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Märkte und Strategien
„Gesamtbanksteuerung macht Spaß“
Alle reden vom hohen Regulierungsaufwand, aber was heißt das eigentlich? Besucher der Berliner Vorständetagung erfuhren es im Forum Banksteuerung.

Jede Sparkasse wird in den nächsten beiden Jahr eine Vielzahl neuer Verfahren im Bereich Risikomanagement einführen. Hervorzuheben ist die Anwendung der Gesamtbanksimulation. Dafür brauchen die Häuser vor allem fähige, geschulte Mitarbeiter.

„Ihr Haus muss sich den Standards anpassen, nicht umgekehrt“, sagte im Forum III mit Nachdruck Hubert Winter, Fachratsvorsitzender und Vorstandschef der Kreissparkasse Grafschaft Bentheim zu Nordhorn. Die S Rating arbeite an der Konzeption und den Mitarbeiterschulungen.

50 bis 100 Personentage zusätzlich für jedes Haus

Podium beim Forum III (von links): Moderator Maik Grabau, DSGV; Timo Six, S Rating, Teamleiter Gesamtbanksimulation; Hubert Winter, Vorsitzender des Vorstands, Kreissparkasse Grafschaft Bentheim zu Nordhorn, Vorsitzender des Fachrats Banksteuerung; Silvio Andrae, DSGV-Abteilungsdirektor Aufsichtliches Risikomanagement; Michael Fritz, Vorstandsmitglied Kreissparkasse Böblingen, stellvertretender Vorsitzender des Fachrats Banksteuerung.

„Jedes Haus muss in diesem Jahr mit 50 bis 100 Personentagen zusätzlich rechnen“, sagte Winter und appellierte an seine Vorstandskollegen, diese Ressourcen einzuplanen.

Für die Gesamtbanksteuerung gebe es „keine Plug-and-Play-Lösung auf dem Markt“. Die Einführung sei für jedes Haus dementsprechend aufwendig, lohne sich aber, weil dank Standardisierung und Automatisierung künftig viele manuelle Operationen entfallen können.

Simpel werde es zwar auch in Zukunft nicht werden, aber „Banksteuerung macht Spaß“, bekräftigte Winter, der den Fachrat Banksteuerung seit seinem Bestehen leitet und mit seinen Kollegen die technische und operative Umsetzung bei S Rating und Finanz Informatik koordiniert.

Integrierter Datenhaushalt als Voraussetzung

Verschiedene aufsichtliche Anforderungen, beispielsweise an die Risikotragfähigkeit, erfordern einen integrierten Datenhaushalt, erläuterte Timo Six, Teamleiter Gesamtbanksimulation. Erst auf dieser Basis könnten sachgerechte Analysen und Simulationen auf Gesamtbankebene durchgeführt werden. Es habe im Verbund daher höchste Priorität, jedes Haus schnell in die Lage zu versetzen, das leisten zu können.

Alle relevanten Ergebnisse und Risikogrößen werden künftig in die Gesamtbanksteuerung integriert, erklärte Six. Das sei wegen vieler Wechselwirkungen sehr komplex, unterstütze jedes Haus aber wirkungsvoll bei Datenerzeugung, Produkt- und Strategiefindung.

Basel IV: Achtung bei Immobilien und Beteiligungen

Inwiefern der neue Gesetzesvorschlag nach Basel IV hohe strategische Bedeutung für die Häuser haben kann, erläuterte Silvio Andrae, Experte für Risikomanagement beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband. Im Sommer 2020 sei mit dem ersten Gesetzesentwurf für die europäische Umsetzung der Regeln zu rechnen.

Die bisherigen Auswirkungsstudien zeigten, dass auch Sparkassen mit höheren Kapitalanforderungen rechnen müssen, erläuterte Andrae. Vor allem bei Banken- und Immobilienkrediten sowie Beteiligungen seien höhere Risikogewichtungen zu erwarten.

„Rechnen Sie selbst nach“, empfahl Michael Fritz, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Böblingen und stellvertretender Vorsitzender des Fachrats Banksteuerung, seinen Kollegen. In seinem Haus seien vor allem die Immobilien und Beteiligungen die Haupttreiber für den künftigen Kapitalbedarf.

Christoph Becker
– 9. Januar 2020