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Warnung vor digitalem Euro

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann warnt davor, als Reaktion auf die Libra-Pläne des US-Internetkonzerns Facebook übereilt einen digitalen Euro einzuführen.

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Zunächst sollten die Banken ihren Zahlungsverkehr schneller und auch günstiger gestalten, sagte Weidmann dem „Handelsblatt“ in einem Interview. „Ich halte nichts davon, immer gleich nach dem Staat zu rufen. In einer Marktwirtschaft ist es zunächst an den Unternehmen, für Kundenwünsche ein entsprechendes Angebot zu entwickeln.“ Dabei gehe es vor allem um Schnelligkeit und um einfache Handhabung, etwa per Fingerabdruck auf dem Smartphone, aber auch um niedrigere Kosten und um Sicherheit.

 
Demnächst auch Euro aus dem Computer? Bundesbank-Chef Weidmann will das nicht übereilen. © dpa

Facebook hat angekündigt, 2020 eine eigene Cyber-Devise mit dem Namen Libra einzuführen. Mit Libra könnten Geldtransfers über Ländergrenzen hinweg wesentlich schneller und günstiger werden. Experten trauen Facebook zu, mit der Cyberdevise das globale Finanzsystem durcheinanderzuwirbeln. Als Reaktion auf die Pläne des weltgrößten Internet-Netzwerks mit seinen rund 2,5 Milliarden Nutzern sprach sich der deutsche Einzelhandel kürzlich für die Einführung eines digitalen Euro aus. EZB-Chefin Christine Lagarde forderte im Dezember, Notenbanken sollten bei der Entwicklung vorneweg gehen.

Weidmann zufolge geht es zunächst darum, die positiven und negativen Seiten von digitalem Zentralbankgeld zu verstehen. „Dann kann entschieden werden, ob es gebraucht wird und sich die Risiken beherrschen lassen.“

Aus Sicht des Bundesbank-Präsidenten kann digitales Zentralbankgeld die Grundlagen des Finanzsystems verändern und es unsicherer machen. „Abhängig von der Ausgestaltung würden die Kunden womöglich in großem Stil von Bankguthaben in digitales Zentralbankgeld umschichten und den Banken eine wichtige Finanzierungsquelle entziehen.“ Auch die Gefahr eines Bankruns in einer Krisensituation könne steigen. (rtr)