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Corona-Krise
Europas Anleger bleiben auf der Hut
Pessimistische Firmenausblicke drücken auf die Stimmung.

Dax und EuroStoxx50 gaben am Donnerstagvormittag (5. März) jeweils anderthalb Prozent nach auf 11.944 beziehungsweise 3364 Punkte. „Wir befürchten, dass die Korrekturen der vergangenen Woche nur der Auftakt zu einer länger anhaltenden Phase erhöhter Volatilität und Unsicherheit an den Börsen waren“, sagte Thomas Völker, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Moneyfarm.

Die jüngste Zinssenkung in den USA sowie milliardenschwere Konjunkturprogramme unter anderem in Italien und China rückten in den Hintergrund.

„Die Weltwirtschaft hängt derzeit am Tropf“, sagte Timo Emden vom gleichnamigen Analysehaus. Der Markt erwarte entschlossene Maßnahmen, eine weitere Lockerung der Geldpolitik liege auf der Hand. „Dennoch bleibt die Erkenntnis bestehen, dass geldpolitische Werkzeuge keinen Impfstoff gegen Corona ersetzen können.“

Der Euro profitierte von der Entscheidung der US-Notenbank (Fed) vom Dienstag, den Leitzins um einen halben Prozentpunkt zu senken, und legte 0,3 Prozent zu auf 1,1166 Dollar. Analysten verwiesen darauf, dass die Fed in ihrem Konjunkturbericht (Beige Book) den Virus 48 Mal erwähnt habe.

Das habe wohl eine wichtige Rolle gespielt bei der Entscheidung, den Leitzins schon vor dem regulären Zinsentscheid herabzusetzen, sagte Olle Holmgren, Chefstratege bei der Bank SEB.

 

Einstiegschancen für mittelfristig orientierte Anleger

Für mittelfristig orientierte Anleger böten die derzeitigen Kursrückgänge die Gelegenheit, wieder Positionen aufzubauen, hatte die die Helaba mitgeteilt. „Es ist verlockend anzunehmen, dass mit dem wärmeren Wetter und der abnehmenden Virus-Angst die Märkte zur Normalität zurückkehren“, sagte Mark Dowding, Chefinvestor bei der Fondsgesellschaft BlueBay.

„Die Panik kann noch für einige Zeit anhalten, aber das Comeback der Wirtschaft könnte stark ausfallen, wenn genau mit dem Frühling auch die unterstützenden Maßnahmen der Politik greifen.“

Deka warnt vor Hektik

Vor hektischen Verkäufen warnt die Deka: Für Privatanleger mit einem Horizont von zehn Jahren und mehr seien „solche Episoden an der Börse vollkommen bedeutungslos“, sagte Chefvolkswirt Ulrich Kater gegenüber sparkasse.de. „Wer hier hektisch reagiert, läuft Gefahr, dass die Börse das Thema bereits wieder überwunden hat.“

 

Einige Unternehmen profitieren von Gesundheitskrise

Stärkster Wert im Dax waren die Merck-Aktien mit einem Plus von bis zu 6,1 Prozent, das ist der größte Kurssprung seit fast zwei Jahren. Das Unternehmen will nach einem kräftigen Umsatz- und Ergebnisplus im vergangenen Jahr weiter zulegen. Analyst Volker Braun vom Bankhaus Lampe lobte, dass Merck beim Ausblick die möglichen Beeinträchtigungen durch die Coronavirus-Epidemie berücksichtigt habe.

(rtr, DSZ)

 

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28. Februar 2020