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| Girokonto und Zahlungsverkehr

Sparkassen wollen Innovationsführer bleiben

Die Sparkassen bieten alle zeitgemäßen Bezahlformen an – und das mit Erfolg. Dennoch sagt DSGV-Manager Joachim Schmalzl: „Das reicht aber nicht.“

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Die Sparkassen sind Innovationsführer bei den Themen Girokonto und Zah­lungsverkehr – und wollen das auch bleiben. Mit dieser Botschaft eröffnete Joachim Schmalzl, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), die Fachtagung Girokonto und Zahlungsverkehr in Berlin. Früher sei der Zahlungsverkehr eher ein Spezialistenthema gewesen, sagte Schmalzl. Heute stoße das Thema auf breites Interesse und helfe dabei, Ertragsausfälle zu kompensieren, die durch den Niedrigzins bedingt sind.

Noch würden steigende Provisionserträge bei Girokonten fehlende Zinserträge kompensieren: „Wir verdienen gut mit dem Zahlungsverkehr. Die Erträge haben sich in den letzten vier Jahren nach und nach um 26 Prozent erhöht“, sagte Schmalzl. Neue Ertragsquellen seien aber notwendig, um die Auswirkungen der aktuellen Wirtschaftslage auf den Zahlungsverkehr abzufedern.

Strategie wird umgesetzt – und ergänzt

Die bereits 2017 formulierte Girokonto- und Zahlungsverkehrs-Strategie der Sparkassen-Finanzgruppe werde weiterhin konsequent umgesetzt. Die Spar­kasse müsse die finanzielle Heimat des Kunden bleiben, so Schmalzl. Kernstück der Interaktion mit dem Kunden bleibe die Filiale, in der mehr als 60 Prozent der Deutschen zum Beispiel Vertragsabschlüsse vornehmen. Die Ankerfunktion des Girokontos sei unbe­stritten. Es werde durch digitale Neuerungen attraktiver gemacht, die Interaktionsmöglichkeiten würden ausgebaut. Der Kunde solle überall „mit der Sparkasse bezahlen“ können; die Sparkassen würden alle zeitgemäßen Bezahlformen anbieten.

Hierzu gehöre die Girocard, die im ersten Halbjahr 2019 erneut starke Zuwächse verzeichnete. Treiber sei ganz klar das kontaktlose Bezahlen. Bei Zahlungen mit Sparkassencards würden bereits knapp 40 Prozent der Transaktionen kontakt­los abgewickelt.

 
Die Sparkasse müsse müsse finanzielle Heimat des Kunden bleiben, sagte Schmalzl bei der Fachtagung Girokonto und Zahlungsverkehr. © Himsel

Auch die im Sommer 2018 gestartete App „Mobiles Bezahlen“ für Android-Smartphones entwickele sich positiv: 773.000 Sparkassen-Kunden hätten die App inzwischen installiert. Bis Ende Oktober 2019 hätten die Kunden insgesamt vier Millionen Mal an der Kasse mit ihren digitalen Sparkassencards gezahlt. Nach dem Start von „Apple Pay mit der Sparkasse“ könnten auch alle Spar­kassenkunden mit einem iPhone oder einem anderen Apple-Device mobil bezahlen.

Mit dem P2P-Zahlverfahren Kwitt sei es erfolgreich gelungen, junge Zielgruppen anzusprechen. Kwitt habe aktuell rund 1,4 Millionen Nutzer, und jede Woche kämen 10.000 dazu. „Wir entwickeln Kwitt weiter“, kündigte Schmalzl an. „Wir wollen darüber auch eine ‚Person to Business‘-Funktion anbieten.“ Damit sei es dann zukünftig möglich, Geldbeträge auch zwischen Privatpersonen und Händ­lern zu versenden.

Auch zwei neue Payment-Apps für Privat- und Firmenkunden seien in Vorberei­tung. Ziel sei es, in den beiden Apps alle Payment-Verfahren der Sparkassen-Finanzgruppe zu bündeln – als Ergänzung zu den Banking-Funktionen der Ban­king-App. Dies trage dazu bei, das Payment für Kunden und Händler signifikant zu vereinfachen.

Die Internetfiliale als zweite Plattform werde zu einer Finanzplattform für Privat- und Firmenkunden ausgebaut. „Wir sind ein starker Partner für unsere Kunden, weil wir Multikanal richtig gut machen“, sagte Schmalzl. Stand heute nutzten rund zwölf Millionen Kunden pro Monat aktiv das Onlinebanking ihrer Sparkasse. Jeder Kunde besuche im Schnitt zehn Mal im Monat die Internet-Filiale seiner Sparkasse. „Damit haben wir eines der größten Internetangebote Deutschlands und seit 2017 mehr Reichweite als Bild.de“, bilanzierte Schmalzl.

Die S-App – mit rund 7,5 Millionen Anwendern die meistgenutzte deutsche Finanz-App – entwickle sich zur mobilen Filiale, die der Kunde immer bei sich hat. „Unsere App muss sich von einer reinen ,Kontoinformationsplattform‘ zu einer echten Vertriebsplattform entwickeln“, sagte Schmalzl. Sie stärke als personalisierte, zentrale Anlaufstelle die Kundenbindung und biete den Sparkassen als Cross-Selling-Kanal die Chance, höhere Erträge zu erwirtschaften. Große Potenziale offeriere das Multibanking, das inzwischen 325 Sparkassen anböten. Das Opt-out-Verfahren habe sich für einen schnellen Rollout bewährt.

#Deutsche Kreditwirtschaft: Stärker zusammenarbeiten

Das alles mache die Gruppe gut, so Schmalzl. „Das reicht aber nicht.“ Die deut­schen Kreditinstitute müssten säulenübergreifend noch stärker zusammen­arbeiten, ansonsten drohten ihnen große Online-Anbieter Marktanteile abzu­nehmen. Die Vertreter der Deutschen Kreditwirtschaft hätten daher vereinbart, Kräfte zu bündeln, gemeinschaftlich zu investieren und die verschiedenen Zahlverfahren in eine Systematik („X-Pay“) zu bringen. Das Angebot einer Vielzahl von PoS-, E- und M-Commerce-Zahlverfahren unter eigenen Marken und für ein­zelne Einsatzzwecke sei zu kompliziert für den Kunden.

 
Bis Mitte kommenden Jahres will die Deutsche Kreditwirtschaft X-Pay weiter konkretisieren. © Himsel

Der sukzessive Ausbau von X-Pay solle ökonomischen und funktionalen Krite­rien folgen, die Mehrwerte schaffen – dabei solle die dauerhafte Wettbewerbs­fähigkeit gesichert werden. Bis Mitte 2020 wolle die Deutsche Kreditwirtschaft X-Pay in enger Abstimmung mit den Kartellbehörden weiter konkretisieren. Auf der Agenda stehe laut Schmalzl unter anderem die Migration von giropay und paydirekt zu einer gemeinsamen E-Commerce-Lösung bis Ende 2020 sowie die intelligente Verknüpfung der digitalisierten Girocard zum Einsatz im E-und M-Commerce unter X-Pay. „Auch bei Kwitt haben wir das Einverständnis aller deut­scher Banken, sich anzuschließen“, sagte Schmalzl.

Das X-Pay-Projekt verfolge ein ambitioniertes Ziel: X-Pay müsse in Summe so gut sein, dass es der Kunde beim Bezahlen anderen Verfahren gegenüber bevor­zuge. Den besten Weg zum Kunden kenne man bereits: Mit X-Pay werde ein ein­heitlicher „Bezahlbutton“ geschaffen – der Kunde könne immer und überall ohne Entscheidungsproblem bezahlen.

Übergreifende Lösungen entwickeln

Aber selbst eine gemeinsame deutsche Lösung werde nicht reichen, um sich auf Dauer im internationalen Wettbewerb zu behaupten, prognostizierte Schmalzl. Daher gebe es die Initiative „PEPS-I“ (Pan European Payment Solution Initiative) was für eine omnikanalfähige, pan-europäische Lösung steht. 20 Banken und der DSGV arbeiten daran, übergreifende Lösungen zu entwickeln. Der Kunde solle über seinen Dienstleister in jedem Land so einkaufen können, wie er dies wünscht. Dafür sei die Zeit jetzt reif, und mit Instant Payments habe man bereits eine gute Basis geschaffen.

Eine europäische Lösung dürfe jedoch nicht nur Bedürfnisse von Händlern und Endkunden adressieren, sondern auch die der Banken sowie die Anforderungen der Regulatoren. Die Zahlungserfahrung mit dem neuen Scheme müsste sich mit aktuellen Lösungen decken oder einen zusätzlichen Mehrwert bieten. Die Kosten sollten idealerweise niedriger sein. Auf jeden Fall müsse man sich darauf einstel­len, dass bestehende deutsche Marken verschwinden werden, denn der Kunde sei schon national und erst recht im europäischen Umfeld verwirrt, wenn er mit zu vielen Zahlverfahren zu tun habe.

Schmalzl sieht die Projekte #DK und PEPS-I in inhaltlicher und zeitlicher Abhäng­igkeit voneinander: Die im Rahmen von #DK entwickelte nationale Zahlungs­verkehrslösung solle kompatibel mit einer europäischen Lösung sein. Außerdem müsse sichergestellt sein, dass Fragestellungen, die im PEPS-I-Projekt im ersten Quartal nächsten Jahres zur Entscheidung stehen (zum Beispiel einheitliche Akzeptanzmarke), von #DK nicht im Widerspruch dazu beantwortet würden.

Überdies werde sich die Sparkassen-Finanzgruppe im Auslandsgeschäft verstärken, kündigte Schmalzl an. Der Marktanteil von lediglich sechs Prozent sei ausbaufähig. Mehrere Initiativen sollen hier für Verbesserung sorgen, darunter die Umsetzung von Swift-Global Payments Innovation (GPI) und die zukünftige Zahlungsverkehrsplattform AZV Neo der FI, die nicht nur die Landesbanken, sondern auch alle Sparkassen nutzen werden.