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12. September 2017 - 14:37Geschichte

„Es hat mich persönlich interessiert“

von Christoph Becker

Zum 175-jährigen Jubiläum der Sparkasse Mülheim a.d. Ruhr erinnert in der Hauptstelle eine Ausstellung an die Historie des Instituts. Der Vorstand berichtet von positiven Kundenreaktionen und zeigt sich mit dem Verwaltungsrat einig, dass bei einer solchen Rückschau die Jahre des Nationalsozialismus dazugehören. Ein Historikerteam recherchierte, wichtige Fragen mussten jedoch vorerst offenbleiben.

Martin Weck, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Mülheim, wollte im Jubiläumsjahr seines Hauses eine historische Ausstellung, die kritisch auf 175 Jahre Institutsgeschichte zurückblickt. Die NS-Zeit gehöre dazu, sagt Weck. „Außerdem hat es mich persönlich interessiert, was damals passiert ist.“

Bis Ende Oktober kommentieren Ausstellungstafeln in der Mülheimer Hauptstelle und ein zehnseitiges Faltblatt Archivmaterial aus den 1930er-Jahren und der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Fotos zeigen, wie SA- und Wehrmachtsverbände auf dem Mülheimer Viktoriaplatz aufmarschieren, wo sich Sparkasse und Synagoge einst in unmittelbarer Nachbarschaft befanden. Ein in der Pogromnacht von 1938 entstandenes Foto zeigt das brennende Dach der Synagoge. Zu sehen ist auch die martialische Sparkassenwerbung der NS-Zeit, die ein Teil der politischen Propaganda war und die Kriegsfinanzierung unterstützte. „Das Sparen ist Dienst der Frau am Volk“ und „Die Heimat arbeitet und spart für die Front“, heißt es auf den alten Plakaten, die ein lokaler Pressebericht „verstörend“ findet.

Nicht nur für Vorstandschef Weck, auch für die Sparkassenmitarbeiter und Verwaltungsratschef Dieter Wiechering stand eine kritische Aufarbeitung der NS-Zeit außer Frage. Sparkassen- und Stadtgeschichte seien eng miteinander verbunden, und heutzutage könne keine historische Rückschau diese einschneidende Periode unbeachtet lassen.

Mülheimer Bürger steuern Exponate bei


Die Ausstellung kommt bei den Mülheimern offenbar gut an. „Wir wollten eine anschauliche Präsentation mit allen Facetten, die für jedermann zugänglich und verständlich sein sollte“, sagt Weck. Das hat offenbar funktioniert. Viele Mülheimer durchforsten ihre Keller und Dachböden und bereichern die Ausstellung mit ihren Funden, darunter historische Werbebriefe und Sparbücher, „das älteste von 1912“, sagt Weck.

Sogar der Ur-Ur-Ur-Enkel des ersten Sparkassenrendanten aus dem Gründungsjahr 1842 habe der Sparkasse für die Würdigung seines Ahnen gedankt. Angesichts des historischen Materials sei aber die „Ernsthaftigkeit des Themas“ schnell deutlich und historische Expertise nötig geworden, sagt der Vorstandschef. Die ursprüngliche Idee, die Ausstellungsvorbereitungen den Azubis und Förderkandidaten der Sparkasse anzuvertrauen, habe man wieder fallenlassen. „Außerdem war es uns wichtig, eine neutrale Instanz zu beauftragen.“

Diese Instanz fand Weck in der Mannheimer Agentur H&C Stader. Wie Geschäftsführer Ingo Stader resümiert, haben Repräsentanten und Mitarbeiter der Sparkasse Mülheim gegenüber dem NS-Regime weder aktiv-unterstützende noch widerständige Haltungen gezeigt. Dank vieler Freiheiten bei der Auswertung des städtischen Archivmaterials seien Hintergründe des Verkaufs des Synagogengrundstücks an die Sparkasse und die Geschichte der Einigung nach 1945 jetzt besser bekannt.

Thorsten Wehber, Historiker des Sparkassenhistorischen Dokumentationszentrums beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband in Bonn, sagt, es sei damals „vermutlich kein Einzelfall“ gewesen, dass Sparkassen die Notlagen der jüdischen Gemeinden ausnutzten, um günstig an Grundstücke zu gelangen. „Umso besser, dass die Sparkasse heute an ihre damalige Beteiligung am Unrecht gegen die jüdischen Deutschen erinnert“, sagt Wehber. "Ich finde es hervorragend, dass die Sparkasse ihre Geschichte der Mülheimer Bevölkerung durch eine gut gemachte Ausstellung näherbringt."

Gesperrte Akten sind noch unerschlossen


Auch die Geschichte um das Sparschweinrelief über dem Haupteingang der Sparkasse haben die Historiker untersucht. „Inwieweit das Schweinerelief tatsächlich antisemitisch motiviert war, wird in den lokalen Medien bis heute kontrovers diskutiert. Unsere Recherchen im Stadtarchiv kommen eher zu dem Ergebnis, dass es sich um Gedankenlosigkeit und Ignoranz handelte“, erklärt Stader. Das von der jüdischen Gemeinde beanstandete Relief neben dem Synagogeneingang wurde 1909 entfernt und tauchte erst in den 1960er-Jahren wieder auf.

Zu den heikelsten Quellen der Nazidiktatur gehören die sogenannten Arisierungsakten. Darin wurde dokumentiert, wie jüdische Bürger systematisch enteignet, also schrittweise um ihr Hab und Gut und schließlich ums Leben gebracht wurden. Auch Sparkassen mussten solche Akten über ihre jüdischen Kunden anlegen.

Ob es Archivmaterial dazu gibt, konnten die Historiker nicht mehr feststellen. „Hier wären Anträge auf eine Sperrfirstverkürzung im Landesarchiv Duisburg notwendig geworden, die wir aus Zeitgründen nicht vornehmen konnten“, erklärt Stader. Wiechering sagt, es habe ihn überrascht, dass es überhaupt noch gesperrte Aktenbestände zur NS-Zeit gebe. Er halte es für sinnvoll, die Forschungen beizeiten fortzusetzen und abzuschließen. "Außerdem ist es mein Wunsch, dass die Ausstellung auch nach dem Jubiläumsjahr erhalten bleibt." Es werde geprüft, ob die Präsentation im Mülheimer Unternehmermuseum als Dauerleihgabe gezeigt werden kann.
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