Anzeige
| Biometrie

Überweisen mit Touch

Bezahlen per Finger- oder Gesichts-Scan - die Sparkassen setzen im Zahlungsverkehr auch auf die biometrische Authentifizierung. Die Technik könnte ebenfalls im Filialnetz zum Zuge kommen.

Anzeige

Wenn Jürgen Bauerkämper, Leiter Kundenservice-Center bei der Sparkasse Paderborn-Detmold, über die Vorteile von Finger-Scans redet, benennt er schnell die Pluspunkte: “Seit nicht nur die Sparkassen-App sondern auch die Push-TAN-App über den Fingerabdruck geöffnet werden kann, rufen deutlich weniger Kunden an, die ihren Zugang entsperren lassen wollen und neue Registrierungsdaten benötigen. Unsere Dienstleistung ist damit für unsere Kunden einfacher geworden“, betont der Sparkassen-Mann.

So sei die neue Technologie eine gute Möglichkeit, um die Zufriedenheit der Kunden zu steigern und zugleich die Mitarbeiter der Sparkasse zu entlasten. „Ein toller Beitrag zu unserem Leistungsversprechen 'Wir wollen es den Kunden einfach machen, ihr Leben besser zu gestalten“, sagt Bauerkämper.

 
Bereits seit rund 15 Jahren gibt es biometrische Verfahren an deutschen Supermarktkassen. Hier eine Aufnahme aus dem Jahr 2005 bei Edeka in Rülzheim. © dpa

Dabei steht er mit seiner Meinung nicht allein dar. Auch Martin Stein, Experte für Zahlungsverkehr beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV), bestätigt den Trend: „Wir nehmen wahr, dass die meisten Kunden, die sich entscheiden können, entweder wie bisher ein Passwort einzugeben oder sich per Fingerprint zu authentifizieren, die biometrische Variante wählen“, sagt der Spezialist. Auslöser hierfür ist die Entwicklung auf dem Handymarkt. So bringen immer mehr Hersteller Smartphones auf den Markt, die über Fingerabdrucksensoren und eine Gesichtserkennung verfügen.

Fingerabdruck und Gesichtserkennung in der App

Das kommt bei den Handybesitzern gut an. Sie schätzen es, dass „sie sich keine PINs oder Passwörter mehr merken müssen“, meint Stein. Auf diese technologische Entwicklung hat sich der DSGV eingestellt. Abhängig vom jeweiligen Smartphone sind Sparkassen-Kunden seit Längerem in der Lage, den Zugang zu ihrer Sparkassen-App biometrisch abzusichern. Und das ist nicht alles: „Genau wie bei der Sparkassen-App kann sich der Kunde auch in die pushTAN-App per Fingerabdruck oder per Gesichtserkennung einloggen“, ergänzt der DSGV-Experte.

 
2003 wurden an ersten britischen Schulen bereits biometrische Verfahren wie dieser Augenscan eingesetzt. Ärmere Schüler konnten sich registrieren und bekamen nach dem Scan ihr Mittagessen kostenlos. © dpa

Ob Finger-Abdruck oder Iris-Scans - immer mehr Banken stellen seit geraumer Zeit ihren elektronischen Zahlungsverkehr zunehmend auf die biometrische Authentifizierung um. Der Grund: Sie lehnen sich an das veränderte Nutzungsverhalten der Smartphone-Besitzer an, denen Passwörter, Zahlenkombinationen oder das Zeichen eines Musters auf dem Bildschirm lästig ist. Dies gilt vor allem für die jüngere Generation.

Biometrie beschleunigt Authentifizierung

Zwei von fünf Bundesbürgern zwischen 18 und 29 Jahren loggen sich inzwischen per Fingerabdruck ins Online-Banking oder in ihre Banking-App ein. Das geht aus der aktuellen Umfrage der Beratungsgesellschaft PwC hervor. Hintergrund für die wachsende Akzeptanz ist, dass die junge Generation die biometrische Authentifizierung sogar für sicherer hält als Pass- und Zahlenkombinationen. Skeptisch sind hingegen noch ältere Menschen. Von den 60-Jährigen setzen bislang fünf Prozent ihre Fingerkuppe ein, um Zahlungen freizugeben.

 
Der Mensch wird durchleuchtet, was an vielen Stellen hilfreich ist, erinnert auch an anti-utopische Romane von Huxley oder Orwell. © dpa

„Trotz der noch schwachen Verbreitung bei älteren Menschen gehört den biometrischen Verfahren eindeutig die Zukunft – zumal die nachwachsende Generation ihre Bankgeschäfte noch viel selbstverständlicher vom Smartphone aus erledigen wird, als es bei den heutigen Kunden der Fall ist“, betont Maximilian Harmsen, Digital Payments Lead bei PwC Financial Services Deutschland.

Dabei treibe die in der PSD2-Richtlinie geforderte Zwei-Faktor-Authentifizierung den Ausbau biometrischer Verfahren im Zahlungsverkehr deutlich voran. Der Grund: die Biometrie erleichtert dem Kunden, Überweisungen in Sekundenschnelle vorzunehmen.

Harmsen rät deshalb den Sparkassen, die neuen Technologien schnell voranzutreiben. „Wenn klassische Filialbanken für junge Kunden attraktiv bleiben wollen, müssen sie ihre digitalen Angebote um genau solche Verfahren erweitern. Denn die Authentifizierung per Fingerabdruck oder per Gesichtsfelderkennung wird in wenigen Jahren genauso Standard sein, wie es im herkömmlichen Online-Banking die TAN war“, meint der Experte.

Neue Möglichkeiten zur Kombination der Verfahren

Doch dabei wird es nicht bleiben. Denn die Softwarehersteller basteln bereits an noch ausgefeilteren Methoden, um die Kunden zu identifizieren. „Es werden derzeit bereits weitere Verfahren wie zum Beispiel Venen- oder Puls-Scan entwickelt, die in wenigen Jahren die Marktreife erlangen“, meint der Zahlungsspezialist. Dabei handelt es sich um so genannte Biowatches. Dazu wird ein kleiner Sensor in die Schnalle einer Armbanduhr eingefasst. Er misst das einzigartige Venenmuster am Handgelenk.

Sobald die Schnalle verschlossen ist, wird der Träger über einen biometrischen Algorithmus erkannt (oder eben nicht). Dadurch lassen sich per NFC oder Bluetooth Türen, PCs oder Apps problemlos entsperren oder Zahlungsvorgänge bestätigen. Egal ob Venen-, Augen- oder Gesichts-Scans - hilfreich sind die neue Erkennungstechnologien vor allem bei Geschäftsvorfällen mit einem erhöhten Sicherheitsbedarf.

Köper-Scans im Stationärgeschäft

So könnten Sparkassen zwei biometrische Verfahren zum Beispiel kombinieren, „wenn der Kunde eine ungewöhnlich hohe Zahlung initiiert oder eine Transaktion aus dem Ausland durchführen möchte“, betont Harmsen.

Doch auch im stationären Geschäft dürften Körper-Scans schon bald zum Bankalltag gehören. „Wir erwarten, dass sich biometrische Authentifizierungsverfahren auch an SB-Terminals beziehungsweise stationären Kanälen durchsetzen werden“, betont der Zahlungsverkehr-Spezialist. Das könnte den Sparkassen helfen, mehr Kunden in eine Filiale zu locken. Doch das ist nicht alles: Denkbar ist, dass Sparkassen biometrische Verfahren auch verstärkt in ihren Filialen einsetzen.

Vor allem für Flächensparkassen, die in ländlichen Regionen über personell schwach besetzte Geschäftsstellen verfügen, wäre die neue Technologie hilfreich. Sie könnten separate Beratungsräume schaffen, die sich nur mit Finger- und Augenscans öffnen lassen. Hat sich der Kunde beim Betreten des Raumes authentifiziert, wird er automatisch mit seinem Berater am Bildschirm verbunden. Statt digitaler Unterschrift könnte er dann den Vertragsabschluss für eine Baufinanzierung oder einem Vorsorgeprodukt mit einem Retina-Scan bestätigen.

Fraspa nutzt Biometrie bei Zugangskontrollen

Doch das ist noch Zukunftsmusik. Dennoch setzen die Sparkassen die neuen Technologien bereits in vielen Bereichen ein. So nutzen einige Institute biometrische Verfahren zum Beispiel bei Zugangskontrollen. Dazu gehört die Frankfurter Sparkasse. „Biometrische Verfahren sind bei uns bereits im zentralen Kassenbereich für Zugangskontrollen eingesetzt worden“, erklärt eine Sprecher der Sparkasse.

Dabei soll es nicht bleiben: „Wir beobachten die Entwicklung dieser Technologien und auch den Umgang mit Sicherheits- und Datenschutzfragen in diesem Zusammenhang. Mittelfristig werden diese Technologien aber auch bei der Frankfurter Sparkasse eine größere Rolle spielen“, heißt es hier. Für die Mitarbeiter des Frankfurter Instituts ist Biometrie schon lange kein Fremdwort.

Ihre Dienst-iPhones und iPads verfügen über eine Funktion zur Gesichtserkennung: „Dies können die Beschäftigten, die ein solches Gerät nutzen, auf freiwilliger Basis auswählen“, betont eine Sparkassen-Sprecherin.

"Es gibt keine Kartenverluste mehr"

Auch der Sparkassenverband Bayern setzt seit Längerem auf die neue Technik. Er hat 2012 ein biometrisches Zutrittssystem für alle Eingänge zur Geschäftsstelle des Verbands in München eingeführt. So identifiziert sich die gesamte Belegschaft über eine berührungslose 3D-Fingerabdruckerkennung, wenn sie das Gebäude betritt. Dadurch erübrigt sich für die Mitarbeiter, eine Ausweiskarte oder einen Schlüssel mitzuführen.

Sparkassenverband Bayern erfasst biometrisch

„Als moderner Arbeitgeber hat sich der Sparkassenverband Bayern für die biometrische Erfassung und die Integration in digitale Systeme entschieden, um den Aufwand für die Mitarbeiter zu vermindern. Ein großer Vorteil für den Verband besteht aber auch darin, dass es keine Kartenverluste mehr gibt“, erklärt Ulrich Netzer, Präsident des Sparkassenverbands Bayern.

Ein weiterer Pluspunkt: der Verband kann über die eindeutige Identifikation auch die Arbeitszeiten der Mitarbeiter erfassen. „Dadurch wird der gesamte Buchungsprozess komfortabel und kann nahezu nebenher erledigt werden“, betont der Verbandspräsident. Dabei funktioniert der Zugang zuverlässig rund um die Uhr. Netzer: „Unsere Belegschaft hat sich schnell an das neue Verfahren gewöhnt und schätzt den Zugang per Fingerscan sehr – gerade im Winter ist der schnelle und bequeme Zutritt angenehm!“.