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Problemkreditbearbeitung
Schnell und kosteneffizient aufstellen
Problemkredite dürften wegen Corona steigen. Sparkassen können diese Situation nutzen, um Prozesse, Strukturen, Kapazitäten und Kooperationen zu prüfen und anzupassen. Mit Modell Pro 2.0 gibt es eine effiziente, an die Situation des Kreditnehmers anpassbare Lösung.

Das Coronavirus hat die Wirtschaft noch länger fest im Griff. Etwa 50 Prozent der deutschen Unternehmen erwarten für 2020 einen Umsatzeinbruch. Für viele Gewerbetreibende und Unternehmen (Tou­rismus, Hotel- und Gaststättengewerbe, Messebau, Dienstleis­tun­gen, Einzelhandel etc.) geht es um ihre Existenz.

Die Betriebe reagieren und beantragen massenhaft Kurzarbeit zur Kostenentlastung. Ungeachtet der zahlreichen Stützungsmaßnahmen der Bundesregierung wird die Arbeitslosigkeit voraussichtlich ansteigen und Betriebe werden auch schließen müssen. Das führt zu weiteren Einkommensverlusten für die Arbeitnehmer.

Schnell und pragmatisch agieren

Die Prozesse der Problemkreditbearbeitung sind aufgrund der guten Konjunkturlage in den letzten Jahren in vielen Sparkassen etwas in Vergessenheit geraten. Angesichts der voraussichtlich steigenden Fall­zahlen ist es ratsam, so früh wie möglich auf die kritische Situation der Wirtschaft und somit der Kunden der Sparkassen zu reagieren.

Es gilt, rechtzeitig risikobehaftete Kreditnehmer zu erkennen. Beson­de­res Augenmerk ist auf Risikofrüherkennung und Intensivbetreuung sowie den Sanierungs- sowie den Abwicklungsbereich zu richten. Pragmatische Lösungen sind erforderlich, die dabei gleichzeitig den Gegebenheiten der Kunden gerecht werden. Prozesse, Strukturen, Kapazitäten und Kooperationen sind zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.

Gewappnet für die Welle

Es ist jetzt an der Zeit zu prüfen, ob der Problemkreditbereich effizient gestaltet und für eine Zunahme gewappnet ist. Dazu können die Emp­fehlungen aus Modell K 3.0 und Modell Pro 2.0 sowie aus ProzessPlus für Sparkassen möglichst konsequent umgesetzt werden.

Folgende Umsetzungsempfehlungen können exemplarisch im Vorder­grund von Optimierungen stehen:

  • In der Risikofrüherkennung werden wesentliche risikobehaftete Engagements maschinell selektiert, um rechtzeitig Gegenmaß­nahmen zu ergreifen. Konzentriert werden sollte sich dabei auf gewerbliche Kunden und Kunden mit Immobiliengeschäfts-Rating ab einem Obligo von etwa 100.000 Euro.
     
  • Die Zuordnung problembehafteter Kunden wird schnell und schnittstellenreduziert entschieden. Abbildung 1 zeigt den Zu­ordnungsprozess gemäß Modell K 3.0. Aufgrund der System­empfehlung Normal-, Intensiv- oder Sanierungsbetreuung erfolgt das erste Votum mit der Einstufung durch den Berater. Danach votiert und stuft der Analyst das Engagement in ein Risikosegment ein. Bei übereinstimmenden Voten ist die Einstufung gültig. Nur bei abweichenden Voten entscheidet ein Kompetenzträger.
     
  • Das maschinelle Risikofrüherkennungsverfahren beruht auf den Daten in OSPlus. Aus diesem Grund ist die Pflege der qualitativen Warnhinweise wie Managementfehler oder mangelnde Kapitaldienstfähigkeit – die sogenannten „7000-Merkmale“ – sehr wichtig.
     
  • Gerade in Krisenzeiten sollte das maschinelle Frühwarnsystem nicht überfrachtet werden. Durch zahlreiche Ratenaussetzungen und -stundungen werden Engagements maschinell selektiert und erhalten meist eine Systemempfehlung von mindestens der Kategorie „Intensivbetreuung“.

    Um das zu verhindern, kann bereits bei der Vereinbarung der Aussetzungs- und Stundungsmaßnahmen eingeschätzt werden, ob dieses Engagement in ein Risikosegment oder in die Normal­be­treuung gehört. In der Früherkennungsanwendung kann ein entsprechender begründeter Ausschluss oder falls möglich das Covid-19-Merkmal erfasst werden, damit die maschinelle Se­lektion für das Frühwarnsystem aufgrund dieses Negativ­merk­mals einen gewissen Zeitraum lang nicht erfolgt.
     
  • Die Engagements mit der Einstufung „Intensivbetreuung“ werden gemäß Modellempfehlung durch den bisherigen Kundenberater betreut. Betreuern muss an dieser Stelle das entsprechende Werkzeug an die Hand gegeben werden, um sinnvolle und wirksame Maßnahmen zur Lösung der für den Kunden kritischen Situation zu finden, zu vereinbaren, regelmäßig nachzuhalten und konsequent einzufordern.

    Wesentlich ist das rechtzeitige Gegensteuern gemeinsam mit den Kunden. In der Abbildung 2 ist der Intensivbetreuungs­prozess dargestellt. Bewusst wurde dabei die Marktfolge zur Unterstützung des Markts in den Zeitraum der Intensivbe­treuung miteinbezogen.
     
  • Die Effizienz im Problemkreditbereich lässt sich ferner steigern, wenn die Engagements in Komplexitätsstufen für die Sanierungs- sowie Abwicklungsbereiche gemäß Modell Pro 2.0 geclustert werden. Hinzu kommt, entspre­chen­de Verweildauern der Problemengagements in den jeweiligen Bereichen festzulegen.
     
  • Handlungsstrategien werden definiert, damit die Engagements mit den dazugehörenden Strategien eingeteilt und stringent abgearbeitet werden können.
     
  • Die Angleichung der Prozesse der Sparkasse im Problemkredit­bereich an die PPS-Empfehlungen strafft die Abläufe.
     
  • Als einer der Kernpunkte von Modell-Pro 2.0 ist die Steuerung der Problemkreditbereiche mittels Erfolgs- und Effizienz­kennzahlen hervorzuheben. Dazu zählen unter anderem:
    – Einhaltung der gesetzten Meilensteine;
    – vereinbarte maximale Bearbeitungsdauer;
    – Plan-Ist-Vergleich von Verwertungs- und Einbringungserlösen;
    – Berechnung von Wertbeiträgen.

Eine Mustervorlage für die Steuerung über Wertebeiträge zeigt Abbildung 3.

Vorausschauend agieren

Aufgrund der Corona-Auswirkungen empfiehlt es sich, eine Auswirkungsanalyse auf Basis eines Worst-Case-Szenarios durchzuführen, um die Zahl möglicher künftiger Problemkredit­engage­ments zu erheben. So können die benötigten Mitarbeiterkapazitäten für die Bearbeitung ermittelt werden.

Als Quickwins zur schnellen Entlastung der Sanierer lassen sich etwa die Durchführung von Analysetätigkeiten bei den Kreditanalysten, die Durch­führung der Vertragsgestaltung bei den Kreditsachbearbeitern und gegebenenfalls die Entlastung von Assistenz- und Servicetätigkeiten – sofern möglich – sofort umsetzen.

Sind die Modellempfehlungen umgesetzt, können anschließend die erforderlichen Mitarbeiterkapazitäten mit den vorhandenen verglichen werden. Falls die eigenen Kapazitäten nicht ausreichend sind, kommen unter Umständen Auslagerungsmöglichkeiten in Betracht, um auch spezialisierte Kompetenzen und Erfahrungen der Outsourcing-Partner in der Sparkassen-Finanzgruppe zu nutzen.

Fazit

Modell Pro 2.0 bietet viele unterstützende Instrumente zur stringenten und erfolgreichen Sanierung und Abwicklung problematischer Engagements. Wesentlich für die Effizienz ist allerdings:

  • konsequente Umsetzung der Maßnahmen;
  • Zielorientierung durch stringente Gesprächsführung;
  • Ergebnisorientierung durch die konsequente Überwachung der Meilensteine (Einhaltung der maximalen Verweildauer der Engagements im Problemkreditbereich).

Die Auswirkungen der präventiven Restrukturierungsrichtlinie auf die Modellempfehlungen werden derzeit im Rahmen des DSGV-Projekts Umsetzungsunterstützung Insolvency II bewertet. Der Schwerpunkt der Projektarbeit wird auf dem zweiten Teil der Richtlinie, in dessen Fokus die Unternehmenssanierung steht, liegen.

Aufgrund der noch nicht abgeschlossenen nationalen Gesetzgebung ist es noch unklar, an welcher Stelle sich das neue Restrukturierungsver­fahren in die vorhandenen Betreuungsformen Normal- und Intensivbe­treu­ung (Modell K) beziehungsweise Sanierung und Abwicklung (Modell Pro) einordnen lässt, da die Zielsetzung der Richtlinie bereits vor der derzeit bekannten Sanierung im Sinne der Insolvenz ansetzt.

Autoren
Jessica Julia Beckmann war bis 30. Juni 2020 Referentin Geschäftsprozess­manage­ment im DSGV und hat das Projekt „Modell Pro 2.0 – Problemkredite effizient und ergebnisorientiert managen“ geleitet.
Uwe Köhler ist Managementberater bei der Sparkassen Consulting und hat zahlreiche Sparkassen bei der Umsetzung von Modell Pro 2.0 unterstützt.

Jessica Julia Beckmann, Uwe Köhler
– 30. Juni 2020