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| KfW-Mittelstandsbarometer

KfW sieht Konjunktur im Niemandsland

Die deutsche Wirtschaft sei zwar einer technischen Rezession entgangen, eine neue Richtung sei aber derzeit nicht erkennbar, teilt die KfW mit.

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Der zentrale Indikator des KfW-ifo-Mittelstandsbarometers ist im November nur um „nahezu vernachlässigbare“ 0,3 Zähler auf 0,1 Saldenpunkte gestiegen, teilt die staatliche Förderbank KfW mit. Eine konjunkturelle Richtung sei bei weiterhin durchschnittlichem Geschäftsklima nicht erkennbar.

Die Urteile zur aktuellen Geschäftslage ziehen dabei um 0,2 Zähler auf 10,0 Saldenpunkte an. Gleichzeitig hellen die Erwartungen um 0,3 Zähler auf, mit nun -9,3 Saldenpunkten dominiere der Pessimismus jedoch weiterhin.

 
Die Verbesserung der Exporterwartungen sei allenfalls ein kleiner Hoffnungsschimmer, sagt die neue KfW-Chefvolkswirtin Friederike Köhler-Geib. © KfW

In den Großunternehmen habe sich die Stimmung im November etwas deutlicher als im Mittelstand verbessert. Alles in allem ziehe deren Geschäftsklima auf -10,9 Saldenpunkte an, 1,1 Zähler mehr als im Vormonat.

Die Stimmung in den großen Unternehmen falle damit nicht mehr ganz so trübe aus, bleibe jedoch klar unterdurchschnittlich und auch weit hinter dem mittelständischen Pendant zurück. Laut KfW stehen dahinter, bei gleichermaßen pessimistischen Erwartungen, im Wesentlichen deutliche Unterschiede bei den Urteilen zur aktuellen Geschäftslage.

Gespaltene Wirtschaftsentwicklung noch nicht überwunden

Die exportorientierten großen Unternehmen bewerten ihre Geschäftslage angesichts des schwierigen außenwirtschaftlichen Umfelds mehrheitlich negativ. Dagegen geben die binnenwirtschaftlich ausgerichteten Mittelständler vor dem Hintergrund der soliden Inlandsnachfrage mehrheitlich positive Geschäftslageurteile zu Protokoll.

Diese gespaltene Wirtschaftsentwicklung sei noch längst nicht überwunden. Die jüngste Verbesserung der industriellen Exporterwartungen sei in diesem Zusammenhang allenfalls ein kleiner Hoffnungsschimmer, der laut der neuen KfW-Chefvolkswirtin Friederike Köhler-Geib mit Vorsicht zu genießen ist.

KfW-Chefvolkswirtin rechnet mit geringem Wirtschaftswachstum

„Hier dürfte nicht nur die zuletzt spürbar gesunkene Wahrscheinlichkeit eines harten Brexit eine Rolle gespielt haben, sondern auch die in Aussicht gestellte erste Teileinigung im US-chinesischen Handelsstreit“, sagt Köhler-Geib.

Inwieweit die Entspannung dauerhaft trage, bleibe jedoch abzuwarten angesichts der Unberechenbarkeit der derzeitigen US-Administration und der vielen nach wie vor ungelösten Fragen im künftigen Verhältnis der EU zum Vereinigten Königreich.

Köhler-Geib rechnet damit, dass die deutsche Wirtschaft 2019 um 0,5 Prozent und 2020 um 0,9 Prozent wachsen werde. Dabei sei die Wachstumsbeschleunigung im kommenden Jahr allein dem Produktionsplus aus vier zusätzlichen Arbeitstagen zu verdanken und bedeute deshalb noch keine echte Erholung der Konjunktur.