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| LBBW-Kommentar

Notenbanken adé!

Aktuelle Entwicklungen könnten dazu führen, dass Zentralbanken künftig nicht mehr benötigt werden. So zumindest lautet eine Einschätzung von LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert.

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Kommende Woche findet die alljährliche EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra zum Thema „20 Jahre EWU statt“. Allerdings werde es dort mehr um die Zukunft der Notenbanken gehen, mutmaßt LBBW-Chefökonom Burkert. Und die könnte düster aussehen. Unter Fachleuten werde derzeit eine Abkehr von Inflationszielen diskutiert, heißt es. "Im Schwange sind Überlegungen, dass eine Notenbank am Preisindex orientieren sollte", erklärt Burkert in seinem aktuellen Kommentar "Burkerts Blick".

Auf Phasen niedriger Inflation würden in diesem Fall Phasen hoher Inflation folgen, um einen Ausgleich zu schaffen. Die Leitzinsen müssten zunächst nicht gesenkt, später nicht erhöht werden. Für unerwartete Schwächephasen der Konjunktur durch exogene Schocks gewönnen die Notenbanken zudem Zinssenkungsspielraum, der im Notfall einzusetzen wäre, meint der Volkswirt.

 
Die EZB in Schieflage? Zumindest bräuchte es die Notenbanken in ihrer heutigen Funktion künftig nicht mehr, mutmaßt LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert. © dpa

Die Notenbanken ziehen allerdings ihre Existenzberechtigung aus dem Eindämmen inflationärer Tendenzen bei der "Kreditgeldschöpfung der Geschäftsbanken", sagt Burkert. Heute zeige sich, dass selbst mit extremer Liquiditätsbereitstellung die Inflation ausbleibe. Die 19+1 Notenbanken des Eurosystems könnten damit überflüssig werden.

Geschäftsbanken und große Internetkonzerne könnten eigenes Geld entwickeln, Kryptowährungen würden an Bedeutung gewinnen und für die Rolle des Staates wäre nicht mehr eine aufwendige Zentralbank nötig. Es dürfte reichen eine Art Tüv für Mindeststandards zu etablieren und zusätzlich auf den Verbraucherschutz zu setzen, meint Burkert. Der Markt wäre bei der Geldschöpfung effizienter als das aktuelle Notenbanksystem, prognostiziert der Ökonom. Die für Kunden nützlichsten Zahlungsmittel würden sich am Ende durchsetzen.