Anzeige
| Risikomanagement

Umbruch bei Referenzzinsen ist in vollem Gange

Nach Manipulationen bedeutender Benchmarks implementierte der Gesetzgeber in der EU als Gegenmaßnahme die EU Benchmark-Verordnung.

Anzeige

Nach deren Inkrafttreten nahm im Februar 2018 innerhalb der europäischen Wirtschaftsunion die sog. EZB-Arbeitsgruppe zu risikolosen Zinssätzen, bestehend aus Banken und Finanzmarktorganisationen unter Teilnahme u. a. der EZB und der EU-Kommission, die Arbeit auf.

Das Mandat der EZB-Arbeitsgruppe ist es, Alternativen für bestehende Indizes zu finden und die Umstellung zu neuen oder reformierten Zinssätzen zu begleiten. Im Falle des Euro Overnight Index Average (EONIA) wurde von der Arbeitsgruppe empfohlen, diesen zukünftig durch die Euro Short-Term Rate (€STR) abzulösen. Am 2. Oktober 2019 wurde der €STR zum ersten Mal veröffentlicht.

 
© R4 Nachrichten

Diese neue Benchmark wird von der Europäischen Zentralbank auf Basis der tatsächlich verbuchten Geldmarktgeschäfte für jeden Bankarbeitstag berechnet. Es handelt sich dabei um einen volumengewichteten und getrimmten Durchschnittswert (siehe Zusatzinformationen). Die Datengrundlage ist die EZB-Geldmarktstatistik (MMSR). Die Methode ist konform zur Benchmark-Verordnung. Zudem startet mit dem €STR die sog. “T+1”-Welt. Dies bedeutet, dass die €STR-Veröffentlichung durch die EZB immer erst am Folgetag (bis spätestens 9:00 Uhr MEZ) für den Tag erfolgt, auf den sich der Wert bezieht.

Zeitgleich wird der EONIA ab 2. Oktober 2019 bis zum 3. Januar 2022 als sog. Tracker-Benchmark zum €STR als “€STR+Spread von 8,5 Basispunkten” weitergeführt. Der EONIA mit neuer Berechnungsmethode ist gemäß der EZB-Arbeitsgruppe nicht als ein „neuer“ Referenzwert anzusehen. Allerdings gilt es, in allen betroffenen Produkten und Systemen die “T+1”-Welt auch für den EONIA umzusetzen.

 
© R4 Nachrichten

Wir gehen weiter von einer dynamischen Entwicklung im Zuge des Umbruchs bei Referenzzinsen aus und blicken mit Spannung auf den sich nun entwickelnen €STR-Derivatemarkt.

Mehr Informationen von:

Leon.Unger@dsgv.de