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14. September 2018 - 10:59Finanzkrise –Essay

Diversität als Eckpfeiler für Stabilität

Sind die richtigen Lehren aus der Finanzkrise gezogen, und ist das Bankensystem heute sicher? Die Antwort fällt zwiespältig aus.

Medienvertreter und Fußgänger versammeln sich am 15. September 2008 vor dem Hauptgebäude von Lehman Brothers, um die Geschehnisse an diesem denkwürdigen Tag zu verfolgen. Die Insolvenz der 158-jährigen Investmentbank erschütterte die Finanzmärkte und löste die globale Finanzkrise aus. (dpa)
Vor zehn Jahren, am 15. September 2008, hat die US-Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz angemeldet – eine Kettenreaktion war die Folge. Die Geldflüsse zwischen den Banken kamen zum Erliegen, weltweit gerieten Institute in Schieflage, die Kreditvergabe brach ein. Die Pleite gilt als die größte der US-Geschichte. Die Folgen der dadurch mit ausgelösten Finanzkrise – die Probleme im Finanzsektor waren freilich schon im Jahr davor zutage getreten – und ihrer späteren Zuspitzung in einer europäischen Staatsschuldenkrise sind bis heute spürbar.
Am deutlichsten greifbar im täglichen Leben ist die Niedrig- und Nullzinspolitik, aus der herauszumanövrieren sich für die Europäische Zentralbank als extrem schwierig und risikoreich gestaltet.
Im europäischen Bankensektor sind die Spuren mit teilweise hohen Altlasten an faulen Krediten, mit Staatsabhängigkeit, Profitabilitätsproblemen und wenig lebensfähigen Geschäftsmodellen noch sichtbar. Dies betrifft vorwiegend Länder, die im Zuge der Finanz- und Staatsschuldenkrise massive Einbrüche ihrer wirtschaftlichen Aktivität hinnehmen mussten.
Mit den zahlreichen Regulierungsmaßnahmen auf internationaler, europäischer und nationaler Ebene hat sich die Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems insgesamt erhöht. Für den Euroraum hat vor allem die Bankenunion ein neues Aufsichts- und Regulierungsregime geschaffen, das mit der Verlagerung von Befugnissen auf die europäische Ebene eine neue Qualität herstellt.

Nationale Interessen spielen mit hinein

Europäisch und global agierenden Banken ist damit eine Struktur entgegengestellt, die institutionell für Krisenszenarien besser gewappnet ist, aber auch nationale Interessen zurückzudrängen versucht. Letztere äußern sich oftmals in der politischen Unterstützung nationaler Großbanken und nationaler Wettbewerbspolitik für den eigenen Finanzplatz und die eigenen Bankensysteme inklusive eigener „Champions“.
Größere Umbauten im europäischen Bankensystem hat es bis dato nicht gegeben. Daraus erklärt sich auch, dass das Finanzsystem in Größe und Gewicht tendenziell sehr umfangreich bleibt. Es besteht offenbar kaum Interesse, marode Institute vom Markt zu nehmen. Das haben erste Erfahrungen bei der angestrebten Anwendung der EU Bankenabwicklungsrichtlinie gezeigt. In diesem Spannungsfeld agieren die europäischen Aufsicht- und Regulierungsinstitutionen, die europäische Kommission und die nationalen Player – nicht immer in Übereinstimmung. Hinzu kommt die EZB, die mit ihrer Geldpolitik unterschiedliche Belange unter einen Hut bringen muss, gleichzeitig jedoch als aktiver Marktteilnehmer Märkte und Banken mit Liquidität versorgt und zudem in ihrer Rolle als Aufsichtsinstitution für den Euroraum gewissen Zielkonflikten ausgesetzt ist.
Dies alles ist kein optimales Setting, allerdings ein erheblich besseres für Finanzstabilität und Krisenvorbeugung als vor der Finanzkrise. Der gesetzliche Regulierungsrahmen und das Instrumentarium sind mit CRR/CRD und BRRD deutlich gestärkt.
Eines hat sich jedoch gezeigt: Die bis dato beschlossene Regulierung bevorzugt im Ergebnis Großbanken zuungunsten kleinerer Kreditinstitute. Basel III sollte in erster Linie eine Stärkung der Widerstandsfähigkeit großer und systemrelevanter Institute bezwecken, hat jedoch über europäische und nationale Umsetzungen ähnliche, wenn auch nicht die gleichen – Stichwort Proportionalität – Regulierungsanforderungen kleineren Instituten aufgebürdet.
Der durch diese Lasten entstandene Fusionsdruck auf breiter aufgestellte Bankensysteme führt letztendlich zu einer Verringerung der Diversität im Finanzsystem und den angebotenen Finanzdienstleistungen.
Es mag dahingestellt sein, ob die Präferierung von Großbanken eine Zielsetzung in den internationalen und europäischen Entscheidungsgremien war, oder ob starke Stakeholder-Gruppen im Ringen um die Verhandlung von Regulierungstexten immer mehr Komplexität hineingebracht haben: Die Diversität als eine der wichtigsten – wenn nicht die wichtigste – Bedingung für Finanzstabilität und ein widerstandsfähiges Finanzsystem, als auch der notwendige Wettbewerb geraten dadurch in Mitleidenschaft.
Dies trifft auch auf eine zunehmend harmonisierte aufsichtliche Praxis an sich zu: Der Überprüfungs- und Bewertungsprozess (SREP) befördert letzten Endes uniforme Geschäftsmodelle. Nicht nur aus Stabilitätsgründen, auch aus Kundenperspektive ist jedoch der Wettbewerb unterschiedlicher Strukturen und Geschäftsmodelle und ein vielfältiger Bankensektor von Vorteil. Dies scheint in den Sitzungen internationaler Regulierungsexperten – mit Input internationaler Beratungsgesellschaften und globaler Großbanken – aus dem Blickfeld geraten zu sein, so der Eindruck.
Im dreigliedrigen deutschen Finanzsystem stellt sich für Sparkassen und Genossenschaftsbanken die Frage, wie sie mit den Vorgaben aus dem Verbraucherschutz, der Banksteuerung, nationaler und europäischer Regulierung und im Steuerrecht anforderungsgemäß umgehen, hierbei die Kunden zufriedenstellen und darüber hinaus stabile Gewinne erwirtschaften sollen.
Das Prinzip von Regionalität und Verankerung ist neben den internationalen Finanzierungs- und Kreditgeschäften, die globale Banken oder ‚nationale Champions‘ betreiben, eine unabdingbare Säule eines nachhaltigen und zukunftsfähigen Finanzsystems.
Aus gelebter Diversität entsteht Akzeptanz, Glaubwürdigkeit und Stabilität. Sie muss aber gewollt sein und ermöglicht werden. Es ist nicht zielführend, in einem vielleicht falsch verstandenen europäischen Gedanken nur europäische Großbanken und dahingehende Fusionen als Zielsetzung in den Vordergrund zu rücken, um eine stärkere Finanzmarktintegration zu erreichen. Diese Integration spielt in der Politik bislang eine große Rolle und wird kaum hinterfragt.
Bei der Frage, ob ein einheitliches oder ein dezentrales System zu bevorzugen sei, steht Einheitlichkeit, Integration und Harmonisierung stets an erster Stelle – und zwar von den einflussstärksten Gruppen aus gedacht. Um eine Effektivität zentraler Systeme und offener Finanzmärkte zu sichern, sind aber höhere Puffer vonnöten als derzeit vorgesehen. Risiken in einer solchen Konstellation verstärken sich rasch, greifen um sich und bleiben niemals regional oder national beschränkt.

Auftrag jenseits Profitmaximierung

Nischenplayer und innovative Akteure haben wie global tätige Banken ihre Berechtigung, erfüllen wesentliche Funktionen und treiben neue Entwicklungen mit voran. In der Breite leisten in Deutschland Sparkassen und Volksbanken die Versorgung mit Finanzdienstleistungen. Ihr Auftrag und ihr Selbstverständnis gehen über das alleinige Gewinndenken hinaus: Dem Gemeinwohl verpflichtet sind sie bestrebt, die Dinge im Gleichgewicht zu halten und neue, auch technische Entwicklungen voranzubringen.
Der Krisenanfälligkeit des Finanzsystems mit umfassender und auch strenger Regulierung zu begegnen, ist angemessen. Hinzukommen müssen aber Bestrebungen, die Komplexität und die gegenseitige Vernetzung im Finanzsystem zu reduzieren, um Ansteckungsgefahren abzumildern.
Damit sich Folgen wie bei Lehman nicht wiederholen, sind die Herstellung einer gleichen Augenhöhe und gleicher Relevanz unterschiedlicher Finanzmarktakteure und Stakeholder-Gruppen, das Zulassen geordneter Marktaustritte und ein diversifiziertes Banken- und Finanzsystem in verschiedenen Säulen essenziell.
Eine Chronik der Ereignisse um die Lehman-Pleite lesen Sie hier.
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