Anzeige
| Bankstellennetz 2017

Von der Zahlungsverkehrs- zur Beratungsfiliale

Die Bundesbank hat die Daten zur Bankstellenentwicklung 2017 veröffentlicht. Der Konsolidierungsdruck im Bankenmarkt ist unverändert hoch. Fusionen und Zweigstellenschließungen lassen die Zahl der Bankstellen in Deutschland weiter sinken. Auch wenn Sparkassen 2017 mehr Zweigstellen als andere Bankengruppen geschlossen haben, verfügen sie weiterhin über das dichteste Filialnetz in Deutschland.

Anzeige

Im vergangenen Jahr sind in Deutschland knapp 2000 Bankstellen1 überwiegend aufgrund von Institutsfusionen oder Zweigstellenschließungen weggefallen. Absolut lagen die Rückgänge zwar etwas unter dem Vorjahr, dennoch sind das zum zweiten Mal in Folge fast sechs Prozent weniger Bankstellen. Die Daten verdeutlichen den hohen Anpassungs- und Kostendruck, unter dem die gesamte Branche steht: langfristig bedingt durch veränderte Kundenbedürfnisse – viele Bankgeschäfte lassen sich aufgrund der technischen Entwicklung inzwischen außerhalb der Filiale erledigen – und in den vergangenen Jahren deutlich verstärkt durch die anhaltende Niedrigzinsphase.

 
© BBL
In der vergangenen Dekade sind auf diese Weise fast ein Viertel der Bankstellen in Deutschland wegrationalisiert worden (s. Abb. 1): bis 2011 als langsamer und stetiger Prozess, ab 2012 ist die Intensität gestiegen. Die kurzfristige Abschwächung 2013 ist ausschließlich auf den Anstieg von Partnerfilialen der Postbank zurückzuführen und deshalb auch keine reale Trendumkehr.

Entwicklung der Kreditinstitute

Bei den Kreditinstituten gehen die Veränderungen aktuell überwiegend auf Fusionen im Bereich der Genossenschaftsbanken zurück (minus 57 von 65 Instituten insgesamt in Deutschland). Die Zahl der Sparkassen ist von 403 im Vorjahr auf 390 zum Jahresende 2017 gefallen. Der leichte Anstieg bei den Kreditbanken2 ist vor allem auf Zugänge bei den Zweigstellen ausländischer Banken zurückzuführen (im Saldo plus vier Institute).

 
© BBL
Anders als die Sparkassen verfügen die genossenschaftlichen Banken über viele überwiegend kleine Institute mit durchschnittlich 159 Beschäftigten3 (Stand: 12/2017, zum Vergleich: Sparkassen haben im Durchschnitt eine Größe von 554 Beschäftigten). Bezogen auf den Gesamtmarkt stellen sie etwa die Hälfte aller Kreditinstitute in Deutschland. Seit 2007 ist der genossenschaftliche Sektor um ein Viertel auf aktuell 918 Institute geschrumpft (s. Abb. 2). Im Durchschnitt waren das 30 Fusionen pro Jahr; in den vergangenen beiden Jahren hat das Fusionstempo allerdings stark angezogen. Der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) rechnet 2018 mit einer etwas verlangsamten Entwicklung gegenüber 2017.4

Bei den Sparkassen haben in den beiden vergangenen Jahren ebenfalls deutlich mehr Institute fusioniert. Der Durchschnitt war in den vergangenen zehn Jahren allerdings wesentlich niedriger als im genossenschaftlichen Sektor, nämlich bei sechs Fusionen pro Jahr; die Zahl der Sparkassen ist in dieser Zeit um 56 Institute gesunken. Einschließlich Mai gab es 2018 bislang fünf weitere Fusionen, die aktuelle Zahl der Sparkassen liegt also bei 385. Auch der DSGV rechnet mit einer etwas ruhigeren Entwicklung im laufenden Jahr.

Entwicklung der Zweigstellen

2017 gab es in Deutschland knapp sechs Prozent weniger Zweigstellen als 2016, das ist ein Rückgang um 1900 auf 30.126 Zweigstellen mit Kundengeschäft. Die Bundesbank erwähnt in diesem Jahr erstmals auch Selbstbedienungsterminals mit Beratungsmöglichkeit, die offensichtlich ebenfalls als Zweigstelle gezählt werden – eine Reflexion des digitalen Umbaus auch im stationären Bereich des Kundengeschäfts. Die Sparkassen haben – wie bereits im Vorjahr – die meisten Filialen geschlossen (-737; -7,0 Prozent), dicht gefolgt von den genossenschaftlichen Banken (-714; -7,0 Prozent). Bei den Sparkassen ist die Entwicklung damit gegenüber 2016 rückläufig (Vorjahr: -904), im genossenschaftlichen Sektor zieht sie dagegen leicht an (Vorjahr: -677). Die Kreditbanken verfügen insgesamt über rund 400 Zweigstellen weniger als noch 2016 (-4,3 Prozent).

 
© BBL
Alle Bankengruppen haben ihr Zweigstellennetz in den vergangenen zehn Jahren stark konsolidiert: Sparkassen um gut, genossenschaftliche Banken um knapp ein Viertel ihrer mitarbeiterbesetzten Filialen (Abb. 2). Die mit 20 Prozent geringeren Rückgänge im privaten Bankgewerbe reflektieren nicht unbedingt die realen Veränderungsraten in diesem Sektor: Der Aufbau von Zweigstellen bei den Großbanken in 2013 – bedingt durch die Partnerfilialen der Postbank – wirkt sich dämpfend auf die Gesamtentwicklung aus.
  • 1Kreditinstitute plus deren Zweigstellen.
  • 2Die Zusammenstellung der Daten in diesem Beitrag wie auch in den Grafiken folgt der Nomenklatur der Bundesbank in der Bankenstatistik. Dort werden die Wertpapierhandelsbanken nicht den Kreditbanken, sondern der Gruppe „In der monatlichen Bilanzstatistik nicht erfasste Bankengruppen“ zugeordnet. Ebenso wird seit 2016 die DZ-Bank bei Banken mit Sonder-, Förder- und sonstigen zentralen Unterstützungsaufgaben ausgewiesen.
  • 3Quelle: Beschäftigtendaten: Homepage des BVR: vorläufige Zahl der Beschäftigten in den Kreditgenossenschaften 2017: 146.500.
  • 4Quelle: Homepage BVR; Statement Marija Kolak zur Jahrespressekonferenz am 13. März 2018.

Sparkassen mit dichtestem Filialnetz

 
© BBL
Zwei Dinge lassen sich anhand der statistischen Daten zeigen: Die Sparkassen verfügen – ungeachtet der Entwicklung der vergangenen Jahre – weiterhin über das größte Zweigstellennetz in Deutschland (s. Abb. 4). Jede dritte Zweigstelle in Deutschland ist eine Sparkassengeschäftsstelle. Und: Die Sparkassen sind weiterhin gut in der Fläche vertreten, der Abbau ging nicht zulasten einzelner Räume, er betraf alle Regionen. Der Anteil an Geschäftsstellen in ländlichen Regionen blieb deshalb in den vergangenen zehn Jahren auch konstant bei rund 27 Prozent (s. Abb. 4).

Umbau zu Beratungsfilialen

Kunden erledigen viele Bankgeschäfte von zu Hause aus oder nutzen SB-Angebote, die rund um die Uhr verfügbar sind. Nicht überraschend ist die Zahl der SB-Filialen in den vergangenen Jahren deshalb kontinuierlich gestiegen: von rund 2300 (2007) auf aktuell 3400, was einer Zunahme von fast 50 Prozent entspricht. Für Anlageentscheidungen − das zeigen Umfragen − legen Bankkunden jedoch weiterhin Wert auf persönliche Beratung in ihrem Finanzinstitut. Filialstrukturen werden deshalb nicht nur ab-, sondern auch umgebaut. Kleine, überwiegend serviceorientierte Strukturen werden abgelöst durch größere, besser ausgestattete Filialen, die umfassende Beratungsleistungen anbieten können.

 
© BBL
Dieser Strukturwandel von der Zahlungsverkehrs- zur Beratungsfiliale ist seit einiger Zeit im Gange und lässt sich an der Entwicklung der Filialgrößen während des vergangenen halben Jahrhunderts gut nachvollziehen (s. Abb. 5): 1970 lag der Schwerpunkt der Sparkassenfilialen noch auf den Kleinstfilialen mit einem Beschäftigten. Rund die Hälfte der Zweigstellen hatte diese Größe. Seither lässt sich eine schrittweise Entwicklung zugunsten größerer Einheiten beobachten. Die Strukturen wandeln sich, die Sparkassen bieten mit 13.300 Filialen inklusive SB-Stellen weiterhin ein dichtes Netz an Finanzdienstleistungen im gesamten Bundesgebiet.

Fazit

Stationäre Filialen werden über alle Bankengruppen hinweg weiter abgebaut, das zeigt die Bundesbank in ihrer aktuellen Veröffentlichung „Bankstellenentwicklung 2017“. Parallel zu dieser Entwicklung ist die Zahl der SB-Filialen von 2007 bis heute um rund 50 Prozent gestiegen. Trotz aller Selbstbedienungs- und Online-Möglichkeiten wünschen Kunden – selbst jüngere – jedoch eine persönliche Beratung, wenn es um zukunftsgerichtete Anlageentscheidungen geht. In vielen Instituten erfolgt deshalb ein Umbau von der Zahlungsverkehrs- zur Beratungsfiliale.

Autorin
Annette Ringwald ist Referentin beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) in Berlin.

  • 1Kreditinstitute plus deren Zweigstellen.
  • 2Die Zusammenstellung der Daten in diesem Beitrag wie auch in den Grafiken folgt der Nomenklatur der Bundesbank in der Bankenstatistik. Dort werden die Wertpapierhandelsbanken nicht den Kreditbanken, sondern der Gruppe „In der monatlichen Bilanzstatistik nicht erfasste Bankengruppen“ zugeordnet. Ebenso wird seit 2016 die DZ-Bank bei Banken mit Sonder-, Förder- und sonstigen zentralen Unterstützungsaufgaben ausgewiesen.
  • 3Quelle: Beschäftigtendaten: Homepage des BVR: vorläufige Zahl der Beschäftigten in den Kreditgenossenschaften 2017: 146.500.
  • 4Quelle: Homepage BVR; Statement Marija Kolak zur Jahrespressekonferenz am 13. März 2018.