Matthias Roth
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Coronakrise
„Der Draht darf nicht abreißen“
Die Sparkassen stemmen sich gegen die drohende Lähmung des Landes. Ein Telefonat mit Matthias Roth, Vorstand der Sparkasse Donnersberg.

Mehr als 30 bestätigte Fälle gibt es bereits im Donnersbergkreis (75.000 Einwohner) im Norden der Pfalz. Sogar einen Mitarbeiter der Sparkasse, der aus dem Tiroler Skiurlaub zurückgekehrt war, hat es erwischt. Doch der kam erst gar nicht wieder an seinen Arbeitsplatz, sondern befindet sich in häuslicher Quarantäne.

Die Sparkasse Donnersberg beschäftigt 246 Mitarbeiter, unterhält elf Standorte und eine „mobile Bank“. Von diesem Angebot kann die Kundschaft derzeit nur an vier Orten zu den gewohnten Zeiten Gebrauch machen.

Wie das Institut mit der Krise umgeht, erklärt Vorstandsmitglied Matthias Roth.

GS Rockenhausen
Die Sparkasse Donnersberg unterhält elf Standorte und eine „mobile Bank“. Im Bild: die Geschäftsstelle Rockenhausen.

DSZ: Herr Roth, wie macht sich „Corona“ bei Ihnen bemerkbar?

Matthias Roth: Die Kundenfrequenz ging deutlich zurück; in den ersten Tagen kam es zu einem starken Anstieg bei Barabhebungen an den Automaten. Doch das hatte sich schon bald wieder fast aufs Normale eingependelt. Jetzt ist es so, dass durch das Kontaktverbot sowieso kaum Kundschaft kommt. Die Automaten haben weiter Hochbetrieb, und auch die Telefonate haben sehr stark zugenommen.

Wie haben Sie auf „Corona“ reagiert?

Es begann mit der Sitzung des Krisenteams Ende vorletzter Woche. Das war der Zeitpunkt, wo wir unser Notfallkonzept aus der Schublade holen mussten. Das Konzept hatten wir bereits vor Jahren entwickelt, um mögliche Personalausfälle – aus welchen Gründen auch immer – aufzufangen.  Zum Glück haben wir noch keine bemerkenswerten „Ausfälle“, wir haben jedoch eine Reihe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ins Homeoffice geschickt.

Wie viele von ihnen befinden sich im Homeoffice?

Rund 40.

Und das klappt?

Sehr gut sogar. Obwohl zunächst nicht alle über das nötige Equipment verfügten, die mussten wir erst noch mit elektronischen Zugängen ausstatten. Das Zusammenarbeiten hat sich dadurch sehr verändert.

Welche Sicherheitsmaßnahmen haben Sie für die Kollegen im Haus?

Wir haben in den beiden Hauptgeschäftsstellen in Kirchheimbolanden und Rockenhausen die durch den Homeoffice-Einsatz von verschiedenen Kollegen frei gewordenen Büros genutzt, damit die weiterhin in der Sparkasse tätigen Mitarbeiter, soweit es geht, in einem Einzelbüro arbeiten können. Wo es nicht anders machbar ist, sind es maximal zwei – aber die sitzen dort mit großem Abstand zueinander. Dabei wurden auch Abteilungen und Bereiche aufgeteilt und die Arbeitszeiten größtmöglich flexibilisiert.

Außerdem wird das Kassen- und Servicegeschäft mittlerweile nur noch über fest verglaste Arbeitsplätze abgewickelt, um Kunden und Mitarbeiter bestmöglich zu schützen. In den Kundenhallen haben wir Wegweiser und Bodenmarkierungen angebracht, um unsere Kunden zu leiten.

Und wir stehen auch in Kontakt mit einem Sicherheitsdienst, doch brauchten wir den bislang nicht zu bemühen. Insgesamt lässt sich sagen, dass wir unser Sicherheitskonzept von Tag zu Tag überprüfen und anpassen. Das betrifft in erster Linie den Umgang mit den Öffnungs- und Beratungszeiten. Darüber hinaus haben wir alle externen Arbeiten im und am Haus fürs Erste ausgesetzt.

Für die Mitarbeiter ist das alles etwas ganz Neues.

Das kann man so sagen. Diese Veränderung der Arbeitswelt, von der wir alle hoffen, dass sie nur von vorübergehender Dauer ist, wird von unseren Mitarbeitern gut angenomment. Natürlich wären die alle viel lieber in ihrem vertrauten Arbeitsumfeld, in unmittelbarem Kontakt zu ihren Kunden, doch geht es jetzt in dieser extremen Situation in erster Linie darum, dass der Draht nicht abreißt.

Sehen das die Kunden auch so?

Klar, auch die brauchen den Kontakt – vielleicht mehr denn je. Und was wir tun und vertreten können, tun wir jederzeit, und zwar unbürokratisch, weil es unser Anliegen als Sparkasse ist, die Geschäftswelt und damit die Region soweit es irgend geht, vor den wirtschaftlichen Folgen zu schützen – und auch zu unterstützen. Dennoch fürchten wir, dass das Coronabeben nicht jede Firma überlebt.

Wir leben ja alle im Augenblick mit dieser großen Verunsicherung.  Und da  erwartet man auch etwas von uns, vor allem die Selbstständigen. Wir haben in einigen Fällen schon über Liquiditätshilfen gesprochen, in anderen Fällen konkret über Tilgungsaussetzungen. Wir erwarten, dass es in den kommenden Tagen vermehrt zu Anfragen kommen wird.

Wie beurteilen Sie heute, am 25. März 2020, die Lage?

Ich glaube, dass wir im Augenblick so etwas wie ein Ende der ersten Welle spüren. Mit den Kunden hat das Gesprächsaufkommen der letzten Tage etwas nachgelassen, man wartet ab. Das hängt bestimmt auch damit zusammen, dass man erst mal sehen will, was die öffentliche Hand an Unterstützung bereithält.

Informationen zu Corona für ihre Kunden hält die Sparkasse Donnersberg hier auf ihrer Webseite bereit.

Hier geht es zu weiteren Artikeln der SparkassenZeitung zum Umgang der Sparkassen mit der Coronakrise 

 

Reinold Rehberger
– 26. März 2020