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11. August 2017 - 07:00Bankenmarkt

Deutschland overbanked - ein Mythos

von Thomas Rosenhain

Der deutsche Bankenmarkt gilt seit Jahren als overbanked. Johannes-Jörg Riegler, Präsident des Bundesverbandes Öffentlicher Banken, sagt das. John Cryan, Vorstandschef der Deutschen Bank meint das und schließlich widmet sich Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret der Frage. Doch Dombrets Antworten sind nicht so einfach, overbanked entpuppt sich als ein Mythos.

Zu viel Banken in Deutschland? In Frankfurts City könnte es einem so vorkommen, andernorts sucht man fast vergeblich Filialen. (dpa)
Die Fakten zum Bankenmarkt Deutschland hat beispielsweise die Bundesbank und veröffentlicht jährlich ihren "Bankstellenbericht" - zuletzt Ende Mai dieses Jahres. Seit 1990 hat sich Zahl der Kreditinstitute demnach mehr als halbiert und wird nun mit 1888 angegeben. Im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang von 3,7 Prozent. Der Konsolidierungsprozess nehme seit 2013 wieder an Tempo zu, erklärt die Bundesbank. Gerade bei Genossenschaftsbanken und Sparkassen sank die Zahl der Institute. Damit wird bereits deutlich, wovon die Rede ist, wenn das Wort "overbanked" fällt. Die Stärker der regionalen Kreditinstitute. "Deutschland und Österreich sind die beiden Staaten mit den meisten sogenannten "weniger bedeutsamen Instituten" im einheitlichen europäischen Aufsichtsmechanismus", sagt Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret.
Die Regulatoren müssten sich überlegen, ob sie künftig noch starke Banken in Europa haben wollen, kritisiert Johannes-Jörg Riegler, Präsident des Bundesverbandes Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB). Deutschland sei overbanked, es gebe zu viele Banken. Bei der Deutschen Bank klingt das ähnlich. Früher war das Konzept Deutsche Bank24 gescheitert, jetzt gibt es Probleme mit der zugekauften Tochter Postbank.
Die vielen regional starken Institute der Sparkassen und Genossenschaftsbanken sorgen für Wettbewerbsdruck und damit geringere Erträge der Großbanken als sie die in anderen Märkten holen können. „Der Deutsche Bankenmarkt ist kundenfreundlich, leistungsfähig und gleichzeitig sehr wettbewerbsstark“, erklärt der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV).
Die 390 regional ausgerichteten Sparkassen (Stand: Juli 2017, Jahresende 2016: 403), die mit einer gemeinsamen Marke auftreten, bieten zusammen mit den Landesbausparkassen, den Landesbanken, der DekaBank und anderen Verbundpartnern ein deutschlandweit flächendeckendes Angebot an Finanzdienstleistungen, gerade auch für Privatkunden sowie klein- und mittelständische Unternehmen. Ähnliches gilt für die 975 Volksbanken, Raiffeisenbanken sowie die anderweitigen genossenschaftlichen Kreditinstitute (Stand: Dezember 2016).
Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), sieht in Überkapazitäten im Bankensektor einen Grund für die geringe Rentabilität europäischer Finanzinstitute. Demnach würde der Konkurrenzdruck es für die Institute immer schwieriger machen, ausreichende Gewinnmargen zu erwirtschaften. Das sei auch aus seiner Sicht richtig, betonte Dombret.

"Vielleicht brauchen wir kleinere Banken"

Der Bundesbank-Vorstand fügte aber gleich hinzu: "Vielleicht brauchen wir nicht weniger Banken, sondern einfach nur kleinere. Oder vielleicht muss auch nur der Handel reduziert werden. Oder vielleicht andere Geschäftsbereiche. Oder vielleicht ist von allem ein wenig zu viel vorhanden." Overbanked seien dagegen Bankensysteme, deren Bankdienstleistungen den realwirtschaftlichen Bedarf übersteigen.
Dombret unterscheidet drei Varianten des Phänomens.
  • Zum einen könne es zu viele Institute geben. Der Wettbewerb ist so intensiv, dass Margen extrem sinken und riskante Möglichkeiten der Rendite gesucht werden
  • Die zweite Variante sei ein gesättigter Markt mit hohen Eintrittsbarrieren und wenig Wettbewerb. Darin könnten nicht wettbewerbsfähige Banken fortbestehen und es würden Überkapazitäten entstehen.
  • Drittens könne ein Bankensystem durch eine Kredit- oder Finanzblase overbanked sein. Realwirtschaftlich unsinnige Transaktionen könnten aufgrund der Spekulation dennoch renditeträchtig durchgeführt werden.
Der Bundesbanker warnt davor, dass in vielen Mitgliedsstaaten einige wenige Bankengruppen den Markt beherrschen und diese Konzentration in den letzten Jahren noch gestiegen sei. Andererseits bemängelt er die Fragmentierung des deutschen Bankenmarkts. Zudem gebe es einen hohen Wettbewerbsdruck.
Der Herfindahl-Index wird von der EZB als Maßstab der Wettbewerbsintensität im Bankenmarkt herangezogen. Deutschland hat demnach die stärkste Konkurrenz. (DSZ)
Die EZB verweist dabei auf den Herfindahl-Index zur Wettbewerbsintensität. Dieser Index zeigt, dass Deutschland den in Europa mit Abstand wettbewerbsintensivsten Bankenmarkt hat. Auf den nächsten Plätzen folgen Luxemburg, Österreich und Großbritannien. Am anderen Ende der Skala finden sich Finnland, Estland und Griechenland.

Bei der Frage nach den Geschäftsstellen pro Einwohner liegt Deutschland sogar unter dem Durchschnitt. Nur Estland, Österreich und die Niederlande zählen im Vergleich zur Bevölkerung noch weniger Bankfilialen. An der Spitze stehen Spanien, Bulgarien und Portugal sowie Italien. Eher schlecht schneidet Deutschland im Vergleich der Kosten-Ertrags-Struktur ab.
Auch beim Blick über den Atlantik fällt das Urteil keineswegs eindeutig aus. In den USA gibt es eine höhere Bankendichte als in der EU. Auf 326 Millionen US-Bürger kommen etwa 5.850 Kreditinstitute. In der Europäischen Union kommen auf 512 Millionen Einwohner hingegen 3.167 Kreditinstitute. Allerdings trage die Politik der Vielfalt des US-amerikanischen Bankenmarktes durch einen nach Größe, Geschäftsmodell und Systemrelevanz differenzierten Regulierungsansatz besser Rechnung, heißt es seitens des DSGV. Dieser Grundgedanke sollte auch von der europäischen Politikebene verstärkt aufgenommen werden, fordert der Verband.
Im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung, eine weitere Messlatte zu der Frage, wann ein Markt overbanked sei, liegt der deutsche Bankenmarkt im europäischen Durchschnitt und ist damit auch nicht overbanked. So entspricht die Bilanzsumme der Kreditinstitute in Deutschland dem 2,5-fachen des bundesdeutschen BIP, im Vergleich der EU-Länder ist es das 2,4-fache. Länder wie Irland, Großbritannien oder auch Frankreich weisen mit 4,3 (Irland), 3,6 (Großbritannien) und 3,7 (Frankreich) deutliche höhere Relationen auf, was eher auf einen über­dimen­sionierten Finanzsektor hinweist als in Deutschland.

Sinkende Zahl der Institut oft Folge der Regulierung - nicht des Marktes

Dombret sieht ein deutliches Wachstum des Bankensektors in den letzten Jahren - trotz einer sinkenden Anzahl der Institute. Wenn er davon spreche, dass Europa overbanked sei, fordert er flexibleres Denken. "Marktbereinigung muss überhaupt nicht heißen, dass es weniger kleine Banken und weniger kleine Sparkassen geben soll. Oder keine Filialen mehr", so Dombret.
Es könne durchaus sein, dass sich manch kleineres Institut nicht behaupten kann oder auch, dass sich einige Filialen als nicht mehr haltbar erwiesen. "Aber es kann genauso gut sein, dass größere Institute sich gesund schrumpfen und dass manches Geschäft effizienter und besser von einem der sogenannten FinTech-Wettbewerber angeboten wird", sagt Dombret. Der Wettbewerb zwischen den Instituten werde ergeben, welche Geschäftsbereiche und welche Struktur über längere Frist nicht mehr gebraucht werden.
Beim DSGV sieht man den Rückgang der Zahl der Kreditinstitute kritisch, denn dieser sei keineswegs allein dem Markt, sondern oftmals der Regulierung geschuldet. "Der deutsche Bankenmarkt ist zwar noch weit von einer ökonomisch schädlichen Konzentration entfernt. Dennoch sollte die Wirtschafts­politik den aufsichtlichen Rahmen nachjustieren, um Vielfalt sowie die regionale Ausrichtung in den Bankmarktstrukturen auch langfristig zu sichern", fordert der Verband. Die Regulierungsvorhaben der vergangenen Jahre sollten auf den Prüfstand. Ziel müsse eine angemessene Regulierung sein, die gerade auch für risikoarme Kreditinstitute mit einfachem Geschäftsmodell einen adäquaten Handlungsrahmen bietet. Der DSGV habe daher eine Small and Simple Banking Box vorgeschlagen.
Dombret sieht dagegen noch viel Aufgaben für den Finanzsdektor in der EU. "Altlasten abzutragen und Geschäftsmodelle neu auszurichten wird aber nicht ausreichen", warnt der Bundesbanker. Vielmehr müsse sich der Sektor auf ein weiteres Schrumpfen seines Anteils an der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung einstellen. "Das systematische Aufräumen, das nach dem Zerplatzen der Finanzblase unausweichlich ist, ist noch nicht abgeschlossen", so Dombret.
Die Diskussion sollte aber nicht auf ein simples "weniger Institute und weniger Filialen" reduziert werden, rät Dombret. "Eine weitere Zunahme der Marktmacht von Großbanken ist kein Königsweg", stellt er klar. Vielmehr gehe es um das Schrumpfen des Sektors auf eine realwirtschaftlich benötigte, nachhaltige Größe. In welcher Form Überkapazitäten dabei abgebaut würden, entscheiden die Marktteilnehmer.
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