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| US Notenbank

Fed lässt Trump abblitzen

Die Dekabank fühlt sich bestätigt, die Helaba warnt vor neuem politischen Druck: Doch bislang widersetzt sich die US-Notenbank Forderungen von Präsident Donald Trump nach billigem Geld und niedrigen Zinsen.

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Die US-Notenbank Fed lässt den Leitzins konstant und erteilt damit Forderungen von Präsident Donald Trump nach einer Senkung eine Absage. Die Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell beließen den geldpolitischen Schlüsselsatz am Mittwoch in der Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent. Zugleich kündigten sie an, bei geldpolitischen Entscheidungen „geduldig“ agieren zu wollen. Dieses Schlüsselwort gilt als Fingerzeig, dass die Zentralbank vorerst keine weiteren Erhöhungen plant – aber eben auch keine Senkungen, wie sie Trump fordert. Bei der Dekabank fühlt man sich bestätigt. Die Aussagen Powells „entsprachen weitgehend unseren Erwartungen“, so Deka-Experte Rudolf Besch. Sowohl seitens der Konjunkturentwicklung als auch der Inflationsdaten ließen sich keine Argumente für eine Leitzinssenkung ziehen.

„Wie Sie wissen, sind wir eine nicht-politische Institution“, betonte Powell vor der Presse. Kurzfristige Erwägungen politischer Art hätten bei der Entscheidungsfindung der Notenbank nichts verloren. Die Äußerungen von Fed-Chef Powell wurden leicht „hawkish“ aufgefasst, meint Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. Damit würde sich Trump nicht zufriedengeben. Der politische Druck auf die Notenbank sei groß. „Präsident Trump und seine Führungsriege werden nicht müde, die Währungshüter zu kritisieren und für Zinssenkungen zu plädieren“, so Wortberg.

Vertrauen in die Notenbank droht zu sinken

Zudem wolle Trump Vertraute für das Führungsgremium der Notenbank nominieren. Im Rennen sei Stephen Moore, der sich bereits zugunsten einer extrem lockeren Geldpolitik geäußert habe. „Insofern gibt es nicht nur politischen Druck von außen, sondern es besteht die Gefahr, dass auch innerhalb der Fed Kritiker installiert werden, die das Vertrauen in die Geldpolitik untergraben könnten“, warnt der Landesbank-Analyst. Über die Frage der Unabhängigkeit der Fed werde bereits offen diskutiert und dies schade bereits jetzt dem US-Dollar, der sich aber aufgrund des vergleichsweise robusten Konjunkturumfelds in den USA bislang behaupten konnte.

„Wir fühlen uns mit unserer geldpolitischen Haltung wohl“, sagte Powell. Es gebe „keine starken Argumente“ dafür, das gegenwärtige Leitzinsniveau aufzugeben und sich in die eine oder andere Richtung zu bewegen. Die von Trump wegen ihrer aggressiven Erhöhungen vom vorigen Jahr heftig kritisierte Notenbank fährt damit vorerst auf Sicht, während die Währungshüter in der Eurozone noch bis mindestens Ende dieses Jahres den Nullzins beibehalten wollen. In Japan kündigte die Notenbank sogar an, bis mindestens zum Frühjahr 2020 an ihrer ultra-lockeren Geldpolitik festzuhalten.

 
Die Zinsen bleiben vorerst stabil, so Fed-Chef Jerome Powell bei der Pressekonferenz der Notenbank am 1. Mai in Washington D. C. © dpa

„Die offene Frage, die die Märkte in den kommenden Monaten beschäftigen wird, ist, welche Abweichungen bei der Inflation eine Zinssenkung auslösen würden und wie heftig eine Reaktion ausfallen würde“, meint Ökonom Nathan Sheets vom Vermögensverwalter PGIM. Händler haben weiterhin eine Zinssenkung für das Jahresende auf dem Zettel, auch wenn die Äußerungen Powells zur Inflation etwas mehr Zweifel daran aufkommen ließen. „Vermutlich wird die Fed nicht nur recht rasch zu Zinssenkungen greifen, wenn die Konjunktur lahmen sollte, sondern vor allem auch wenn die Finanzmärkte – die Aktien- und Kreditmärkte – in Schwierigkeiten geraten sollten“, erwartet Thorsten Polleit, Chefvolkswirt von Degussa Goldhandel.

Die Fed achtet besonders auf Preisveränderungen bei den persönlichen Ausgaben der Verbraucher, wobei Energie- und Nahrungsmittelkosten außen vor bleiben. Diese Rate sackte trotz des Wirtschaftsbooms zuletzt auf nur noch 1,6 Prozent und damit weit unter das Ziel der Notenbank von zwei Prozent ab.

US-Präsident Trump macht Druck

Die US-Konjunktur könnte „abgehen wie eine Rakete“, wenn die Zentralbank den Schlüsselzins senken würde, schrieb der US-Präsident jüngst auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Die Wirtschaft habe das Potenzial dafür, sollten die Leitzinsen um etwa einen Basispunkt reduziert und die Geldpolitik gelockert werden. Die Währungshüter sind mit der Entwicklung der Wirtschaft derzeit jedoch recht zufrieden, die nach ihrer Einschätzung „solide“ wächst. Zu Jahresbeginn hatte die Konjunktur überraschend an Fahrt gewonnen: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte mit einer aufs Jahr hochgerechneten Rate von 3,2 Prozent zu. Ende 2018 war lediglich ein Plus von 2,2 Prozent herausgesprungen.

„Die insgesamt positive wirtschaftliche Entwicklung nimmt Druck von der Fed. Sie braucht daher nicht unmittelbar mit einer weiteren Anpassung der Politik zu reagieren“, meint Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner. Allerdings kappte sie nun den Zinssatz für die Überschussreserven der Banken – im Fachjargon IOER genannt – auf 2,35 von 2,40 Prozent. „Am Markt könnte die nun erfolgte Senkung allerdings als Zeichen verstanden werden, dass es auch beim Leitzins zu Zinssenkungen kommen könnte“, meint Oliver Baron vom Finanzportal GodmodeTrader. Powell trat solchen Spekulationen jedoch auf der Pressekonferenz entgegen und betonte, es handle sich nur um „kleine technische Justierungen“. (rtr, rsh)