Anzeige
| Bankenmarkt Spanien

Hubs mit Ambiente

Die Bankengruppe La Caixa baut 600 Geschäftsstellen zu großzügig-stilvollen Flagship Stores um, mit Gastronomie und Arbeitsräumen für Kunden. Wettbewerber ziehen nach.

Anzeige

Wer in Spanien Bargeld oder Finanzberatung braucht, auf dem Dorf wohnt und nicht in die Stadt fahren kann, muss manchmal warten, bis der Bankia- oder Santander-Bus vorbeikommt. Auf den zentralen Plätzen, wo die mobilen Bankfilialen halten, versammeln sich schon Stunden vorher zahlreiche Menschen. Vor allem Pensionäre können mit Kreditkarte und Internet oft nicht umgehen und nutzen die Zeit bis zur Ankunft des Busses, um mit Nachbarn zu plaudern.

Wer in den Metropolen Finanzdienstleistungen und Bankberatung wünscht, findet Filialen nur noch in Zentrumsnähe. Spaniens Banken und Sparkassen haben in den vergangenen zehn Jahren 60 Prozent ihrer Geschäftsstellen aus Kostengründen geschlossen. Kunden mussten sich mit lästigen Call-Centern herumschlagen.

 
Juan Antonio Alcaraz, Geschäftsführer der spanischen Caixa-Bank, mit María Alsina, Geschäftsführerin der Caixa-Niederlassung in Barcelona. In ihren bis zu 3000 Quadratmeter großen Flagship-Stores realisiert die Caixa-Bank als Trendsetter ein All-in-one-Konzept mit Gastronomie und diversen Services für Kunden. © La Caixa

Gleichsam zum Ausgleich bieten die Banken ihren Kunden jetzt sogenannte Flagship-Stores. Trendsetter ist die Bankengruppe La Caixa, die schon 2013 die ersten Stores eröffnet hat. Die Sparkasse kommt inzwischen auf 400 solcher Hubs. La Caixa kooperiert in den großzügig-stilvollen Niederlassungen mit dem Technikhersteller Samsung und vertreibt dort auch Produkte des asiatischen Konzerns.

Solche Allianzen sind notwendig, nicht zuletzt aus ökonomischen Gründen. Das Konzept hat mittlerweile auch die meisten Wettbewerber von La Caixa überzeugt. So besetzen die Top-Adressen in den Stadtzentren nicht etwa Textilhändler wie Zara oder Mango, sondern BBVA, Caixa-Bank und Banco Santander.

Dabei hatten sich die Banken vor etwa acht Jahren, nach dem Höhepunkt der Finanzkrise, zunächst aus den Innenstädten zurückgezogen. „Aber die Nähe zu Touristen und Shoppern ist wertvoller“, sagt Gonzalo de Cadenas Santiago, Chefsvolkswirt des spanischen Versicherers Mapfre.

Mittlerweile erstrecken sich die stilvoll eingerichteten Geschäftsstellen spanischer Banken auf bis zu 3000 Quadratmetern Bürofläche. Das soll kaufkräftige Neukunden anlocken und Stammkunden binden, auch mithilfe von Kaffeeausschank, Besprechungsräumen und Filmvorführungen.

Die Digitalisierung treibt Banken in die Stadtzentren zurück

Nicht nur die Finanzkrise hat das Land und die Bankenbranche erschüttert. Auch die digitale Revolution hat den Markenwert vieler Geldinstitute verwässert. Laut Daten der Banco Santander besuchen inzwischen nur noch 25 Prozent der Kunden zwischen 35 und 65 Jahren die Filialen des Konzerns. Bei Bankia erledigen Kunden inzwischen 26 Prozent ihrer Bankgeschäfte online. Bei dem kleineren Geldhaus Bankinter sind es fast 95 Prozent.

 
SB-Zone im Flagship-Store der Caixa-Bank in der Calle Velasquez in Madrid. © La Caixa

Damit sich das rentiert, müssen die Verkaufszahlen stimmen und auch Branding und Neukundenakquise sollen nicht ganz verloren gehen. Daher will die katalanische Banco Sabadell, die seit jeher enorm viel in Werbung an Bushaltestellen und auf Plakaten mit spanischen Prominenten investiert, künftig 100 Flagship-Stores in spanischen Metropolen einrichten.

Der erste Store soll im März 2020 eröffnen, und zwar auf der teuersten Geschäftsstraβe Madrids, der Calle Serrano. In den neuen Hubs sind Kunden- und Mitarbeiterbereich optisch nicht voneinander getrennt. Das soll Offenheit, Transparenz und Vertrauen vermitteln, „Werte, die in der Krise verloren gegangen sind“, erklärt der in Madrid lebende Branding-Experte Joaquín Gómez.

Die Banken bereiteten sich damit auf Zeiten vor, „in denen ihr Hauptgeschäft vielleicht nicht mehr die Kreditvergabe sein wird“, sagt Gómez. La Caixa versuche schon heute, auch Renting, Technologie, Immobilien und Versicherungen zu vertreiben, sagt der Experte. Damit einher gehe ein rasanter Personalabbau. Ende 2018 waren in Spanien nur noch 187.182 Personen im Bankensektor tätig, vor zehn Jahren waren es noch 244.513.

Madrid und Barcelona gelten als Testfläche

Die drittgröβte Bank Spaniens, die BBVA, hat in diesen Jahr an einer der Einfallstraβen Barcelonas, der Diagonal, einen 2000-Quadratmeter-Shop eröffnet. Der Platzhirsch Caixa-Bank hat gleich nachgezogen und in der Nachbarschaft, am Platz Francesco Macià, eine Art Finanz-Erlebnisraum eröffnet.

 
Store der Caixa-Bank in der Einkaufsstraße Calle Sierpes in Sevilla. © La Caixa

Dort können Kunden auf 3000 Quadratmetern Kaffee trinken, mit Geschäftskunden konferieren oder Technik ausprobieren. 80 Berater beantworten hier täglich 22.000 Kundenanfragen, während im Gastronomiebereich Sterne-Köche kulinarische Innovationen kreieren. Der La-Caixa-Hub wirbt damit, der größte Europas zu sein.

Banco Sabadell und die ehemalige Sparkasse Bankia haben ihre Hubs in Madrid ebenfalls auf der Serrano angesiedelt, wo ein teurer Schmuck- und Markenladen sich an den anderen reiht. Mit 600 Quadratmetern und sieben Angestellten wirkt die Präsenz der noch immer hochverschuldeten Bankia jedoch vergleichsweise bescheiden.

Experimente mit Öffnungszeiten

Doch es geht nicht nur um Standort und Gröβe. Die ehemalige baskische Sparkasse Kutxabank will Kunden ab 2020 auch flexiblere Öffnungszeiten bieten. 50 Kutxabank-Filialen sollen, anders als in Spanien üblich, von Oktober bis Mai und von montags bis donnerstags am Nachmittag öffnen. Die Gewerkschaft hat angesichts der ernsten Branchenlage eingewilligt, dass sozialverträglich Personal abgebaut wird.

Die La-Caixa-Store-Filialen sind ebenfalls von Oktober bis April von 16.15 bis 18.30 Uhr geöffnet. Bei Bankia, die auch sogenannte Quick-Stores mit schnellerer Bedienung eingerichtet hat, sind Filialen an Wochentagen außer Freitag das ganze Jahr durchgehend geöffnet, von 8.15 bis 18 Uhr.

Spaniens Banken probieren viele Konzepte aus

Die ehemalige Sparkasse Ibercaja betreibt im ganzen Land acht sogenannte Flagship-Business-Zentren, ebenso wie der niederländische ING-Konzern, der im Land kein klassisches Filialnetz unterhält. Die Flagship-Stores der ING sind sogar täglich bis 19.30 geöffnet.

 
Mit Bibliothek und Leseecke – Kunden sollen sich in den Work Cafés der Bank Santander in Madrid wohlfühlen. © Santander

Interessant ist auch die Strategie von Evo, einem Zusammenschluss mehrerer regionaler Sparkassen. Die Bankengruppe bündelt ihre Geschäfte in nur noch einer Zentrale in Madrid. Hier wird wochentags bis 20 Uhr gearbeitet.

Die Banco Santander als kommerziell erfolgreichstes Geldinstitut ist mit dem Work-Café-Konzept noch einen Schritt weiter gegangen. Die Work Cafés ähneln den Filialen der Kaffeekette Starbucks. Zehn Mitarbeiter bieten auf einer Fläche von 500 Quadratmetern neben Kaffee und Kuchen auch Fonds und Versicherungen an.

Santander-Kunden haben Zutritt zu einem Extrabereich und können hier arbeiten, Besprechungen abhalten oder an Veranstaltungen teilnehmen. Fünf dieser rot leuchtenden Santander-Work-Cafés gibt es bereits in der spanischen Hauptstadt.

Spaniens Premium-Immobilienwirtschaft profitiert von der Entwicklung

Vor allem im Premiumsegment der Immobilienwirtschaft zeigt man sich erfreut über diese Entwicklung: „Der Bankensektor beginnt sich zu einem wichtigen Kunden zu entwickeln“, sagt David Barragán, Retail-Experte beim spanischen Immobilienberater Savills-Aguirre Newman.

 
Eine Work-Café-Filiale der Banco Santander in Madrid. Dass hier auch Finanzdienstleistungen angeboten werden, ist nicht sofort erkennbar. © Santander

Zwar werde gerade viel Büroraum in Vororten und Außenstellen frei, dafür kauften die Banken im Zentrum wieder dazu und träten nicht nur als Mieter in Erscheinung. Der Immobilienexperte zeigt sich überzeugt, dass die Geldinstitute jede Flagship-Niederlassung an die Umgebung anpassen. Gebe es in der Nachbarschaft viele Museen, gestalteten die Banken ihre Hubs als Kunstzentren. Gebe es viele Restaurants, werde Gastronomie angeboten.

Branding-Experte Gómez zeigt sich allerdings nicht überzeugt, dass der Trend andauern und das Hub-Konzept der Banken überall funktionieren wird: „Das Kundenverhalten und auch die Branche verändern sich rasant, und es ist schwierig, in diesem Umfeld Voraussagen zu treffen.“