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Coronakrise / Regulierung
Weniger Hürden für Berater
Im Wertpapiergeschäft gelten strenge Regeln, vor allem seit Umsetzung der Mifid II. Doch die Pandemie führt zu Änderungen.

Die bisherigen Verhaltens- und Organisationspflichten für  das Wertpapiergeschäft sind nur noch bedingt umsetzbar. Mindestens vorübergehende Änderungen sind jetzt nötig – findet die deutsche Kreditwirtschaft. Die Aufsichtsbehörden Esma und Bafin gehen nun auch einen ersten Schritt.

Für Edda Tielke ist es eine ziemlich verrückte Situation. „Die Märkte sind massiv in Bewegung. Die Kunden haben einen hohen Beratungsbedarf. Sie wollen handeln. Aber wie soll das gehen, wenn viele von uns in Heimarbeit sind“, sagt die Mitarbeiterin im Vertriebsmanagement der Sparkasse Osnabrück. 

Sprachaufzeichnung im „Homeoffice“ oft nicht möglich

Im „Homeoffice“ ist zum Beispiel die vorgegebene Sprachaufzeichnungspflicht in aller Regel technisch nicht zu erfüllen. „Diese Pflicht war immer schon fragwürdig, weil sich Kunden damit nicht wohlgefühlt haben und schnelles Wertpapiergeschäft nicht mehr möglich ist“ sagt Tielke. „Jetzt kommt hinzu, dass wir wegen des hohen Orderaufkommens ohnehin auch solche Beraterplätze nutzen müssten, die keine technische Anbindung an die Sprachaufzeichnung haben.“

Ihr Fazit: „Es muss jetzt auch ohne Sprachaufzeichnung gehen dürfen. Es muss genügen, die Pflichtdokumente nachträglich zur Verfügung zu stellen. Gerade jetzt müssen Kundeninteressen und Anlegerschutz vor Regulatorik gehen.“

Pflicht besteht weiter, wird aber gelockert

Die deutschen und europäischen Aufsichtsbehörden haben diesem Wunsch am letzten Freitag immerhin teilweise stattgegeben. Die Sprachaufzeichnungspflicht bleibt, wird aber gelockert. Was technisch nicht mitgeschnitten werden kann, muss auf andere Weise dokumentiert werden, etwa durch Notizen oder Protokolle. Die Kunden sind über diese Ausnahmeregelung zu informieren. Immerhin: Damit können Wertpapieraufträge auch im Homeoffice bearbeitet werden.

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Wertpapierberatung im Homeoffice: Es geht jetzt auch ohne Sprachaufzeichnung.

Flexibilität bei Geeignetheitserklärung

Auch die Geeignetheitserklärung erweist sich als Hemmschuh in einer Situation, in der viele Kundenwünsche schnell bedient werden müssen. Hier sind die deutschen Aufseher inzwischen tatsächlich flexibler: Aufsichtsrechtliche Verstöße werden nicht sanktioniert, wenn Geeignetheitserklärungen erst verzögert, oder Unterlagen zur Kostentransparenz sogar erst nach dem Kauf beim Kunden eingehen. 

DSGV: Erleichterungen noch nicht ausreichend

„Das Wertpapiergeschäft muss praktikabel bleiben, gerade jetzt“, sagt Arne Hertel, Leiter Kapitalmarktgeschäft im Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV). „Die Erleichterungen sind deshalb gut, aber aus unserer Sicht noch nicht ausreichend.“

Einen wichtigen nächsten Schritt wird der DSGV von sich aus machen, sucht aber auch den Schulterschluss mit den übrigen Bankenverbänden. „Wir stimmen jetzt eine einheitliche Handhabung innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe ab und beraten diese auch mit den Kollegen der Deutschen Kreditwirtschaft“, berichtet Hertel.

„Dem Berater den Rücken frei halten“

Gleiche Verfahren geben allen Instituten zusätzliche aufsichtliche Sicherheit. „Unser Ziel ist es, die Belastung der Berater so gering wie möglich zu halten, damit sie den Rücken frei haben, sich jetzt besonders auf ihre Kunden zu konzentrieren.“

Der DSGV informiert dazu in Kürze per Rundschreiben.

Auf ihrer Homepage veröffentlicht die Bafin FAQ zu diversen Corona-Themen und aktualisiert und erweitert diese regelmäßig.

Hier geht es zu weiteren Artikeln der SparkassenZeitung zum Umgang der Sparkassen mit der Coronakrise 

Anke Bunz, DSGV
– 24. März 2020