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20. März 2017 - 08:30Zinsänderungsrisiko (3)

Dispositionsrisiko begrenzen durch zukunftsgerichtete Einlagenmodellierung

von Dr. Tobias Schlüter, Frank Fleckenstein

Ausgeprägte Bilanzstrukturverschiebungen in Passivprodukten stellen die Unternehmenssteuerung vor besondere Herausforderungen. Die Portfoliomodellierung für Einlagengruppen muss nicht nur aufgrund der aktuellen Ausnahmesituation kalibriert werden, sondern vielmehr auch eine mögliche Trendumkehr darstellen können.

Eine Kurzzusammenfassung finden Sie hier.

Die zukunftsgerichtete Disposition variabler Produkte stellt die Banksteuerung vor viele Herausforderungen. (Rawpixel.com/fotolia)

Das im Zuge der Niedrig- und Negativzinsphase veränderte Marktumfeld hat im Passivgeschäft zu einem starken Umschichtungs­prozess von Festzinsprodukten hin zu variabel verzinslichen Produkten geführt. Aufgrund geringer Konditionsunterschiede bei Einlageprodukten ist in vielen Instituten die historische Portfoliostruktur zwischen verschiedenen Produktkategorien zugunsten der variablen Produkte verschwunden.

Gerade sie stellen Bewertungsmodelle der Banken und Sparkassen vor Herausforderungen, da Institute selbst die Disposition von Kundengel­dern im Zinsbuchcashflow mittels geeigneter statistischer und verhaltensbasierter Modelle einschätzen müssen. Ihre Ergebnisse wirken vor allem auf den Cashflow zur Darstellung der aktuellen Zinsrisikoposition und haben somit – auch aufgrund des reinen Volumens variabler Produkte – einen maßgeblichen Einfluss auf die Zinsrisikoposition. Darüber hinaus rückt die aktuelle Regulatorik die Disposition variabler Produkte vermehrt in den Fokus der aufsichtsrechtlichen Themen.1

So sind Finanzinstitute aktuell mit der Frage konfrontiert, ihre Dispositionsmodelle an ein neues Kundenverhalten zu kalibrieren und gleichzeitig sicherzustellen, keinen Schaden aus einer möglichen Trendumkehr des Sparerverhaltens zu erleiden. Im Rahmen der BBL-Serie „Steuerung des Zinsänderungsrisikos“ skizziert der Beitrag verschiedene Dispositionsmodelle. Im Speziellen wird die Implementierung Sockeldisposition am Beispiel einer Mustersparkasse dargestellt, da sie sich besonders gut im Niedrigzinsumfeld eignet.

Dispositionsmodelle und Bewertung der Ertragskraft 

Als Ausgangspunkt ist es notwendig, die verschiedenen Verfahren zur Modellierung und Bewertung variabler Produkte zu systematisieren. Es sind Ex-ante- und Ex-post-Verfahren in ihrer Wirkung und Anwendung zu trennen: Bei Ex-ante-Verfahren werden zunächst Dispositionsregeln für variable Produkte vorgegeben. Die Regeln werden angewandt, um einen Cashflow zu erzeugen und entsprechen im Grundmodell der Auswahl eines Mischungsverhältnisses für ein homogenes Produktsegment. Nachdem das Institut eine Dispositionsvorschrift festgelegt hat und es zu einer Bestandsveränderung bei variablen Produkten gekommen ist, ermitteln Ex-post-Verfahren die Ertragskraft bzw. die Margen der Produkte. In barwertig steuernden Instituten haben sich für eine interne Erfolgsverrechnung von Margen und aus ihnen abgeleitete Deckungsbeiträge sogenannte Ausgleichszahlungen etabliert. Für periodisch orientierte Institute können Erträge mit Hilfe der Periodischen Ertragsmessung abgeleitet werden.2 
Dabei ergänzen sich Dispositionsmodelle und Modelle zur Ertragsbewertung in ihrer Wirkung und bauen aufeinander auf. Durch die geeignete Wahl eines Dispositionsmodells kann bereits die Notwendigkeit zur Verrechnung barwertiger Ausgleichszahlungen oder die Verwendung der Periodischen Ertragsmessung mindestens gemildert werden.

Fokus auf Einlagendisposition

Ein Institut muss auf Basis von Verhaltensanalysen einzuschätzen versuchen, welche Art von Bestandsänderung vorliegt. Denkbar ist etwa ein Normalwachstum im Sinne einer normalen Sparrate. Liegen moderate Bestandszuwächse vor, kann das Institut hinzugewonnene Bestände im gültigen Mischungsverhältnis disponieren und bewerten. Jede Bestandsveränderung wird genau wie der Altbestand mit unverändertem Mischungsverhältnis disponiert.
Weisen Bestandszuwächse dagegen saisonale Effekte auf, eignet sich die Mittelwertdisposition. Ein Beispiel verdeutlicht die Vorgehensweise: Innerhalb des Monats liegt bei Guthabenständen von Privatkunden am Girokonto in Summe ein sehr regelmäßiger Saisonverlauf vor (höhere Gesamtbestände am Monatsende und Monatsanfang, geringere Bestände in der Monatsmitte). Diese Bestandsspitzen können dispositiv im Tagesgeld ausgeglichen werden, der Durchschnittsbestand dagegen gemäß des Mischungsverhältnisses disponiert werden.
Für die derzeit vorherrschenden substantiellen Umschichtungen innerhalb des Produktportfolios im Zuge der Niedrigzinsphase wird die Sockeldisposition im nächsten Abschnitt als geeignete Dispositionsregel näher vorgestellt. Zum Austarieren der Ex-ante-Dispositionsregel sollte das Institut unter anderem Aspekte bezüglich möglicher Rückumschichtungen der Bestände hin zu Festzinsprodukten bzw. anderen Quellen analysieren. Hierzu bedarf es einer Einschätzung des Kundenkollektivverhaltens unter sich verändernden Marktbedingungen.

Minimierung von Anpassungsschäden durch Sockeldisposition

Bei der Sockeldisposition (auch Bodensatzdisposition) wird bei einem Volumenzuwachs das „alte“, als weitgehend konstant betrachtete Volumen mit dem Gleitzins des Produkts bewertet. Die über das Sockelvolumen hinausgehenden Volumina werden mit kürzeren, ertragsschwächeren Gleitzinsen wie Tages- oder Monatsgeld versehen. Durch die kürzere Pufferdisposition kann verhindert werden, dass Bestandsspitzen längerfristig in einem Mischungsverhältnis disponiert werden (und nach kurzer Zeit wieder aufgelöst werden müssten). Neben einer konsistenten Produktpolitik und einem zukunftsorientierten Mischungsverhältnis eignet sich die Sockeldisposition originär dazu, Risiken in der Darstellung des Gesamtbankcashflows für die Sparkassen abzumildern. Es bestehen zwei sinnvolle Anwendungsmöglichkeiten: Wenn bei einem Produkt irreguläre Schwankungen auftreten, die keinen Saisonverlauf, aber auch keinen Trend in der Volumenentwicklung erkennen lassen, ist es schwierig, einen Mittelwert festzulegen und die Mittelwertdisposition anzuwenden. Die Sockeldisposition ist dann ein sinnvolles Instrument, um Dispositionsrisiken zu begrenzen.
Im Fokus steht die Sockeldisposition vor allem bei aktuellen Umschichtungen aufgrund der Niedrigzinsphase, die zu starken Bestandszunahmen vor allem bei Sichteinlagen und Cash- sowie eventuell bei Sparkonten geführt haben. Hier schlagen die Autoren vor, Altbestände als „Bodensätze“ mit dem Gleitzins des Produkts zu bewerten und das seit Beginn der Umschichtungen hinzugekommene Volumen als Puffer zu behandeln.
Dabei wird davon ausgegangen, dass die Zuwächse bei einem Zinsanstieg ganz oder teilweise (unter Beachtung von Remanenzen) wieder in die Produkte zurückfließen, aus denen die Zuwächse stammen. Die Zuwächse erhalten den Mischzins der Produkte, aus denen sie stammen bzw. in die sie voraussichtlich bei einem Zinsanstieg wieder zurückkehren. Bei einem Zuwachs aus Festzinsgeschäften kann hierfür bei sehr vorsichtiger Vorgehensweise Tages- oder Monatsgeld, bei realistischer Betrachtung ein gleitender 1-Jahreszins oder gleitender 2-Jahreszins angewandt werden.
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  1. Dispositionsrisiko begrenzen durch zukunftsgerichtete Einlagenmodellierung
  2. Implementierung der Sockeldisposition in einer Projektsparkasse
  3. Bestimmung und Anpassung des Sockelbetrags
  4. Fazit
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