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Coronakrise / Interview
„Hier zeigt sich der anpassungsfähige Unternehmer“
Matthias Roth, Vorstandsmitglied der rheinland-pfälzischen Sparkasse Donnersberg, zieht eine Corona-Zwischenbilanz.

Herr Roth, lässt sich absehen, was die Coronakrise bewirken wird?

Matthias Roth: Das kann auch heute noch niemand abschließend beurteilen. Wir können nur hoffen, dass das Virus bald verschwindet oder ein wirksamer Impfstoff gefunden wird.

Was ist Ihnen während der vergangenen Wochen besonders aufgefallen?

Es war eine nach meinem Gefühl sehr intensive Zeit. Das betrifft alle Bereiche unseres Hauses – sowohl den Umgang mit unseren Kunden als auch die tägliche Zusammenarbeit des Personals untereinander, ob im Haus oder im Homeoffice.

Mit Privat- und Geschäftskunden wurde sehr, sehr viel telefoniert, da Präsenztermine eher im Ausnahmefall und nur auf Kundenwunsch wahrgenommen wurden. 

Matthias Roth
Empfindet die vergangenen Monate als eine „sehr intensive Zeit“: Matthias Roth.

Der Informationsbedarf der Kunden war außerordentlich hoch?

Richtig. Die von staatlicher Seite ins Spiel gebrachten Finanzierungshilfen sind mit einem hohen Informationsaufwand verbunden. Anfangs war eine große Verunsicherung bei den Kunden spürbar.

Das heißt, dass in vielen Fällen Unklarheiten geklärt werden mussten und dass sich später die Bedingungen nochmals änderten. Die Mitarbeiter mussten sehr viel arbeiten und sich selbst mit der Materie vertraut machen. Aber insgesamt denke ich, dass das gut gelungen ist und auch von den Kunden entsprechend gewürdigt wird.

Sind Ihre Firmenkunden bisher gut durch die Krise gekommen?

Glücklicherweise haben wir bislang unter unseren Kunden keine großen Ausfälle. Wenn eine solche Situation für etwas gut ist, dann nutzt sie bestimmt auch der Eigenverantwortung des Unternehmers. Beispiel Gastronomie: Da gibt es die einen, die schicksalsergeben abwarten, was kommt, und es gibt die anderen, die einen Abhol-Service einrichten. Hier zeigt sich exemplarisch der anpassungsfähige Unternehmer, welcher auch Krisen übersteht.

Wie ist die Belegschaft insgesamt mit der Situation umgegangen?

Da kann ich unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nur ein großes Kompliment machen. Sie sind – auch wenn es mit ziemlichen Veränderungen verbunden war – diesen Weg mitgegangen, auch wenn sie ausschließlich zu Hause oder im Wechsel mit dem Büro präsent waren.

Die Mitarbeiter haben die Situation auch für sich genutzt, haben eine hohe Flexibilität gezeigt, sodass ich sicher bin, dass wir im Wiederholungsfall Anpassungsnotwendigkeiten ganz rasch realisieren könnten.

Wir hatten zum Glück auch keinen Ausfall in der Belegschaft – es blieb bei diesem einen Mitarbeiter, über dessen Fall wir damals berichteten – und ansonsten mussten wir eben mögliche Betroffenheitsrisiken verteilen.

Das heißt, Sie sind bereits wieder auf dem Weg in die Normalität?

Wir halten alle Vorschriften und Abstandsregelungen ein und ändern nur dort, wo wir ändern können. Ein Teil dieser Organisation ist bereits wieder zurückgebaut, ein anderer Teil bleibt noch bestehen.

Was hat dazu beigetragen, die Situation auszuhalten?

Man hat einige Ventillösungen gefunden – sowohl was die Zusammenarbeit im Unternehmen angeht, als auch was die Beratung der Kunden betrifft.

Man kehrt aber auch zum Teil wieder zur Normalität zurück, das heißt, Geschäftsstellen werden wieder geöffnet – bei uns ist das am 1. Juli der Fall, dann werden wieder alle stationären Filialen für unsere Kunden da sein.

Man arrangiert sich mit den aktuellen Vorschriften, nimmt auch stärker Rücksicht auf andere und ist achtsamer mit sich selbst. Es bleibt abzuwarten, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt. Wenn die dunkle Jahreszeit kommt, und wenn verschiedene Aktivitäten nicht mehr bei schönem Wetter unter freiem Himmel ablaufen, werden einige Veranstaltungen wahrscheinlich nicht möglich sein.

Denken Sie auch an Ihre eigenen Kundenveranstaltungen?

Wir haben seit Anfang März keine einzige Kundenveranstaltung gehabt – da waren wir sicher nicht die einzige Sparkasse.
 

Reinold Rehberger
– 25. Juni 2020