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| IW Köln

Rezessionsgefahr steigt

Zum Jahreswechsel steht die deutsche Industrie so schlecht da wie lange nicht, schreibt das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln. Eine branchenübergreifende Rezession sei nicht auszuschließen.

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Seit dem Frühjahr 2019 trete die deutsche Wirtschaft auf der Stelle, schreibt das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln (IW). Dies schlage sich auch in der Lagebewertung der Verbände nieder, die an der aktuellen Umfrage des Instituts teilgenommen haben.

Von den 48 befragten Wirtschaftsverbänden berichten 32, dass die geschäftliche Situation ihrer Mitgliedsunternehmen zur Jahreswende 2019/2020 schlechter ist als vor einem Jahr. Eingetrübt habe sich die Stimmung vor allem in den großen Industriesparten, was unter anderem auf die globalen protektionistischen Tendenzen und technologische Herausforderungen zurückzuführen sei.

 
Die Automobilindustrie rechnet zumindest nicht mehr mit einem Produktionsrückgang. Vor allem der Bau von E-Autos (wie hier bei VW) wird wohl künftig über den Erfolg der Branche entscheiden. © dpa

Mit dem Jahreswechsel verbinden sich aber offenbar wieder zaghafte Hoffnungen auf bessere Zeiten in Sachen Konjunktur, schreibt das IW weiter. Immerhin 19 Wirtschaftsverbände gingen davon aus, dass ihre Unternehmen 2020 eine etwas höhere Produktionsleistung erreichen als 2019 – nur zwölf erwarten einen leichten Produktionsrückgang.

Positive Nachrichten vor allem vom Bau und Handwerk

Zuversichtlich ins neue Jahr gehen unter anderem die Bauindustrie, das Handwerk sowie viele Dienstleistungssparten. In der Automobil-, der Chemie- und der Elektroindustrie dürfte sich zumindest der Produktionsrückgang nicht weiter fortsetzen, so das IW. Mit einer nach wie vor sinkenden Fertigung rechnen dagegen der Maschinenbau sowie die Stahl- und Metallverarbeitung. Diese Erwartung hänge auch mit den zurückhaltenden Investitionsplänen vieler Unternehmen in Deutschland zusammen, meinen die Wirtschaftsforscher.

Nur noch 13 der 48 vom IW befragten Verbände rechnen damit, dass ihre Mitgliedsfirmen im neuen Jahr mehr investieren werden als 2019, aber 14 befürchten einen Rückgang. Vor diesem Hintergrund dürfte die Mitarbeiterzahl in den deutschen Unternehmen insgesamt mehr oder weniger stabil bleiben – dieser Ansicht ist die relative Mehrheit von 22 Verbänden.

Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die Weltwirtschaft nicht noch weiter in Schieflage gerät und der Industrie in Deutschland keine übermäßigen strukturellen Anpassungslasten – zum Beispiel durch die Energiepolitik – aufgebürdet werden.