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Investmentfonds
Nachhaltigkeit ist in der Krise Trumpf
Grüne Fonds kommen besser durch die Coronakrise, zeigt eine Studie. Zwei Fondsmanager erläutern, warum der Trend zur Nachhaltigkeit bei Anlegern und Beratern sich auch in der Rendite niederschlägt.

Deutlich weniger Verluste haben nachhaltige Fonds mit globaler Ausrichtung im ersten Quartal 2020 hinnehmen müssen als die entsprechenden konventionellen Investmentprodukte. Dies ist das Resultat der Berliner Rating-Agentur Scope. Sie hat in einer Kurzstudie Daten von Märkten und Fonds für die ersten drei Monate ausgewertet.

„Alle nachhaltigen Aktienfondskategorien haben im ersten Quartal 2020 durchschnittlich deutlich weniger an Wert verloren als ihre konventionellen Pendants“, heißt es darin. Am deutlichsten war die Outperformance bei Aktien Europa, wo nachhaltige Fonds 240 Basispunkte vor den konventionellen Produkten lagen.

Risiken werden besser vermieden

Das Urteil trifft auch für die Deka zu. Der Deka Nachhaltigkeit Aktien habe eine deutliche Outperformance in diesem Jahr erzielen können, erklärt Ingo Speich der SparkassenZeitung. Der Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance beim Wertpapierhaus der Sparkassen hatte hier bereits im Juli letzten Jahres erläutert, dass Umwelt- und Klimarisiken von den Unternehmen stärker beachtet werden müssen.

Es gibt auch nicht-finanzielle Aspekte bei der Anlage in Nachhaltigkeitsfonds, so Deka-Experte Ingo Speich. Gerade in Krisenzeiten mit hohen Schwankungen ein wichtiger Aspekt fürs Beratungsgespräch.

Dies seien nun auch die Gründe für den Erfolg der Nachhaltigkeitsfonds in der Krise. „Ereignis-, Klage-, Regulierungs- und Reputationsrisiken können messbar und damit vermeidbar werden“, so Speich. Eine breitere Sicht inklusive der Nachhaltigkeitsanalyse auf das Anlageuniversum helfe zusätzlich, Trends früher zu erkennen und diese im Portfolio abzubilden.

Portfolio auf Zukunft ausgerichtet

Nachhaltige Aktienfonds seien häufig relativ defensiv positioniert, heißt es bei Scope. Sie würden Firmen auswählen, die aufgrund ihres vorteilhaften ESG-Profils bereits heute sehr gut für die Zukunft gerüstet seien. „ESG“ bezieht sich dabei auf die Nachhaltigkeitskriterien „Environment“ (Umwelt), „Social“ und „Governance“.

Diese Qualitätsunternehmen zeichneten sich dadurch aus, dass sie sehr solide Bilanzen, stabile Einnahmen und hohe Gewinnmargen aufweisen. Genau das hebt Alexander Mozer, Investmentchef beim Spezialisten Ökoworld als Anlagegrundsatz vor: „Unser strenger ethisch-ökologischer Kriterienkanon verspricht eine Auswahl sehr gut geführter und zukunftsorientierter Unternehmen“, so Mozer gegenüber der SparkassenZeitung.

Branchenauswahl passt zur Krise

Nachhaltige Aktienfonds würden Aktien in nicht-zyklischen Sektoren wie Gesundheit und Basiskonsum übergewichten, schreibt Scope. Für Mozer führt das zu unerwarteten Performancebeiträgen ausgerechnet aus den krisenbelasteten Ländern Spanien und Italien.

„In Italien sind wir beispielsweise in Diasorin, ein Unternehmen, das unter anderem Tests für das Coronavirus herstellt, engagiert“, sagt Mozer. „In Spanien in einen Spezialisten für Blutplasmaprodukte – Grifols.“ Ein auf Tele- und Digitalmedizin spezialisiertes Unternehmen, Teladoc, gehört zu den Top-Ten-Positionen des Ökovision Classic.

Aktives Management zahlt sich aus

Stockpicking sei Trumpf, betonen die Fondsmanager von Nachhaltigkeitsfonds und die Zahlen der Scope-Studie bestätigen das. In den Kategorien „Welt“, „Europa“ und „Schwellenländer“ hielten sich nachhaltige Aktienfonds mit aktivem Management im ersten Quartal 2020 im Durchschnitt besser als entsprechende passive Nachhaltigkeitsprodukte, heißt es dort.

Lediglich im Bereich „Nordamerika“ hatten die passiven Produkte die Nase vorn. Den größten Renditevorteil mit 220 Basispunkten verbuchten aktive nachhaltige globale Aktienfonds. Dennoch geht es bei allen Zahlen um geringere Verluste in der Krise.

Zusatzargument beim Beratungsgespräch in der Krise

Es ist schwer, Anlegern einen Verlust von 20 Prozent bei einem nachhaltigen Europafonds als Erfolg zu verkaufen, nur weil die konventionellen Produkte 23 Prozent Verlust gemacht haben. Dennoch gilt für Berater und Kunden eine andere Ausgangslage beim Gespräch zur Performance.

„Neben den finanziellen Aspekten gibt es auch eine nicht-finanzielle Betrachtung“, sagt Speich. Die Produkte würden auf die Gesellschaft abstrahlen und einen Zusatznutzen bringen. Eine Grundüberzeugung, die gerade bei Langfristanlegern nützlich in Krisenzeiten sein kann.

Alexander Mozer: „Der Umbau der Wirtschaft zu mehr Ökologie und Ethik wird auch durch ein Virus nicht aufgehalten.“

„Wir blicken aktuell in viele sehr glückliche Anlegeraugen – trotz des erzielten Minus“, sagt etwa Mozer. Die Anleger seien in Krisen oft noch mehr überzeugt von ihrer Entscheidung. Zudem habe der April wieder einiges wettgemacht, sodass die Quartalsperspektive nicht mehr derart ins Gewicht falle. Der Ökovision Classic weist zu Ende April eine Viermonatsbilanz von minus zwei Prozent aus.

Nachhaltigkeit in Zeiten der Wirtschaftskrise

Der kommende Konjunktureinbruch würde keineswegs dazu führen, dass Nachhaltigkeit ein Luxusgut werde, so Speich. „Der Klimawandel wird nicht abgesagt“, so der Deka-Experte. „Der Druck im Hinblick auf die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in die Kapitalanlage wird aufgrund der Rahmenbedingungen eher zu als abnehmen.“

Zudem werde die Regulierung im Privatkundenbereich mit dem Geeignetheitstest in 2021 greifen, fügt er hinzu. „Nachhaltigkeit wird noch stärker als bisher an Beachtung finden“, prognostiziert Speich. Dies gelte auch für den Anleihebereich.

Die früher oft fälschlich angenommene Aussage „Nachhaltigkeit kostet Geld“ habe sich umgedreht, sagt Mozer. „Viele Unternehmenslenker haben verstanden, dass eine zukunftsfähige Ausrichtung der Unternehmensaktivitäten unter ethischen und ökologischen Gesichtspunkten den Unternehmenswert langfristig steigert.“ Der Umbau der Wirtschaft hin zu mehr Ökologie und Ethik werde nicht durch ein Virus aufgehalten.

Thomas Rosenhain
– 6. Mai 2020