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| Ausblick

Aktien bleiben attraktiv

Die Fondsgesellschaften rechnen mit weiteren Unsicherheiten an den Börsen. Doch trotz steigender Schwankungen an den Märkten bleiben Aktien am attraktivsten, so die Experten.

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Schon Anfang 2018 sah der Dax wie kein zweiter Wirtschaftsprophet den konjunkturellen Einbruch in der zweiten Jahreshälfte voraus. Das deutsche Börsenbarometer hat im alten Jahr - von seinem Höchststand im Februar - gut 20 Prozent eingebüßt. Nach fast zehn Jahren im Trend aufwärtsstrebender Kurse fand die Party auf dem Frankfurter Börsenparket ihr vorläufiges Ende.

Die wirtschaftlichen Gründe: Die Weltkonjunktur schwächte sich ab. Gleiches galt für die Konjunktur im Euroland und in der EU. Das traf die Exportnation Deutschland schmerzlich. Die wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute haben ihre Wachstumserwartungen zurückgenommen. Ihre derzeitige Prognose: Das gesamtwirtschaftliche Wachstum normalisiert sich. Eine Rezession ist nicht in Sicht. Das klingt beruhigend. Doch die Stimmung ist schlechter als die wirtschaftliche Lage.

 
Die Wall Street gibt die Richtung vor, und die verheißt viel Unsicherheit trotz zuletzt guter Wirtschaftsdaten. © dpa

Obwohl nach einer alten Börsenregel politische Börsen „kurze Beine“ haben, war es vor allem die Politik, die die Stimmung und damit das Börsengeschehen 2018 erheblich belastet hat. Der Populismus und damit die Ungewissheit sind in Form national ausgerichteter und unberechenbarer Politiker zurückgekehrt. So hat US-Präsident Donald Trump die Börsianer mit seinem Handelsstreit, vor allem mit dem zur zweitstärksten Wirtschaftsmacht der Welt aufgestiegenen China, immer wieder in Angst und Schrecken versetzt.

Zwar beruhigt sich die Lage im chinesisch-amerikanischen Zollkonflikt derzeit etwas, doch die Skepsis bleibt. Mit den Europäern hat Trump allenfalls einen vorübergehenden Burgfrieden geschlossen. Besonders die deutsche Autoindustrie bleibt fest in seinem Visier. Und falls es im Handelsstreit mit China - bei den Mitte Januar beginnenden Verhandlungen - zu einer Einigung kommen sollte, steigt die Gefahr, dass der US-Präsident sich Europa widmet und hier, wie gesagt, besonders der deutschen Automobilindustrie.

Aber auch ohne Trump ist Europa in unruhiges Fahrwasser geraten und brachte den Dax unter Druck: So zogen die Italiener die Börsianer in ihren Bann. In Rom weigerte sich die neue Regierung zunächst beharrlich, einen Haushalt aufzustellen, der das Land einem Abbau seiner hohen Verschuldung näher bringen sollte. Die römische Regierung bestand aber darauf, ihre teuren sozialen Wahlversprechen zu erfüllen. Zum Jahresende kam es mit Brüssel aber doch zu einer Einigung. Dagegen bleibt der Brexit auf der Tagesordnung. London trifft sogar Vorkehrungen für einen harten Brexit. Ende März ist Termin. Und bereits im Mai ist Europa-Wahl, wo die Angst vor den erstarkenden Populisten groß ist.

Zu den politischen Unwägbarkeiten treten sich umwälzende Technologien auf den Plan - vor allem die Digitalisierung, die sich gleich vieler Stellschrauben der Wirtschaft bemächtigt. In diesem Umfeld dürfte es für die Unternehmen besonders schwierig werden, die Zukunft auszuloten. Das zeigten bereits jüngste Unternehmensausblicke: Sie waren auffällig häufig von Konjunktursorgen und Gewinnwarnungen geprägt und stärkten das Misstrauen der Börsianer: Die heiß erhoffte Jahresendrallye blieb aus.

Wie die Handelsblattumfrage „Dax-Sentiment“ zeigt, haben die aktuelle Stimmung und die Verunsicherung der Anleger die schlechtesten Werte seit Beginn der Erhebung in 2014 erreicht. So weist der Fünf-Wochen-Durchschnitt des Sentiments - der stets ein treffsicheres Signal für eine Trendwende war - derzeit einen negativen Extremwert aus.

Die Zinssteigerungen in den USA und die Liquiditätseinschränkungen von FED und EZB verunsichern zusätzlich. Noch nie in der Geschichte habe man 600 Miliarden US-Dollar an Liquidität aus den Märkten genommen, so Jens Ehrhardt, Vorstandsvorsitzender der DJE Kapital AG, in München. Doch traut er der FED die notwendige geldpolitische Flexibilität zu, sollte eine starke Schädigung der Konjunktur und Aktienmärkte drohen.

Im Streit zwischen den USA und China setzt Ehrhardt letztlich auf eine Einigung. In der Tat, Trump hat bereits seine Wiederwahl fest im Auge und braucht Erfolge. Aber auch China scheint an einer Deeskalation interessiert zu sein: Die Abwertung des Yuan ist gestoppt, und chinesische Unternehmen, die sich des Diebstahls geistigen Eigentums schuldig gemacht haben, werden bestraft. Verbleiben – als Vortrag auf 2019 neben dem ungewissen Ausgang des Brexit und konjunkturellen Fragezeichen die Schuldenprobleme südlicher Euro-Länder, die mit zunehmender Konjunkturschmelze wieder akut werden könnten.

Andererseits fehlt es hierzulande weiterhin an Anlagealternativen zu Aktien: Steigende Zinsen bleiben im Euroraum zunächst - möglicherweise über 2019 hinaus - ein Wunsch, und die Preise für Betongold haben in bevorzugten Regionen bereits sehr hohe Niveaus erreicht.

Das Börsenjahr 2018 dürfte kein Ausrutscher gewesen sein, der sich kurzfristig – bereits in den nächsten Monaten - wieder wettmachen lässt. 2019 scheint angesichts der vielen Unwägbarkeiten ein äußerst volatiles Börsenjahr zu werden. „Trotz der jüngsten Unruhen an den Finanzmärkten sollten Anleger 2019 auf Aktien keineswegs verzichten“, mahnt Thomas Mayer, Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institut.

In der Tat, Anlegern mit langem Atem sollten sich - nach den kräftigen Kursstürzen - im Jahresverlauf 2019 auch Chancen bieten. Dabei raten Börsenprofis als Risikopuffer zu Substanzwerten, aber auch Wachstumswerte nicht aus dem Blick zu verlieren. Für die nächsten Jahre geht Holger Bahr, Leiter Macro Research bei der DekaBank, davon aus, dass die Aktienmärkte moderat nach oben gehen - wenn auch wohl unter Schwankungen. „Zumindest bis Mitte des nächsten Jahrzehnts, wenn wieder normale Zinsen da sind, bleiben Aktien am attraktivsten – nicht in jedem einzelnen Jahr, aber im Durchschnitt“, so Bahr.