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Coronakrise
Sparkassen starten mit Tilgungsaussetzungen
Am Mittwoch (25. März) hat der Bundestag beschlossen, dass Verbraucher ihre Zins- und Tilgungsleistungen für die kommenden drei Monate aussetzen können. Schon bevor das Gesetz in Kraft getreten ist, haben Sparkassen es umgesetzt.

Das Gesetz gilt, wenn der Verbraucher aufgrund der durch Ausbreitung der Covid-19-Pandemie hervorgerufenen außergewöhnlichen Verhältnisse Einnahmeausfälle hat und ihm die Erbringung der geschuldeten Leistung nicht zumutbar ist. 

Durch die frühe Umsetzung räumen die Institute ihren Kunden einen riesigen Stein aus dem Weg, denn für viele Menschen kann es durch die Auswirkungen der Coronakrise schwieriger werden, Raten für laufende Kredite pünktlich und vollständig zu zahlen.

„Es ist richtig, Kreditnehmer in den nächsten Monaten von Tilgungsverpflichtungen zu entlasten“, sagt Wilfried Röth, Vorstand der Sparkasse Rhein-Maas. Wie andere NRW-Sparkassen bekam das Institut am Niederrhein früh die Auswirkungen von Corona auf das örtliche Wirtschaftsleben zu spüren.

Sparkasse Rhein-Maas bietet Tilgungsaussetzung bis Ende Juni 

Deshalb bietet Rhein-Maas auch nicht nur Verbrauchern an, Zahlungen auszusetzen, wie es das neue Gesetz vorsieht. „Bei uns ist die Tilgungsaussetzung bis einschließlich zum 30. Juni 2020 für private und auch für gewerbliche Kreditnehmer ab sofort möglich“, bestätigt Röth.

„Ganz wichtig ist das zum Beispiel für Geschäftskunden. Ihre Kredite müssen in der Regel zum Quartalsende bedient werden, das wäre jetzt gewesen.“ Mit der Tilgungsaussetzung haben die Betriebe bei den laufenden Annuitäten nun Luft bis ins dritte Quartal.  In der Zwischenzeit können sie weitere Hilfen aus den KfW- und den Landesförderprogrammen beantragen.

Wichtig ist die klare Kommunikation

Wichtig ist, dieses Angebot klar zu kommunizieren. Denn die Begrifflichkeiten gehen in der allgemeinen Berichterstattung etwas durcheinander. So ist es falsch, wenn angeblich Tilgungen gestundet würden. „Stunden“ heißt, alle Verpflichtungen laufen auf und sind dann auf einmal zu zahlen. Damit allerdings würde in drei Monaten eine nur noch größere Last entstehen. Tatsächlich werden die erforderlichen Tilgungen einfach ans Ende der Kreditlaufzeit angehängt.

Sparkasse registriert enorme Nachfrage

Die Nachfrage nach dem Angebot ist enorm, stellt die Sparkasse Rhein-Maas fest. Es haben sich bereits über 200 überwiegend gewerbliche Kunden gemeldet und Tilgungsaussetzung erbeten. „Es gibt aber auch weiterhin Kunden, die tilgen können und wollen“, so Röth. Er begrüßt deshalb, dass das neue Gesetz den privaten Kunden die Wahl lässt.

 

Die Nachfrage nach Tilgungsaussetzungen ist enorm. Viele Kunden melden sich derzeit bei den Sparkassen. Das neue Gesetz ermöglicht das für Verbraucherdarlehen. Einige Sparkassen gehen schon weiter.

 

Die gesamte Rate kann ausgesetzt werden

„Wir hätten es allerdings auch besser gefunden, wenn für Immobilien- und Ratenkredite nur die Tilgung, nicht die gesamte Rate ausgesetzt werden könnte“, fügt Röth an und begründet das nicht nur mit aufsichtlichen Herausforderungen.

Seine Sorge ist, dass nicht bediente Zinslasten zu einer höheren Verschuldung der Kunden führen könnten. Das hat der Bundestag nun aber anders geregelt: Ausgesetzt wird die gesamte Rate, und zwar für drei Monate (sofern die Sparkasse selbst nicht sogar längere Fristen bietet). Diese Möglichkeit gilt für Verbraucherdarlehen, die vor dem 15. März abgeschlossen wurden.

Neue Antragsstrecke in der Internet-Filiale hinterlegt

Technisch ist die neue Antragsstrecke in der Internet-Filiale hinterlegt. Sie wurde über Nacht von den Verbundunternehmen der Gruppe gebaut, pilotiert und in die Institute ausgerollt. Das Gesetz räumt den Sparkassen auch ein, im Kundenkontakt individuelle Lösungen wie etwa Teilzahlungen zu finden. In jedem Fall müssen Kunden aber versichern, dass sie Einnahmeausfälle wegen Corona haben und ihnen die Zahlungen nicht zumutbar sind.

Sparkasse Markgräflerland will Tilgungsaussetzungen ab sofort umsetzen

Die Sparkasse Markgräflerland will Tilgungsaussetzungen für Immobilien- und Ratenkredite privater Kunden ab sofort umsetzen und auch mit Geschäfts- und Gewerbekunden solche Möglichkeiten besprechen. „Wir haben jetzt keine normalen Zeiten. Wir haben Zeiten, in denen jeder tut, was er kann, um das wirtschaftliche Überleben von Tausenden Familien zu sichern“, sagt Ulrich Feuerstein, Vorsitzender des Vorstands.

Erhöhte Liquiditätsanforderungen sind eine Managementaufgabe

Dass sich dadurch die Liquiditätsanforderungen an sein Institut erhöhen, sieht er schlicht als Managementaufgabe. „Wir finanzieren ja faktisch auch die bewilligten KfW-Förderkredite mehrere Wochen vor, das ist wahrscheinlich der viel größere Brocken“, sagt er.

Für beide Aufgaben sieht Feuerstein sein Institut gut gerüstet. „Die enge Beziehung zu unseren Kunden bewährt sich gerade doppelt. Die Kunden erleben, dass wir wirklich an ihrer Seite stehen. Und unsere eigenen Teams erleben ‚live‘, wie wichtig wir als Sparkasse sind – gerade in schwierigen Zeiten.“

„Wir gehen da gemeinsam durch“

Tilgungsaussetzungen sind deshalb aus seiner Sicht das richtige Signal. „Damit sagen wir nach innen wie auch gegenüber Kunden und Trägern ganz klar: Wir gehen gemeinsam da durch.“

Hier geht es zu weiteren Artikeln der SparkassenZeitung zum Umgang der Sparkassen mit der Coronakrise.

Anke Bunz, DSGV
– 26. März 2020