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| Nachhaltigkeit / mit Umfrage

Investoren droht die "Carbon-Bubble"

Die Geldanlage beeinflusst den Klimawandel. Anlageberater müssen dies künftig stärker berücksichtigen.

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Der weltweite Klimawandel macht sich bemerkbar, doch das Erreichen der definierten Klimaziele erweist sich als schwierig. Um ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu erreichen, sollen die Kapitalströme umgelenkt werden − ein entsprechender Aktionsplan der EU ist auch für Sparkassen relevant.

Der warme Juli des laufenden Jahres ist – für sich genommen – noch kein Beleg für den weltweiten Klimawandel. Allerdings sind Forscher des „World Weather Attribution Projects“ Anfang August dieses Jahres zu dem Schluss gekommen, dass der Klimawandel die Hitzewelle im Juli in Westeuropa tatsächlich befeuert hat – bevor dann im August bei der nächsten Hitzewelle die bisherigen Temperaturrekorde geknackt wurden.

 
Das Risiko für Anleger sind derzeit zu optimistische Bewertungen der alten Industrie (im Bild ein Braunkohlewerk in NRW), sagt LBBW-AM-Experte Steffen Merker. © dpa

Experten des UN-Weltklimarates IPCC weisen schon seit Längerem darauf hin, dass menschliche Aktivitäten im Schnitt zu einer Erderwärmung von rund 1,0 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter beigetragen haben. In einem Bericht haben die Forscher vor Kurzem betont, wie wichtig es ist, den weltweiten Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen, und vor den Folgen einer weiteren Erderwärmung gewarnt.

„Taxonomie“ soll Finanzprodukte bewerten

Das ist auch der Europäischen Kommission bewusst. Schon im März 2018 hat sie einen Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums vorgelegt. Dieser Aktionsplan, der seitdem immer konkretere Formen angenommen hat, wird auch Auswirkungen auf den Alltag von Anlageberatern haben, nicht zuletzt in den Sparkassen. Unter anderem sollen Berater in Zukunft verpflichtet sein, die Kunden nach ihren Nachhaltigkeitspräferenzen zu fragen.

Laut den jüngsten Gesetzesvorschlägen soll diese Verpflichtung in die Richtlinien Mifid II und IDD einfließen und spätestens ab 2020/2021 gelten. Auf Grundlage der Nachhaltigkeitspräferenzen sollen die Berater ihren Kunden dann die dazu passenden Produkte empfehlen. Die EU ist dabei, dafür eine sogenannte Taxonomie zu entwickeln, anhand der sich klassifizieren lässt, wie nachhaltig ein Finanzprodukt ausgerichtet ist.

Klimaziele könnten noch verschärft werden

Mit diesen und weiteren Schritten will die Europäische Kommission eine nachhaltige Entwicklung fördern, den Klimaschutz untermauern und dazu beitragen, die eigenen Klimaziele zu erreichen. Diese könnten in den kommenden Jahren weiter verschärft werden. So hat die neue EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vor ihrer Wahl vorgeschlagen, die Treibhausgase bis zum Jahr 2030 im Vergleich zum Referenzwert im Jahr 1990 nicht nur – wie bisher geplant – um 40 Prozent, sondern um mindestens 50 Prozent zu senken. Nach Möglichkeit soll die EU bis 2050 sogar komplett klimaneutral sein.

Investoren haben Einfluss – und können das Blatt wenden

Nach Einschätzung von Experten rücken diese Ziele ohne ein Umlenken der Finanzströme in weite Ferne. Vor allem Investoren sind neben der öffentlichen Hand gefragt, wenn es darum geht, dass mehr Geld in Innovationen und CO2-arme Technologien fließt und Alternativen für die Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen gefunden werden. Viele Anleger haben diese Notwendigkeit bereits erkannt.

Das lässt sich an der steigenden Nachfrage nach nachhaltigen Investmentlösungen ablesen. So ist das Volumen der nachhaltigen Geldanlagen in Deutschland 2018 gegenüber dem Vorjahr um 28,2 Prozent auf insgesamt 219,1 Milliarden Euro angewachsen und hat damit ein neues Rekordniveau erreicht. Die Nachfrage wird in den kommenden Jahren weiter ansteigen. In der Finanzberatung ist das Thema Nachhaltigkeit damit kein Nischenthema mehr. 

 
Das Umweltbewusstsein steigt weltweit. So enstanden etwa diese grünen Hochhäuser in China. © dpa

Die Performance kann dabei die Investoren überzeugen. Zahlreiche Studien belegen, dass sich nachhaltige Fonds analog zu herkömmlichen Fonds entwickeln. Unter Risikoaspekten können die Fonds künftig besser abschneiden. So hat etwa der LBBW Global Warming in den vergangenen zehn Jahren eine Rendite von 184,78 Prozent erzielt. Der Aktienfonds ist auch ein gutes Beispiel dafür, dass Anleger mit Fondslösungen längst gezielt auf bestimmte Nachhaltigkeitsaspekte setzen können.

Der Fonds investiert überwiegend in Aktien von Unternehmen, die Produkte oder Dienstleistungen anbieten, die der globalen Erderwärmung entgegenwirken oder deren Folgen abmildern. Anleger, die eher eine einer Vermögensverwaltung ähnliche Anlagemöglichkeit suchen, können auf Mischfonds, wie den LBBW Multi Global Puls Nachhaltigkeit zurückgreifen. Der Fonds kombiniert die langjährige Erfahrung in der Asset Allocation mit der Nachhaltigkeitsexpertise der LBBW Asset Management.

Nachhaltige Investitionen können Anlegerrisiken senken

Neben der emotionalen Rendite, mit seinem Investment etwas Gutes zu tun, und dabei auch noch an interessanten Renditechancen zu partizipieren, dürfte es in der Beratungspraxis auch ein wichtiges Argument für die Anleger sein, dass sie mit nachhaltigen Investments das Risiko in ihrem Portfolio reduzieren können.

Je mehr das Thema Klimaschutz in das Interesse der Öffentlichkeit rückt, desto größer wird beispielsweise die Gefahr von „Stranded assets“ („gestrandete Vermögenswerte“), die durch die Begrenzung der Förderung fossiler Reserven im Zuge der Erreichung der UN-Klimaziele entstehen können.

Denn um die CO2-Emissionen in die Atmosphäre zu verringern, müssen Unternehmen in der EU für den Ausstoß von Kohlendioxid CO2-Zertifikate erwerben. Im Sinne der Klimaziele werden diese nach und nach verknappt und verteuert.

Ein im April 2018 von dem Londoner Think Tank „Carbon Trackers“ veröffentlichter Bericht prognostiziert, dass sich die CO2-Preise in der EU bis 2021 verdoppeln, bis 2030 sogar vervierfachen werden. Unternehmen, die fossile Brennstoffe anbieten oder verbrauchen, müssen deshalb ihre Geschäftsmodelle überdenken.

Große Investoren reagieren bereits auf „Carbon Bubble“

Für Anleger ergibt sich damit die Gefahr einer „Carbon Bubble“, also einer nicht mehr den Risiken angemessenen Bewertung von Unternehmen, die fossile Brennstoffe herstellen oder verkaufen. Große Investoren, wie etwa der Norwegische Pensionsfonds, der ein Vermögen von rund 895 Milliarden Euro verwaltet, haben bereits Konsequenzen gezogen und ihre Beteiligungen an Kohleunternehmen abgestoßen.

Weitere institutionelle Investoren, wie etwa die Versicherer Allianz und Axa, sind dem Beispiel eines „Divestments“ gefolgt. Aber auch Privatanleger sind gut beraten, ihr Wertpapierdepot einem Check zu unterziehen und gegebenenfalls umzustellen – zum Wohle des eigenen Gewissens, der Portfoliooptimierung und der Umwelt.

[Der Autor, Steffen Merker, ist Leiter Nachhaltige Investments und Fondsmanager bei der LBBW Asset Management.]