Anzeige
| Märkte

Der Virus und die Börse

Die Gewinner und Verlierer an den Finanzmärkten im Hinblick auf den neuartigen Coronavirus in China zeichnen sich deutlich ab.

Anzeige

Aktien – Grundsätzlich haben die Aktienmärkte als Folge der noch schwer einzuschätzenden Dimensionen des Coronavirus deutlich nachgegeben. Die Ausbreitung des Coronavirus in China hat den Deutschen Aktienindex (Dax) am Wochenbeginn um 1,5 Prozent fallen lassen. Börsianer befürchteten einen Dämpfer für das Wachstum der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft.

 
Die Ausbreitung des Virus ist momentan noch weitestgehend auf China beschränkt. Doch Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Epidemie und die Möglichkeiten, diese zu begrenzen, beunruhigen auch die Börsen. © dpa

Mittlerweile sind mehr als 2740 Menschen in China mit dem Erreger infiziert. Die Zahl der Todesfälle stieg am Wochenende auf 81. Die Behörden verlängerten die Feiertage zum chinesischen Neujahrsfest um drei Tage, um die Ausbreitung einzudämmen. Auch in mehr als zehn anderen Ländern wurden Coronavirus-Fälle bestätigt.

Luxusgüter und Luftfahrt – Zwei Branchen, deren Börsenkurse besonders auf die Virus-Epidemie reagiert haben, sind Luftfahrt-Konzerne sowie die Hersteller von Luxusgütern. Aus Furcht vor einem Rückgang der wichtigen Nachfrage in China ziehen sich Anleger bei europäischen Anbietern von Luxusgütern zurück. Der Branchenindex verliert 1,8 Prozent. Zu den größten Verlierern zählen hier die Modefirmen Hugo Boss, Christian Dior und Burberry mit Kursverlusten von bis zu 4,7 Prozent.

Der europäische Branchenindex von Luftfahrt- und Touristikwerten verliert 2,4 Prozent und steuert auf den größten Tagesverlust seit einem halben Jahr zu. Mit einem Minus von rund sechs Prozent gehört hier die Lufthansa zu den größten Verlierern.

Gold und Öl – Die Furcht vor einem Dämpfer für die Weltwirtschaft durch die Ausbreitung des Coronavirus drückt den Ölpreis und treibt Anleger in „sichere Häfen“. Die „Krisen-Währung“ Gold gewinnt ein Prozent und ist mit 1586,43 Dollar je Feinunze so teuer wie zuletzt während der USA/Iran-Krise vor drei Wochen. Die Ölsorte Brent aus der Nordsee verbilligt sich um 2,25 Prozent auf 59,38 Dollar je Barrel.

Einzelwerte – Einige Einzelwerte sind aufgrund der Produktion in vom Virus betroffenen Gebieten besonders betroffen. Drohende Einnahmeausfälle brocken etwa dem SEB-Konzern den größten Kurssturz sei einem halben Jahr ein. Die Aktien des französischen Haushaltsartikel-Herstellers, zu dem die Marken „Tefal“, „Krups“ und „WMF“ gehören, fallen um gut sechs Prozent auf ein Zwölf-Monats-Tief von 121 Euro. Das SEB-Werk in der vom Coronavirus besonders betroffenen chinesischen Provinz Wuhan liege still und es sei unklar, ob die Absatz-Einbußen aufgeholt werden können, schreiben die Analysten der HSBC.

Währungen – Die mit dem Coronavirus-Ausbruch einhergehende Verunsicherung der Investoren hat zu einer kräftigen Aufwertung des Schweizer Frankens geführt. Ein Euro war am Montag für 1,0690 Franken zu haben. Weniger als 1,07 Euro kostete die Schweizer Hauptexportwährung zuletzt im April 2017. Maxime Botteron, Ökonom bei der Großbank Credit Suisse, sieht hier einen Zusammenhang zur Virus-Epidemie in China. (rtr)