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DSGV-Risikofachtagung 2019: AK2
Änderungen bei Pauschalwertberichtigung
Auf die Sparkassen kommt ein neuer Rechnungslegungsstandard (IDW ERS BFA 7) zu. Von großer Bedeutung für die Häuser ist die darin vorgesehene Vereinfachungsregel.

Wie wird sich die Berechnung der Pauschalwertberichtigung (PWB) künftig ändern? Was sind die Gründe für eine Neufassung der Vorschriften zur Ermittlung der PWB? Welche der für die neue Berechnungsweise notwendigen Daten liegen in der Sparkassen-Finanzgruppe bereits vor und wie können sich Sparkassen auf die Umstellung vorbereiten? Diese Fragen wurden im Arbeitskreis 2 „IDW (E)RS BFA 7 –­ neue Vorschriften zur Bildung von Pauschalwertberich­tigungen“ der Risikofachtagung thematisiert und diskutiert.

Vom DSGV wurde berichtet, dass die derzeit bei den Sparkassen eingesetzte vergangenheitsorientierte Ermittlung der PWB nach Einschätzung des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW) nicht mehr den aktuellen Anforderungen entspricht. In der internationalen Rechnungs­legung IFRS ist bereits seit 2018 eine Ermittlung von Wertberichtigungen unter Einbeziehung künftiger Verlustschätzungen vorgesehen. Hier eine deutliche Modernisierung der nationalen Regelungen im Hinblick auf das internationale Umfeld zu erreichen, ist Hauptziel des IDW.

Rechnungslegungsstandard sieht vereinfachtes Verfahren für Sparkassen vor

Eric Eispert (rechts) und Christoph Wunderer (Tisch) haben im AK2 auf der Risikofachtagung über neue Rechnungslegungsstandards und ihre Umsetzung berichtet.

Dieses Ziel verfolgt das IDW auch mit der Veröffentlichung eines entsprechen­den Entwurfs eines Rechnungslegungsstandards (IDW ERS BFA 7). Den DSGV-Erläuterungen zufolge soll die PWB ab 2022 im Grundmodell nach einem sogenannten Anrechnungsverfahren ermittelt werden. Dazu wird von den über die (Rest-)Laufzeit eines Kredits erwar­teten Verlusten der Barwert der im vereinbarten Zinssatz enthaltenen Boni­tätsprämien abgezogen. Eine mögliche positive Differenz ist als PWB zu buchen.

Für die Sparkassen ist dabei die vorgesehene Vereinfachungsregel von wesentlicher Bedeutung. Wenn sich die für die Kreditlaufzeit erwarteten Verluste und die vereinbarten Bonitätsprämien zum Zeitpunkt der Kreditvergabe der Höhe nach entsprechen, kann direkt – ohne die Berechnungen des Anrechnungsverfahrens – der für die kommenden zwölf Monate erwartete Verlust als PWB gebucht werden.

Diese Voraussetzung wird von den bei den Sparkassen eingesetzten Kalkulationssystemen grundsätzlich erfüllt. Daher wird der DSGV für die weitere zentrale Umsetzung der neuen Vorschriften von der Anwendung der Vereinfachungsregel ausgehen.

 

S-Rating stellt Verfahren vor

Die S-Rating hat im Arbeitskreis ferner die derzeit bei den Sparkassen eingesetzten Berechnungsmethoden für erwartete Verluste (vor allem in den Systemen CPV/CPV Light) vorgestellt. Eingegangen worden ist auch darauf, welche dieser Methoden aus S-Rating-Sicht Grundlage für eine Umsetzung des IDW ERS BFA 7 sein könnten.

Abschließend wurden Wege zur frühzeitigen Verarbeitung der zu erwartenden belastenden Ergebniseffekte sowie mögliche Auswirkungen der Neureglung auf weitere Bereiche der Banksteuerung erläutert – etwa die Mittelfrist- beziehungsweise Kapitalplanung oder das Meldewesen.

Autoren
Eric Eispert ist Abteilungsdirektor und zuständig für Internationale Rechnungslegung sowie finanzielles Meldewesen beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) in Berlin.
Christoph Wunderer ist Bereichsleiter Risiko und Kapital der Sparkassen Rating und Risikosysteme GmbH in Berlin.

Der Beitrag basiert auf den überarbeiteten Vorträgen und Ergebnissen des AK2 auf der DSGV-Fachtagung „Risikocontrolling und -management“ 2019. In nächster Zukunft veröffentlichen die BBL an dieser Stelle weitere Vorträge der Tagung sowie die wichtigsten Ergebnisse der Arbeitskreise. Bisher erschienen:

Karl-Peter Schackmann-Fallis: Banksteuerung hat Lotsenfunktion für die Zukunft
Johannes Behrens-Türk: Nachhaltigkeit braucht Haltung
Jörg Spannhoff: Kollege Robot entlastet spürbar
Daniel Baumgarten, Jörg Friedberg: Entscheidungen aus zwei Perspektiven bewerten
Claudia Hillenherms: Wirksam Verteidigungslinien aufbauen

Christoph Wunderer|Eric Eispert
– 6. Februar 2020