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DSGV-Risikofachtagung 2019: AK4
Neue Gesamtbanksimulation vor Start
OSPlus wird mit Release 21.1 erstmals über die neue Risikotragfähigkeit (RTF) mit der neuen Anwendung „Gesamtbanksimulation (GBS)“ verfügen. Der Umsetzungsaufwand wird hoch sein. Daher ist dies frühzeitig zu planen, um diesen auf eine längere Zeit zu verteilen.

In den nächsten Jahren kommt in Sachen Banksteuerung einiges auf die Sparkassen zu: Die Datenhaltung für die Banksteuerung wird neugeordnet (sogenannter Integrierter Datenhaushalt), die Systemlandschaft für die Risikomessung wird fast vollständig erneuert und zahlreiche neue aufsichtliche Anforderungen müssen umgesetzt werden. Die neue Methodik für die Risikotrag­fähigkeitsberechnung ist in diesem Themenfeld eine der weitreichendsten und in Bezug auf die Umsetzung umfassendsten Veränderungen.

Inhaltlich sieht der 2018 von der Aufsicht überarbeitete RTF-Leitfaden eine normative und eine ökonomische Perspektive vor. Beide Perspektiven berücksichtigen sowohl das Ziel der Fortführung des Instituts als auch den Schutz der Gläubiger vor Verlusten aus ökonomischer Sicht. Damit wird die bisherige Trennung der Steuerungssichtweisen in Going- und Gone-Concern-Ansätze aufgegeben.

Gesamtbanksimulation mit mehreren Ausbaustufen

Matthias Meier (rechts), Paul Pradel (Mitte) und Mario Düran (links) stellten auf der Risikofachtagung die Einführungsstrategie zur künftigen Gesamtbanksimulation vor.

Seit 2018 arbeitet die S-Rating an der konzeptionellen Erarbeitung der neuen Risikotragfähigkeit und ist mittlerweile damit weit fortgeschritten. Die erste GBS-Ausbaustufe soll 2021 mit den für die „End-to-End-Praxiserprobung“ ausgewählten Instituten getestet werden. Die zweite Ausbaustufe steht mit dem OSPlus-Release 21.1 technisch bereit und wird Anfang 2022 flächendeckend an die Sparkassen ausgerollt. Mit dieser Version wird auch eine vollständig automatisierte Berechnung der neuen Risikotragfähigkeit möglich sein, sodass sowohl die normative wie die ökonomische Perspektive abgebildet werden können.

Voraussetzung dafür ist, dass neben dem OpRisk-Schätzverfahren und CreditPortfolioView (CPV, Barwertmodul) auch die ebenfalls 2021 und 2022 ausgerollten Anwendungen MPR (wertorientiertes Marktpreisrisiko) und Teile von LQR (Liquiditätsrisikomessung) im Institut eingesetzt werden. Sie sollen ebenfalls technisch ab 21.1 zur Verfügung stehen.

Neben der Berechnung der Risikotragfähigkeit unterstützt die GBS bei weiteren Themen der Banksteuerung (z. B. der Simulation von Maßnahmen, dem quantitativen Teil der Geschäftsmodellanalyse, der Mittelfristplanung sowie bei individuellen Analysen). Die detaillierte Rolloutplanung der einzelnen Ausbaustufen wird bis Mitte 2020 veröffentlicht.

Fazit und Ausblick

Um einen möglichst reibungslosen Übergang auf die neue Systemlandschaft sowie die neue RTF-Methodik zu gewährleisten, empfiehlt sich eine frühe Auseinandersetzung und Projektplanung in der Sparkasse. Denn ein Umstieg auf die existierenden Standardverfahren kann wie beim LCR-Steuerer oder SVP-Rechner die methodische Umgewöhnung im Hinblick auf den Methoden-Mehrwertdienst LQR erleichtern.

Bereits vorhandene Standards wie Risikoinventur, Gesamtbank­stresstests oder das Risikohandbuch sollten spätestens 2020 eingeführt werden, um Freiräume für den Rolloutaufwand der neuen Standards (ab 2021) zu sichern.

Um eine frühzeitige Sensibilisierung hinsichtlich der Ausprägungen der wertorientierten Risikotragfähigkeit zu erreichen, kann heute schon mit existierenden Anwendungen wie CPV (Barwertmodul) eine quantitative Annäherung erreicht werden, um Entscheider, Aufsichtsorgan und Aufsicht frühzeitig abzuholen.

Eine frühzeitige Projektplanung in den Sparkassen sollte einerseits die schrittweise Umsetzung der neuen Themen zum Ziel haben und andererseits die weiteren Themen wie die CRR II-Umsetzung beachten.

Autoren
Matthias Meier ist Bereichsleiter Unternehmenssteuerung und Personalplanung/-entwicklung bei der Sparkasse Märkisches Sauerland Hemer-Menden.
Paul Pradel ist Senior Referent Produktbetreuung Banksteuerung bei der Sparkassen Rating und Risikosysteme GmbH in Berlin.
Mario Düran ist Referent Produktbetreuung Banksteuerung bei der Sparkassen Rating und Risikosysteme GmbH in Berlin.

Der Beitrag basiert auf den überarbeiteten Vorträgen und Ergebnissen des AK2 auf der DSGV-Fachtagung „Risikocontrolling und -management“ 2019. Bisher erschienen:

Karl-Peter Schackmann-Fallis: Banksteuerung hat Lotsenfunktion für die Zukunft
Johannes Behrens-Türk: Nachhaltigkeit braucht Haltung
Jörg Spannhoff: Kollege Robot entlastet spürbar
Daniel Baumgarten, Jörg Friedberg: Entscheidungen aus zwei Perspektiven bewerten
Claudia Hillenherms: Wirksam Verteidigungslinien aufbauen
Eric Eispert, Christoph Wunderer: Änderungen bei Pauschalwertberichtigung

Matthias Meier|Paul Pradel|Mario Düran
– 13. Februar 2020