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Coronakrise / Ruanda
Wie Sparkassenmitarbeiter weltweit die Pandemie erleben
In Deutschland und den europäischen Nachbarländern ist die aktuelle Lage eine Bewährungsprobe für Betriebe und Familien. Wie aber ist die Situation in der weltweiten Sparkassen-Community?

Thomas Konitzer ist seit acht Jahren für die Sparkassenstiftung für internationale Kooperation im ostafrikanischen Ruanda aktiv. Mit Krisen hat man hier Erfahrung: „Viele lokale Kollegen und Partner in unseren ostafrikanischen Projektländern schauen recht gelassen auf Corona“, sagt Konitzer.

Sie hätten den Ebola-Ausbruch in der angrenzenden Demokratischen Republik Kongo überlebt, Putschversuche, Bürgerkriege oder sogar den Völkermord 1994 in Ruanda. „Da bekommt das Virus eine andere Dimension“, sagt Konitzer, der als Regionalkoordinator für Ostafrika der Sparkassenstiftung für Projekte in Burundi, Kenia, Ruanda, Tansania und Uganda zuständig ist – und ursprünglich von der Bremer Landesbank kommt.

Arbeit im mobilen Büro: Stiftungsmitarbeiter Marcel Job in Ruanda.

 

Mit dem letzten Flieger nach Deutschland

„Die Länder sind aber zu Recht auf der Hut und beginnen, sich abzuschotten“, so Konitzer. „Grenzen werden geschlossen, Büroschließungen verordnet und die Bevölkerung wird aufgeklärt. Der Flughafen in Ruandas Hauptstadt Kigali schließt heute Nacht.“ 

Thomas Konitzer und seine Frau Britta, mit der er sich die Regionalkoordination teilt, treibt die Sorge um die Familie in die Heimat zurück, so wie etwa die Hälfte der deutschen und österreichischen Kolleginnen und Kollegen in Ostafrika.

„Wir gehen auf den letzten KLM-Flieger und fliegen zunächst einmal zurück nach Deutschland.“ Die andere Hälfte der internationalen Belegschaft habe sich entschieden, vor Ort zu bleiben.

Auf Distanz: In der Open-Air-Mitarbeiterversammlung wird die Büroschließung kommuniziert.

 

In Sorge um das Wohlergehen der internationalen Teammitglieder ist Konitzer nicht. „Wir wissen ja – wenn es wirklich ernst wird, holt uns die Sparkassenstiftung sofort nach Hause.“

Medizinische Versorgung in Ostafrika bereitet Sorgen

Besorgt ist er indes, wenn er auf die medizinische Versorgung in Ostafrika schaut – und damit auf die lokalen Kollegen und deren Angehörige. Die positiv getesteten Fallzahlen für Corona seien zwar mit zwei Dutzend in der ganzen Region noch sehr niedrig. In Burundi und Uganda wurden noch gar keine Fälle registriert.

„Aber die Zahlen werden exponentiell steigen“, so Konitzer. „Und die Industrienationen, die sonst in solchen Zeiten unterstützen, sind damit beschäftigt, die Coronakrise im eigenen Land in den Griff zu bekommen.“

Notfallpläne sind in Arbeit

Die Projektteams des Regionalkoordinator für Ostafrika der Sparkassenstiftung arbeiten deshalb – wie alle 38 Projektbüros der Sparkassenstiftung weltweit – aktuell Notfallpläne aus. Bereits sechs Standorte in Ostafrika wurden vorübergehend geschlossen.

Die Mitarbeiter sind auf mobiles Arbeiten und E-Meetings per Skype umgestiegen und haben die Hygienevorgaben in den noch offenen Büros verschärft. Sie erarbeiten alternative Projektpläne mit den Partnern, da sich durch Corona vieles nicht mehr wie geplant umsetzen lässt.

Toilettenpapier übrigens, so Konitzer, sei in Ruanda noch nicht das Ziel von Hamsterkäufen geworden.

Hamsterkauf-Paradies Ruanda. Britta Konitzer entdeckt Toilettenpapier, soweit das Auge reicht.

 

Hier geht es zu weiteren Artikeln der SparkassenZeitung zum Umgang der Sparkassen mit der Coronakrise 

Anke Bunz, DSGV
– 20. März 2020