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Banksteuerung / Fünf Fragen an...
„Digitalisierte Banksteuerung vielseitig nutzbar“
Warum sich die Bank ohne IT nicht mehr steuern lässt – und die Informationstechnologie ihrerseits professionell zu steuern ist, erläutert Markus Bock von der Finanz Informatik (FI).

DSZ: Herr Bock, was macht die moderne Banksteuerung so komplex?

Markus Bock: Die wachsende Bedeutung der IT verändert auch die Aufgaben der Banksteuerung. IT ist Kern der Digitalisierung, steht im Zentrum zahlreicher Produkte und ist wesentlicher Bestandteil von Lösungen, mit denen die Anforderungen der Regulierung umgesetzt werden. Zudem verändert sich die IT selbst. Sie wird standardisierter und damit effizienter. Auf diese Weise leistet sie einen wichtigen Beitrag, um die Herausforderungen der aktuellen Niedrigzinsphase zu bewältigen.

Das alles macht die IT zu einer strategisch wichtigen Ressource in den Instituten. Als solche muss sie selbst gesteuert werden, was wiederum entsprechende neue Lösungen und Methoden in der Banksteuerung erfordert. Das bezieht auch ein, dass die Aufsicht zunehmend wachsende Anforderungen an die Banksteuerung stellt.

Markus Bock ist Geschäftsbereichsleiter Banksteuerung, Meldewesen, Risikomanagement bei der Finanz Informatik (FI). Warum die IT ihrerseits professionell gesteuert werden muss und die Sparkassen dabei gut aufgestellt sind, erläutert er in Antworten auf fünf Fragen.

Wie werden die Herausforderungen in der Sparkassen-Finanzgruppe gelöst?

Bock: Die Banksteuerung wurde strategisch neu ausgerichtet. Die fachlichen Konzepte dazu kommen von der Sparkassen Rating und Risikosysteme GmbH (SR) in enger Zusammenarbeit mit Projektsparkassen und den Regionalverbänden. Kernelement ist dabei eine einheitliche und standardisierte Datenhaltung als Grundlage für weitgehend standardisierte und automatisierte Banksteuerungsprozesse in den Instituten. Auf dieser Grundlage setzt die FI auf. Wir digitalisieren die Banksteuerung, bauen sie aus und integrieren sie in die Gesamtbanklösung OSPlus.

Sie beziehen sich offenbar auf den „Integrierten Datenhaushalt“, kurz IDH. Wie nutzen Sie den für die digitalisierte Banksteuerung?

Bock: Richtig, die zentrale dispositive Datenplattform der Sparkassen-Finanzgruppe ist der IDH. Er ist die wesentliche Voraussetzung, mit der die Institute konsistente Steuerungsinformationen nach Risiko-, Ertrags- und Kostengesichtspunkten generieren können.

Damit Sparkassen überhaupt von einer modernen, digitalisierten Banksteuerung profitieren können, müssen die vorhandenen Datensilos aufgelöst werden. Häufig finden sich diese in Bereichen wie dem Risikomanagement, der Banksteuerung oder dem Meldewesen. In diesen Bereichen wurden in der Vergangenheit häufig individuelle Kennzahlen gebildet, die je nach Bereich unterschiedliche Zielsetzungen verfolgten.

Mit dem IDH werden diese Daten zusammengeführt und homogenisiert. Dazu binden wir sukzessive Daten und Informationen der unterschiedlichen OSPlus-Systeme und -Anwendungen sowie Verbundpartnerdaten in den IDH ein und machen sie auf diese Weise für die Banksteuerung nutzbar.

Wie weit ist der Aufbau des integrierten Datenhaushalts inzwischen fortgeschritten?

Aktuell befinden wir uns in der Aufbauphase dieser zentralen Datenplattform, die nach und nach wächst und für weitere Anwendungszwecke umgesetzt wird: So stehen die zentralen Informationen zunächst dem Meldewesen und dem Risikomanagement zur Verfügung. In weiteren Stufen wird der IDH für die Gesamtbanksteuerung und weitere Anwendungen ausgebaut und für die Sparkassen verfügbar gemacht. Damit entsteht für alle Sparkassen eine zentrale konsistente Informationsbasis.

Auf dieser technischen Grundlage bauen wir die Banksteuerung in OSPlus zu einer erweiterbaren und flexiblen Anwendung aus. Die digitalisierte Banksteuerung agiert perioden- als auch wertorientiert sowohl auf Gesamtbankebene als auch auf den Ebenen der strategischen Geschäftsfelder. Die Anwendung ist mit dem IDH-Reporting darauf ausgelegt, konsistente Berichte und Analysen in kürzester Zeit standardisiert und automatisiert zu generieren.

Damit erfüllen die Institute die immer ehrgeizigeren Anforderungen der Aufsicht etwa hinsichtlich der knapper bemessenen Fristen zur Berichterstattung. Darüber hinaus erhalten sie aber auch ein wertvolles Tool, mit dem sie den betriebswirtschaftlichen Nutzen einer modernen Banksteuerung vollständig ausschöpfen können.

Welchen betriebswirtschaftlichen Nutzen soll die Banksteuerung haben?

Bock: Bei konsequenter und intelligenter Umsetzung wird die digitalisierte Banksteuerung vielseitig nutzbar. Sie kann beispielweise dabei unterstützen, Risiken von Kreditausfällen frühzeitig zu erkennen. Moderne Banksteuerungsanwendungen können aber auch dabei helfen, Erkenntnisse aus dem Risikomanagement in Vertriebsanlässe zu überführen. Das sind nur zwei Beispiele dafür, wie die Banksteuerung zu einem Wertschöpfungsfaktor in den Instituten werden kann.

Dies und die nicht minder wichtigen Aufgabenstellungen im Kontext der Einhaltung regulatorischer Anforderungen machen die digitalisierte Banksteuerung zur Schlüsseltechnologie bei der Lösung zentraler Herausforderungen des heutigen Sparkassengeschäfts.

24. Februar 2020