über den beiden bereits erhöhten Vorjahren. Diese Entwicklung verdeutlicht den hohen Anpassungs- und Kostendruck, unter dem die gesamte Branche steht: langfristig bedingt durch veränderte Kundenbedürfnisse – viele Bankgeschäfte lassen sich aufgrund der technischen Entwicklung inzwischen außerhalb der Filiale erledigen – und noch verstärkt durch die anhaltende Niedrigzinsphase.

 
© BBL
In der letzten Dekade wurden auf diese Weise knapp 30 Prozent der Bankstellen in Deutschland wegrationalisiert (s. Abb. 1): bis 2011 noch als langsame, aber stetige Entwicklung, ab 2012 mit steigender Intensität. Die kurzfristige Abschwächung in 2013 ist ausschließlich auf den Anstieg von Partnerfilialen der Postbank zurückzuführen und deshalb für die Gesamtentwicklung nicht relevant.

2018 gibt es drei Neuzuordnungen in der Bundesbankstatistik: Die DB Privat- und Firmenkundenbank geht (über die Fusion mit der Deutschen Postbank) in die Gruppe der Großbanken über. Die Landesbank Berlin/Berliner Sparkasse wird den Sparkassen zugeordnet und die Hamburg Commercial Bank (bisher als HSH Nordbank bei den Landesbanken) wird neu den Regional- und sonstigen Banken zugerechnet.

Entwicklung der Kreditinstitute

Bei den Kreditinstituten bestimmen weiterhin die Fusionen der genossenschaftlichen Banken die Gesamtentwicklung: Die Zahl ihrer Institute sinkt um 40 auf 878 – allerdings, wie vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken avisiert, weniger stark als im Vorjahr (-57 Institute).

Seit 2008 ist der genossenschaftliche Sektor damit insgesamt um mehr als ein Viertel (s. Abb. 2) geschrumpft. Im Durchschnitt waren das mehr als 30 Fusionen pro Jahr. In den letzten beiden Jahren hat das Tempo allerdings stark angezogen. Anders als die Sparkassen verfügen die Kreditgenossenschaften über viele überwiegend kleinere Institute mit durchschnittlich 162 Beschäftigten2 (Stand 12/2018; zum Vergleich: Sparkassen haben im Durchschnitt eine Größe von 544 Beschäftigten). Auf den Gesamtmarkt bezogen, stellt der genossenschaftliche Sektor etwa die Hälfte aller Kreditinstitute in Deutschland.

Auch aufgrund dieser Strukturen war das Fusionstempo bei den Sparkassen in den letzten zehn Jahren gemäßigter als bei den genossenschaftlichen Banken: Die Zahl der Institute sank in dieser Zeit um 53, das sind rund zwölf Prozent. Im Durchschnitt waren das rund fünf Fusionen pro Jahr. Und auch bei den Sparkassen hat sich das Tempo 2018 im Vergleich zu den Vorjahren verlangsamt: Insgesamt gab es im vergangenen Jahr fünf Fusionen. Aufgrund der Neuzuordnung der Berliner Sparkasse verfügen die Sparkassen in der Bundesbankzählung damit über 386 Institute.

2019 gab es bislang nur eine Fusion, bis zum Jahresende werden vier weitere vollzogen. Damit werden die Sparkassen Ende 2019 in der Bundesbanksystematik (d. h. inklusive Berliner Sparkasse) über 380 Institute verfügen.

Die moderate Veränderung der Zahl der Kreditinstitute bei den Kreditbanken3 ist vor allem auf Zugänge bei den Zweigstellen ausländischer Banken zurückzuführen (im Saldo +4 Institute). Die Bundesbank führt diese Entwicklung wie auch den im Vergleich zum Vorjahr geringeren Abbau an Kreditinstituten insgesamt (-2,2 Prozent; Vorjahr: -3,4 Prozent) auf Zugänge aufgrund des bevorstehenden Brexits zurück.

Entwicklung der Zweigstellen

2018 lag der Abbau an Zweigstellen mit minus 2.239 (-7,4 Prozent) noch einmal deutlich über dem Vorjahr. Insgesamt gibt es noch 27.887 Zweigstellen mit Kundengeschäft. Anzumerken ist, dass die Bundesbank seit dem vergangenen Jahr dazu auch Selbstbedienungsterminals mit Beratungsmöglichkeit zählt – eine Auswirkung des digitalen Umbaus auch im stationären Bereich des Kundengeschäfts.

Die meisten Zweigstellen wurden 2018 im privaten Bankensektor abgebaut (-1.272; -14,1 Prozent). Laut Bundesbank ist der größte Teil davon (-1.085 Zweigstellen) auf das fusionierte Institut DB Privat- und Firmenkundenbank zurückzuführen. Auch die genossenschaftlichen Banken reduzieren ihre Zweigstellen wieder deutlich, wenn auch unter dem Vorjahr (-500; -5,3 Prozent; Vorjahr: -714; -7 Prozent).

Bei den Sparkassen, die ihr Zweigstellennetz in den beiden Vorjahren stärker als die anderen Bankengruppen reduziert hatten, hat sich der Filialabbau 2018 weiter verlangsamt: Laut Bundesbank wurden 326 mitarbeiterbesetzte Zweigstellen geschlossen (bereinigt um die Berliner Sparkasse, die im vergangenen Jahr noch den Landesbanken zugeordnet war, liegt der Abbau etwas höher: bei rund 400 Filialen). Insgesamt (d. h. inklusive Landesbanken) fällt der Abbau im vergangenen Jahr dennoch geringer aus als im genossenschaftlichen Sektor.

 
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Alle Bankengruppen haben ihr Zweigstellennetz in den vergangenen zehn Jahren stark konsolidiert: Sparkassen um knapp 30 Prozent, genossenschaftliche Banken um gut ein Viertel ihrer mitarbeiterbesetzten Filialen (s. Abb. 2). Bis zum vergangenen Jahr lagen die Kreditbanken mit minus 20 Prozent deutlich unter diesen Werten. Der Aufbau von Zweigstellen bei den Großbanken hatte sich 2013 – bedingt durch die Partnerfilialen der Postbank – dämpfend auf die Gesamtentwicklung ausgewirkt. Aufgrund des starken Abbaus im laufenden Jahr liegt die Veränderung über die letzten zehn Jahre auch im privaten Bankgewerbe bei minus 30 Prozent (s. Abb. 2).

Sparkassen mit dichtestem Filialnetz

 
 
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Die Sparkassen verfügen damit – ungeachtet der Entwicklung der letzten Jahre – weiterhin über das größte Zweigstellennetz in Deutschland (s. Abb. 3). Jede dritte Zweigstelle in Deutschland ist eine Sparkassen-Geschäftsstelle. Und: die Sparkassen sind weiterhin gut in der Fläche vertreten, der Abbau ging nicht zulasten einzelner Räume, er betraf alle Regionen. Der Anteil an Geschäftsstellen in ländlichen Regionen blieb deshalb in den letzten zehn Jahren auch konstant bei rund 27 Prozent (s. Abb. 4).

Umbau zu Beratungsfilialen

Kunden erledigen viele Bankgeschäfte von zu Hause aus oder nutzen SB-Angebote, die rund um die Uhr verfügbar sind. Nicht überraschend ist die Zahl der SB-Filialen in den letzten Jahren deshalb kontinuierlich gestiegen: von rund 2.400 (2008) auf aktuell 3.600, das ist eine Zunahme von rund 50 Prozent. Für Anlageentscheidungen, das zeigen Umfragen, legen Bankkunden jedoch weiterhin Wert auf persönliche Beratung in ihrem Finanzinstitut. Filialstrukturen werden deshalb nicht nur ab-, sondern auch umgebaut: Kleine, überwiegend serviceorientierte Strukturen werden abgelöst durch größere, besser ausgestattete Filialen, die umfassende Beratungsleistungen anbieten können.

Fazit und Ausblick

 
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Seit einiger Zeit ist ein Strukturwandel – von der Zahlungsverkehrs- zur Beratungsfiliale – im Gange. Er lässt sich an der Entwicklung der Filialgrößen während des letzten halben Jahrhunderts gut nachvollziehen (s. Abb. 5): 1970 lag der Schwerpunkt der Sparkassenfilialen noch auf den Kleinstfilialen mit einem/-r Beschäftigten, rund die Hälfte der Zweigstellen hatte diese Größe. Seither lässt sich eine schrittweise Entwicklung zugunsten größerer Einheiten beobachten. Auch wenn sich die Struktur der Filialen verändert – die Sparkassen bieten mit rund 13.0000 Filialen inklusive SB-Stellen weiterhin ein dichtes Netz an Finanzdienstleistungen im gesamten Bundesgebiet.

Autorin
Annette Ringwald ist Referentin beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) in Berlin.

  • 1Kreditinstitute plus deren Zweigstellen
  • 2Quelle Beschäftigtendaten: Homepage des BVR, Mitarbeiter in den Kreditgenossenschaften seit 1990 in Gesamtdeutschland; 2018: 142.850
  • 3Die Zusammenstellung der Daten im Text wie auch in den Grafiken folgt der Nomenklatur der Bundesbank in der Bankenstatistik. Dort werden die Wertpapierhandelsbanken nicht den Kreditbanken, sondern der Gruppe „In der monatlichen Bilanzstatistik nicht erfasste Bankengruppen“ zugeordnet. Ebenso wird seit 2016 die DZ-Bank bei Banken mit Sonder-, Förder- und sonstigen zentralen Unterstützungsaufgaben ausgewiesen.