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12. November 2015 - 12:47Kommunikation

"Correctiv" bedarf der Korrektur

Die "FAZ“ hat angekündigt, mit dem Recherchenetzwerk Correctiv die Situation der Sparkassen zu analysieren. Die Ergebnisse sind allerdings dürftig und fehlerhaft. Der DSGV will die Debatte versachlichen.

Correctiv-Falschaussagen - und Korrekturen
Einen ungewöhnlichen Recherche-Aufruf hat die "Frankfurter Allgemeine Zeitung“ in diesen Tagen gestartet. Die Zeitung lädt ihre Leser ein, "gemeinsam mit der Redaktion zu recherchieren“. Man wolle herausfinden, "welcher Sparkasse es gut geht und welcher nicht“. Jeder, der etwas zu sagen habe, könne beim "FAZ“-Kooperationspartner Correctiv seine Informationen in einen "Crowdnewsroom“ eingeben.

Das Recherchenetzwerk "Correctiv“ versucht schon länger, angeblich verborgene Informationen über Sparkassen zu sammeln. „Wir wollen die Ersten sein, die Strukturprobleme bei Sparkassen aufklären“, hatte Initiator David Schraven schon im Sommer des vergangenen Jahres verkündet. Der einstige Leiter des "Investigativressorts“ der Essener "WAZ“ hatte mit einem früheren Kollegen im Juli 2014 Correctiv gestartet. Drei Millionen Euro Startkapital erhielten die Correctiv-Gründer von der Brost-Stiftung in Essen, die noch zu Lebzeiten von der "WAZ"-Gesellschafterin Anneliese Brost gegründet worden war. Die Eigentümerfamilie Brost verkaufte vor zwei Jahren ihre Anteile, die Mediengruppe heißt nun Funke statt "WAZ". Im Vorstand der Brost-Stiftung sitzt der ehemalige "WAZ"-Chef Bodo Hombach. Correctiv finanziert sich über Mitgliedsbeiträge sowie über Spenden von Stiftungen. Auch die Deutsche Bank ist mit einer Spende von 2500 Euro aufgeführt.

Thema von der Redaktion gesetzt


Correctiv ist eine als gemeinnützig anerkannte Organisation und will investigativen Journalismus fördern. Die Ergebnisse der Recherchen gehen kostenlos an Zeitungen, Magazine, TV- und Radiosender und werden auf der eigenen Seite veröffentlicht. Correctiv betreibt eine Crowdfunding-Plattform, lässt die „Community“ aus Themenvorschlägen auswählen und erhofft sich durch Crowdsourcing Beteiligung an Projekten. Allerdings wurde das Thema "Sparkassen" nicht durch die Crowd gewählt, sondern als eines von wenigen durch die Redaktion gesetzt.
Dass die renommierte "FAZ“ gemeinsame Sache mit dem Netzwerk macht, ist neu. Redakteur Hanno Mußler begründet dies in einem Video auf der Correctiv-Website damit, dass er bei seinen Recherchen den Eindruck habe, an die "Grenzen der Berichterstattung“ zu stoßen: "Die Sparkassenverbände veröffentlichen einfach nicht die Daten, die uns als Journalisten wirklich interessieren“ – deswegen habe man sich bei der "FAZ" entschlossen, einen neuen Weg zu gehen. Correctiv habe „einen ganz tollen Crowd-Newsroom eingeführt, in den man Daten eingeben kann“, wirbt Mußler. "FAZ“ und Correctiv interessierten sich dafür, welcher Sparkassenvorstand am meisten verdient, welche Sparkasse wie viele faule Kredit habe und welche "am gefährdetsten“ sei, "demnächst vielleicht umkippen“ und Hilfe benötigen könne, "vom Steuerzahler, von uns allen“.

"FAZ" will Onlinepräsenz erhöhen

Beobachter erklären das Vorgehen der "FAZ“ auch mit dem Wunsch, die Reichweite der Zeitung in Onlinemedien und -foren zu erweitern, Onlinekompetenz aufzubauen und zu demonstrieren. Möglicherweise haben Sparmaßnahmen einen gewissen Mangel an Recherchekapazitäten verursacht.
Der "FAZ“-Leser – oder sonstige Bürger –, der seine Sparkassen-Informationen eingeben will, erhält auf der Correctiv-Seite eine Art Recherche-Schnellkurs: "Wenn ihr unserer Einladung zur Recherche folgt, erklären wir euch Schritt für Schritt, wie man als Journalist/in arbeitet, wie man Quellen überprüft, Belege herbeischafft und im konkreten Fall: Wo man in einem Sparkassen-Geschäftsbericht die interessanten Informationen findet. Zum Beispiel über Vorstandsgehälter, Luxusrenten und faule Kredite."– "Journalismus und Recherche sind ein Handwerk“, schreibt Correctiv-Chefredakteur Markus Grill. "Bei diesem Sparkassenprojekt könnt ihr beides lernen. Warum also nicht gleich unsere Tutorials anschauen – und dann den Geschäftsbericht Deiner Sparkasse durchforsten?“
In der Branche ist dies Recherchevorgehen umstritten. "Sind das die Leserreporter von 'Bild' in neuem Outfit?", kommentierte der Deutsche Journalistenverband DJV im August 2014: "Die Hobbyrechercheure sollen in einem Crashkurs erfahren, wie man auftritt, Fragen stellt. Ambitionierte Amateure also, die dem Platzhirsch unter den deutschen Privatkundenkonten in die Bücher gucken. Um Recherche zu erlernen, brauchen angehende Journalisten in ihrem Volontariat Monate. Eine FAQ-Liste kann die Ausbildung nicht ersetzen."

Recherche erwies sich als "Blamage im Großformat"

Dass der Correctiv-Ansatz nicht für hochwertige Ergebnisse sorgen muss, zeigte sich bereits Ende des vergangenen Jahres. Diverse Zeitungen hatten die bislang größte Geschichte des Rechercheteams übernommen, die war aber offenbar nur dünn. Unter der Überschrift "Tödliche Keime" ging es um die – seit Langem bekannte – Gefahr durch Krankheitserreger, die sich nicht mehr mit Antibiotika bekämpfen lassen. 20 Reporter hätten an dem Projekt mitgewirkt, hatte die "Zeit" verkündet, die aus der Recherche sogar einen Aufmacher erstellt hatte. Allerdings konnte der Correctiv-Text seine zentrale These nicht belegen, dass es mehr Tote durch antibiotikaresistente Erreger gebe "als offiziell verlautbart", wie die "TAZ" rügte. Das Blatt schrieb von einer "Blamage im Großformat", Correctiv korrigierte sich in einem Punkt.
Bei den aktuellen Sparkassenrecherchen ist seriöses journalistisches Handwerk nicht zu erkennen. Die von Correctiv verbreiteten Behauptungen lassen darauf schließen, dass den Initiatoren vor allem daran gelegen ist, Vorurteile zu bestätigen. "Immer mehr Sparkassen machen Verluste – weil Lokalpolitiker in der Kreditvergabe mitmischen", ist ein Correctiv-Beitrag betitelt. Diese Behauptung ist ebenso wenig nachgewiesen wie die Correctiv-These, Kommunen müssten mit Steuergeldern für Verluste von Sparkassen geradestehen. Sparkassen würden immer unrentabler, machten schlechte Geschäfte, arbeiteten ineffizient. – Die Liste der Correctiv-Thesen, die sich mit Fakten leicht widerlegen lassen, ist lang (siehe Correctiv-Falschaussagen - und Korrekturen ).
Laut "FAZ" wirken mittlerweile (11. November 2015) 265 Mitglieder im virtuellen Rechercheteam mit. Diese hätten rund 800 Daten von mehr als 40 Sparkassen gesammelt. Am häufigsten seien dabei die Zinskonditionen zusammengetragen worden. Die Beiträge, die die "FAZ" auch mit Verweis auf Correctiv jetzt veröffentlicht hat, beziehen sich indes meist auf länger bekannte Vorgänge, etwa den verhinderten Verkauf der Sparkasse Stralsund im Jahr 2003.

Kampagne statt Journalismus

Christian Achilles, Leiter Kommunikation und Medien beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV), spricht von einer neuen Form des "Kampagnenjournalismus". Es sei beachtlich, dass eine bisherige Qualitätszeitung wie die "FAZ" ihre Recherchen nicht mehr alleine bewältigen können, sondern nicht als Journalisten ausgebildete Leser zu Hilfe rufen müsse. "Erst wird das Thema 'Sparkasse' gesetzt, dann beginnt die Recherche. Das ist das Kennzeichen von Kampagnen und nicht von Journalismus." Es sei bedauerlich, dass die "FAZ" ein solches Vorgehen nötig habe.
Achilles kündigte an, dass Sparkassen und Sparkassenverbände offensiv auf die neue Herausforderung reagieren würden. "Wir haben nichts zu verbergen. Alle beantwortbaren Fragen werden bei uns beantwortet." Trotz aller berechtigter Kritik am Correctiv-Vorgehen sollten Sparkassen und ihre Verbände auf die Correctiv-Offerte mit Transparenz und Auskunftsbereitschaft reagieren. Allerdings müssten Sparkassenmitarbeiter darüber informiert werden, dass "Leser-Reporter" sie kontaktieren könnten. Eventuell könne es hilfreich sein, dafür Musterargumentationen zu Themenblöcken und Argumentationsleitfäden zu erstellen. Falschdarstellungen in veröffentlichten Correctiv-Artikeln sollten in jedem Fall korrigiert werden. Der DSGV hat damit bereits begonnen: Nahezu täglich wird eine Correctiv-Falschmeldung über Twitter korrigiert. "Wir lassen den Fehlerzähler mitlaufen", sagte DSGV-Pressesprecher Stefan Marotzke.
Über die Internetfiliale 5 können die Homepages der Sparkassen dahingehend angepasst werden, dass ein deutlicher Hinweis auf den Geschäftsbericht des Instituts sichtbar wird – gegebenenfalls versehen mit einem kurzen Hinweis, dass die Sparkasse für die Beantwortung von Fragen in Zusammenhang mit dem Datenmaterial zur Verfügung steht. Wer wüsste mehr über die Sparkassen als deren Mitarbeiter? Ihnen sei es grundsätzlich möglich, sich auf der Plattform Crowdnewsroom.org – mit Klarnamen und unter Angabe des Arbeitgebers – registrieren zu lassen. So könnten Berichte aus der Praxis die Recherche unterstützen.

Debatte versachlichen

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband will seinerseits die Debatte versachlichen. "FAZ", "Correctiv" und "Leserreporter" sollen umfassend mit Informationen versorgt werden. Die DSGV-Kommunikatoren stehen für Gespräche bereit. "Wenn der zuständige 'FAZ'-Journalist sich nicht mehr in der Lage sieht, seinen Rechercheaufgaben nachzukommen, werden wir ihn gerne proaktiv durch Faktenzulieferung unterstützen", kündigte der DSGV-Kommunikationschef an.
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