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05. September 2018 - 14:01Börse

Boom auf Pump und künstlich verlängert

von Dieter W. Heumann

Das Risiko einer Rezession wächst. Börsenanalyst Markus Koch rechnet damit, dass bereits 2019 deutlich wird, dass die Steuerreform von Donald Trump nicht nachhaltig wirkt und das Gewinnwachstum der US-Unternehmen sinken wird.

Markus Koch (l.) ist als Börsenexperte stets gefragt. Vor allem als US-Experte erläutert Koch die Trump-Ära und ihre Auswirkungen auf die Märkte. (dpa)
Herr Koch, seit Anfang Juli hat US-Präsident Donald Trump seine Drohungen ernst gemacht und chinesische Waren verschiedenster Art mit Zöllen belegt. Die Chinesen reagieren. Wie kommt dieser Handelskrieg auf dem Parkett der Wallstreet in NewYork an?
Koch: Trump hat auf dem Parkett mehr Fans als mir lieb ist, und viele teilen seine Meinung, dass China in den Handelsbeziehungen mit den USA der eigentliche Sieger ist. Was die Verletzung geistigen Eigentums betrifft und die eingeschränkte Möglichkeit, sich an Chinas Unternehmen zu beteiligen, teile ich diese Meinung. Ansonsten aber haben die USA, und insbesondere die Verbraucher sehr wohl deutlich profitiert - durch niedrigere Preise. Trumps undiplomatische Vorgehensweise ist zudem ein Desaster und ein Spiel mit dem Feuer.
Im Clinch liegt Trump aber auch mit der EU. Bisher geht es zwar nur um Zölle auf Stahl- und Aluminium. Aber ob die Drohung Trumps, Zölle in Höhe von 20 Prozent auf importierte Automobile aus der EU zu erheben, nach dem Gespräch mit EU-Präsident Juncker wirklich vom Tisch ist, muss sich noch zeigen. Wie steht die öffentliche Meinung zu Zollandrohungen?
Koch: Die Ahnungslosen klatschen und lassen sich durch Trump blenden. Europa aber als Feind darzustellen, und dafür Putin zu feiern, stößt zurecht auf massiven Widerstand. Die Zölle auf Automobile werden so ohnehin nie kommen, weil die Lieferketten komplex sind, die deutschen Autobauer viele hundert Tausend US-Amerikaner beschäftigen, und wir eine Verteuerung der Autopreise erleben würden. Im übrigen ist BMW und nicht Ford oder GM der größte Pkw-Exporteur der USA. Wie schadhaft die Zölle auf Stahl und Aluminium sind, hat uns schon George W. Bush gelehrt. Damals gingen mehr Jobs verloren als in der gesamten Stahlindustrie arbeiten. Bad Call!
Und wie kommen die protektionistischen Maßnahmen Trumps in der amerikanischen Wirtschaft an? Die US-Exporteure und deren Zulieferer müssen mit Gegenmaßnahmen auf breiter Front rechnen - mit Folgen für die US-Wirtschaft?
Koch: Die Unsicherheit um die Handelspolitik, und bereits verhängten Zölle, waren bei US-Unternehmen in der jüngsten Berichtssaison Thema Nr. 1. Man fürchtet, dass der positive Effekt Steuerreform und Deregulierung durch den Handelsstreit großenteils aufgefressen wird. Allgemein herscht die Auffassung vor, , dass alle Beteiligten bei einem Handelskrieg verlieren - auch die USA.
Muss man in den USA nicht befürchten, dass im Handelskrieg mit China die Chinesen ihre vielleicht schärfste Waffe gegen die USA einsetzen und keine amerikanischen Staatsanleihen mehr kaufen oder ihre hohen Bestände an US-Staatsanleihen auf den Markt werfen?
Koch: Trump hat China durch seine irrationalen Methoden und ewig neuen Forderungen in eine riskante Ecke getrieben. Wenn letztendlich alle Importe mit Zöllen belegt werden, kann Peking nur noch gezielt US-Konzerne abstrafen, die von dem Wachstum in der Region stark profitieren, wie Apple, Micron Technology oder die Autokonzerne. Eine Abwertung des Yuan und der Abbau der US-Staatsanleihen ist in der Tat auch eine Option. Da die Welt aber miteinander vernetzt ist, und der Schaden für die globale Wirtschaft und den Finanzmarkt massiv wären, halte ich diese Szenarien - sowohl die Androhungen von Trump, wie auch die Worst-Case Reaktionen aus Peking - für ausgeprochen unwahrscheinlich. Trump als Show-Man ist eines wichtig: Er braucht die Chance dem Volk einen Sieg vorzutäuschen. Spielt Peking aber nicht mit, wird es riskant!
Wie reagiert der US-Dollar bisher auf die bereits greifenden Handelshemmnisse und die Trumpschen Drohungen?
Koch: Es ist nicht nur die global zunehmende Unsicherheit, die den US-Dollar als Weltleitwährung anfacht. Die amerikanische Konjunktur wächst über Potential. Durch die Steuerreform wurde der Konjunktur im Spätzyklus ein Turbo verpasst, der die Inflationsrisiken treibt. Die Notenbank wird die Zinsen in Folge weiter normalisieren und im Herbst anheben. Auch die Zinsdifferenz zu Regionen wie Europa fachen den US-Dollar an, ebenso die Steueramnestie der Gewinne, die US-Konzerne im Ausland halten. Wir sehen eine deutliche Verknappung von US-Dollar, außerhalb der USA. Vor allem in den Emerging Markets gibt es deshalb bereits zunehmende Turbulenzen.
Wird man sich auf einen weiter steigenden Dollar einstellen müssen?
Koch: Es sind die großen US-Konzerne, die den festen Dollar fürchten müssen, zumal ihr Gewinnwachstum und die globale Wettbewerbsfähigkeit darunter leiden. Ich vermute, dass der US-Dollar das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht hat.
Donald Trump scheint nichts von dem Zusammenhang von Zins und Dollar zu halten. Er hat die Europäer der Währungsmanipulation bezichtigt. Sie würden alles tun, um den Euro gegen Dollar niedrig zu halten, um billiger exportieren zu können und sich auf Kosten amerikanischer Unternehmen Wettbewerbsvorteile zu verschaffen?
Koch: Trump ist auch der Meinung, dass man sich hier in den USA im Supermarkt ausweisen muss. Seine Unwissenheit ist erschreckend, und der Wille Unwahrheiten zu verbreiten ebenso. Wir haben in diesem Interview wahrscheinlch schon mehr über die Folgen seiner Politik nachgedacht als er selbst. Da liegt auch das Problem. Die Medien sollten seine Lügen als solche bloßstellen, und dann schlichtweg schweigen. Entzieht man ihm seine mediale Plattform, wird Trump auch weniger tweeten. Aber leider brauchen die Medien Trump genauso wie er die Medien braucht.
Sie sagten bereits, dass trotz steigender Zinsen und anziehender Inflation in den USA die konjunkturelle Situation sehr robust ist. Was treibt die amerikanische Wirtschaft an?
Koch: Wir befinden uns im längsten Wirtschaftsaufschwung seit Ende des zweiten Weltkriegs, einhergehend mit einer nun auch sehr niedrigen Arbeitslosenrate, und einer soliden Auslastung der Wirtschaft. Es steht außer Frage, dass der Boom durch die auf Pump finanzierte Steuerreform künstlich verlängert wird.
Wie beurteilt man die weiteren Aussichten der US- Wirtschaft – was sagen die Prognosen für 2018 und 2019?
Koch: Dieses und das kommende Jahr dürfte alles im grünen Bereich sein. Aber die Dynamik könnte im kommenden Jahr leicht nachlassen, mit dem wachsenden Risiko einer Rezession in 2020. Vorausgesetzt natürlich, Trump zaubert kein Infrastrukturprogramm über eine Billion Dollar aus seinem Zauberhut. Dass der Effekt der Steuerreform temporär ist, werden wir in 2019 auch bei dem dann nachlassenden Gewinnwachstum der Unternehmen sehen.
Mit einiger Sorge blickt man hierzulande darauf, dass sich in den USA der kurzfristige Zins dem langfristigen Zins sehr annähert (Stichwort: Inverse Zinsstruktur). Wenn der kurzfristige Zins auf Höhe des langfristen ist oder den langfristigen Zins gar übersteigt, dann folgte in der Vergangenheit oft eine Rezession. Thematisiert man die Zinsentwicklung an der Wallstreet auch unter diesem Aspekt?
Sicherlich, und ab diesen Herbst sollten wir in der Tat eine inverse Zinskurve sehen. Wie dem auch sei, darf man hier einige Punkte nicht vergessen: Erstens folgt eine Rezession historisch betrachtet darauf erst nach 12 bis 18 Monaten, und zweitens sehen wir in der Zeit dazwischen für gewöhnlich das letzte Hurra, und die Blowoff-Phase des Bullenmarktes.
Sind US-Aktien noch kaufenswert – wenn ja, welche Titel oder Branchen werden empfohlen?
Koch: Wenn es denn so einfach wäre. Wer Zeit hat, ist am Aktienmarkt gut aufgehoben. Ab einer Haltedauer von zwölf Jahren hat man mit dem S&P 500 Index noch nie Geld verloren. So gesehen sind Aktien sicherer als die Ehe. Wie dem auch sei, hat jeder Mensch andere Ziele und Voraussetzungen. US-Aktien kann man immer kaufen, die Frage ist nur wie hoch die Aktienquote sein darf, wie viel Schmerz man im Ernstfall bereit ist zu ertragen, und wann das Geld gebraucht wird. Mein Fazit: Nach einem so langen Aktienaufschwung, ist Risikomanagement wichtig. Wir sind im nun längsten Bullenmarkt der Geschichte, und somit ganz sicher näher am Ende als am Anfang. Kurzum: Enjoy the Party, but know your downside Risk!
Gemutmaßt wird, dass Trump sich und seine Partei mit seiner „America-first-Politik“ für die Zwischenwahlen im Kongress, die im November stattfinden, in Stellung bringen und ein gutes Ergebnis erzielen will. Welche Chancen haben die Republikaner?
Koch: Schwer zu sagen. Ich vermute, dass die Republikaner die Mehrheit im Kongress verlieren werden. Wie dem auch sei, steigt sein Zuspruch in der Bevölkerung. Das Bild des starken Mannes, der sagt was er denkt, und macht was er versprochen hat, kommt bei vielen Wählern gut an. In der Tat ist das Establishment und die miserable Politik der letzten Jahre teils selbst Schuld. Auch unter Obama war die Inflation der Gesundheits- und Bildungskosten hoch, bei gleichzeitig stagnierenden Gehältern. Da liegt das eigentliche Problem der USA. Die exorbitante Spanne zwischen Reich und Arm schafft sozialgesellschaftliche Spannungen und spaltet das Volk.
Egal wie die Wahl ausgehen sollte, wird Trump sich nach der Wahl der Welt gegenüber versöhnlicher geben - oder bleiben die alten engen Partner und Freunde Amerikas für Trump weiterhin Gegner?
Koch: Trump bleibt Trump, und das wird sicherlich auch so bleiben. Eine Zitrone kann kein Apfel sein.
Wie stehen die Chancen für eine zweite Amtsperiode Trumps als Präsident?
Koch: Das Image der etablierten Politik leidet unter Trump erheblich, zumal er Freude daran hat auch seine eigene Partei vorzuführen. Die schieben sicherlich Angst und Panik. Donald demontiert gekonnt Washington, und das ist dann die vielleicht auch gute Nachricht: Es wird Zeit, dass die Politik herausgefordert wird, und aufwacht um das zu tun, was richtig ist! Obgleich ich es nicht hoffe, stehen die Chancen einer zweiten Amtszeit - zumindest jetzt - noch ganz gut.
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