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15. März 2017 - 08:30Engagement

Förderung mit Philosophie

von Silvia Besner

Ingrid Pahlmann (CDU), Svenja Stadler (SPD), Kordula Schulz-Asche (Bündnis 90/Die Grünen) und Rosemarie Hein (Die Linke) loben zusammen mit Sparkassen und Kommunen den Deutschen Bürgerpreis aus, den wichtigsten Ehrenamtspreis der Republik. Wir sprachen mit den vier Bundestagsabgeordneten am Runden Tisch über die Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements, Anerkennungskultur – und wie Sparkassen noch besser helfen können.

Am Runden Tisch (von links): Rosemarie Hein (Die Linke), Kordula Schulz-Asche (Bündnis 90/Die Grünen), Ingrid Pahlmann (CDU) und Svenja Stadler (SPD). Die vier Bundestagsabgeordneten sind Teil der Initiative "für mich. für uns. für alle". Der Zusammenschluss aus Sparkassen, Landkreistag, Städte- und Gemeindebund sowie engagierten Politikern verleiht mit dem Deutschen Bürgerpreis den wichtigsten Ehrenamtspreis der Republik. (alle Fotos: Christoph Becker)

DSZ: Frau Stadler, Frau Pahlmann, Frau Schulz-Asche, Frau Hein, auf der Homepage des Deutschen Bürgerpreises steht, dass 31 Millionen Deutsche ein Ehrenamt ausüben. Was machen Sie?
Svenja Stadler: Die Zeit nehme ich mir. Ich bin neben der Arbeit im Kreistag – ein politisches Ehrenamt – im Elternverein und sorge dort dafür, dass die Grundschulbücherei in der Pause geöffnet hat. Außerdem bin ich im Deutschen Roten Kreuz aktiv. Meine Ämter bei den Landfrauen und im Mühlenverein müssen derzeit ruhen.

Ingrid Pahlmann: Auch ich bin noch kommunalpolitisch tätig, ich halte die Anknüpfung an die Kommunalpolitik für uns Bundespolitiker auch für sehr wichtig. Bis vor kurzem war ich auch Schöffin im Landwirtschaftsgericht. Jahrzehntelang hatte ich bei den Landfrauen verschiedene Funktionen inne, auch die ganze Liga der Elternbeiräte liegt hinter mir.
Kordula Schulz-Asche: Als Politikerin einer kleineren Fraktion habe ich ein größeres Zeitproblem, weil mehrere Themen gleichzeitig bedient werden müssen. Ich war allerdings viele Jahre ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende eines Drogenhilfevereins, den ich durch wilde Phasen geführt habe. Ansonsten unterstütze ich viele Vereine, die eine gute Arbeit machen, mit meinem Mitglieds-beitrag. Meinem Schwimmverein, den Wasserfreunden Spandau 04, halte ich seit 1958 die Treue.
Rosemarie Hein: Auch mir lässt das Bundestagsmandat wenig freie Zeit. Das hat dazu geführt, dass ich zwei meiner Ehrenämter schweren Herzens habe aufgeben müssen. Neben der Parteiarbeit als Landesvorsitzende war ich zehn Jahre lang Stadträtin und habe im Präsidium des Jugendweihevereins mitgearbeitet. Ich bin zudem Mitglied in verschiedenen Vereinen, weil ich es wichtig finde, zu den Vereinen vor Ort Kontakt zu halten. Da ergeben sich Gespräche und Anknüpfungspunkte, von denen man als Politiker auch profitiert.
Das Ehrenamt belohnt mit Freude und Kontakten, sagt Ingrid Pahlmann.

DSZ: Warum hat man ein Ehrenamt? Ist das moralische Verpflichtung oder ein netter Zeitvertreib?
Pahlmann: Ein Ehrenamt macht man sicherlich für die Gemeinschaft, aber man macht es zu einem großen Teil auch für sich selbst. Zum Beispiel lernt man unheimlich viel dabei: Man trifft Menschen verschiedenster Art, unterschiedlichen Alters und aus allen möglichen Berufen. Man lernt Strukturen kennen und bekommt Querverbindungen, die zu einem breiten Netz werden können. Ehrenamt befriedigt ungemein. Man macht es nicht, um moralisch toll dazustehen. Sondern einfach, weil man Interesse an einem bestimmten Thema hat. Und dann merkt man, dass man da viel Freude mitnehmen kann.

Schulz-Asche: Die Flüchtlingskrise hat vielen Leuten, die sich vorher nicht ehrenamtlich engagiert hatten, plötzlich einen Ansatzpunkt gegeben, wo sie helfen konnten. Da haben sie gesehen: Sie werden gebraucht, und sie bekommen Dankbarkeit zurück. Man entwickelt sich im Ehrenamt wirklich weiter. Durch die Tätigkeit als Vorstandsvorsitzende im Drogenhilfeverein habe ich auch gemerkt, wo meine Schwächen sind. Daraufhin habe ich Kurse besucht, um mich besser einzuarbeiten und etwa Bilanzen lesen zu können. Man hat also selbst ganz konkret einen Qualifikationseffekt, den man nicht unterschätzen sollte.

DSZ: Wie hat sich das Ehrenamt verändert? War man früher jahrzehntelang Vereinskassier, engagiert man sich heute stärker projektbezogen?
Hein: Wir beobachten schon die Tendenz, dass Ämter - also richtige Führungsaufgaben oder Mandate - heute viel schwieriger zu besetzen sind als früher. Ich glaube, dass viele Menschen gern mehr tun würden, aber ihnen schlichtweg die Zeit fehlt. Deswegen müssen wir uns überlegen, wie wir Ehrenamt in dieser Gesellschaft verankern. Und wie wir die gesamte Arbeitswelt verändern, damit Ehrenamt auch möglich ist.

Wird die Arbeitslast besser verteilt, gibt es mehr Engagement

DSZ: Wie müsste sich die Situation verändern?
Hein: Heute ist es so: Wer Arbeit hat, hat so viel, dass er nicht mehr oben rauskucken kann. Und wer keine hat, ist sehr oft auch nicht engagiert, weil er verunsichert ist und sich gar nicht mehr gebraucht fühlt. Wenn man es also schaffen würde, die Arbeit auf mehr Köpfe zu verteilen, hätte jeder auch wieder Zeit, sich mehr zu engagieren. Erhebungen zeigen: Menschen engagieren sich mehr, wenn sie erwerbstätig sind, als wenn sie nicht erwerbstätig sind. Erwerbsarbeit ist also kein Hinderungsgrund, mangelnde Freizeit dagegen schon.
Stadler: Und wir müssen dafür sorgen, dass diejenigen, die sich engagieren wollen, nicht noch Geld mitbringen müssen. Es kann nicht sein, dass jemand, der wenig oder gar nichts verdient, auch noch von einem bürgerschaftlichen Engagement ausgeschlossen ist, weil er es sich nicht leisten kann.
Pahlmann: Arbeitslose finden den Kontakt oft gar nicht erst. Vielleicht gibt es da Hemmschwellen, die wir abbauen müssen. Grundsätzlich muss man aber sehen, dass wir in Deutschland steigende Engagementquoten haben. Ich glaube, dass wir eine Gesellschaft sind, die gut aufgestellt ist und den Willen zum Engagement hat. Die Art des Engagements aber ändert sich, weil sich das Leben insgesamt ändert. Schauen Sie sich eine Familie an: Die Kinder sind bis nachmittags in der Schule, beide Elternteile arbeiten. Da muss die gemeinsame Zeit schon gut getaktet werden. Bürger können also nicht mehr zweimal pro Woche für einen Verein oder ein Projekt tätig werden, sondern vielleicht nur noch zweimal pro Monat. Auf diese neuen Gegebenheiten in unserer Gesellschaft muss die Organisation des Ehrenamts eingehen.
Svenja Stadler betont, wie wichtig öffentliche Anerkennung für die ehrenamtlich Engagierten ist.

Stadler: Und dazu muss die Wertschätzung kommen. Wie häufig haben wir den Fall, dass diejenigen, die ehrenamtlich engagiert sind, zu wenig Anerkennung erhalten. Deshalb bin ich froh über den Deutschen Bürgerpreis als eine Möglichkeit der öffentlichen Auszeichnung.

Pahlmann: Anerkennungskultur ist ganz wichtig: Preise, die ausgelobt werden, ein Empfang in der Kommune, ein Zeitungsartikel.

Schulz-Asche: Gut wäre auch, wenn Arbeitgeber das Ehrenamt von Mitarbeitern stärker anerkennen würden. Denn erstens sind Mitarbeiter meist entspannter, wenn sie noch Interessen neben ihrer Arbeit verfolgen. Und zweitens ist es für den Arbeitgeber interessant, Fürsprecher außerhalb des Unternehmens zu haben. Es ist in der Kommunalpolitik ein großes Problem, dass Leute mit einem normalen Arbeitsvertrag zwar das Recht haben, sich freistellen zu lassen, aber sie es erst mit ihrem Arbeitgeber aushandeln müssen. Selbstständige und Beamte haben es da viel leichter. Deshalb glaube ich, dass Arbeitgeber ein Freizeitengagement fürs Gemeinwesen anders bewerten sollten – nicht zuletzt als Zusatzqualifikation.

DSZ: Ist Deutschland eigentlich angewiesen auf das Engagement seiner Bürger? Ersetzen die vielen Ehrenamtlichen nicht häufig den Sozialstaat?
Stadler: Ich bin da ganz deutlich: Hätten wir die ganzen Engagierten nicht gehabt, während die vielen Schutzsuchenden nach Deutschland gekommen sind, hätte der Staat versagt. Nur durch die Ehrenamtlichen ist es uns gelungen, das System aufrechtzuerhalten.
Pahlmann: Es stimmt, dass wir ohne das Engagement der Bürger die Flüchtlinge so nicht hätten versorgen können. Das zeigt mir aber nicht, dass unser Staat versagt hat, sondern dass er funktioniert. Unser Gemeinwohl funktioniert. Unsere Gesellschaft ist füreinander da. Die Menschen identifizieren sich mit dem Staat und schauen nicht nur egoistisch auf sich. Man kann als Staat gar nicht so viel Manpower vorhalten für so eine außergewöhnliche Situation, wie wir sie erlebt haben. In anderen Bereich, etwa bei den Freiwilligendiensten und in der Pflege, müssen wir allerdings aufpassen, dass Ehrenamt nicht in Erwerbsarbeit ausartet.

Ehrenamt darf nicht die öffentlichte Daseinsvorsorge ersetzen

Hein: Auch ich würde unterscheiden. Das eine sind Notsituationen: Bei einer Hochwasserkatastrophe sind alle da und helfen. Da finde ich es auch in Ordnung, wenn man sagt: Ohne die Ehrenamtlichen hätte es nicht funktioniert. Das andere aber ist der Alltag. Und da haben wir schon den Trend, dass bestimmte Bereiche, die eigentlich zur öffentlichen Daseinsvorsorge gehören – wie die Pflege, aber auch Kultur und Sport – zunehmend durch Ehrenamtliche am Leben gehalten werden. Damit tut man dem Ehrenamt keinen Gefallen, und damit tut man der öffentlichen Daseinsvorsorge keinen Gefallen. Hier muss es ein Umdenken geben.
Schulz-Asche: Der Bereich der Pflege ist ein gutes Beispiel. Hier besteht die Gefahr, dass Ehrenamt gegen Erwerbsarbeit ausgespielt wird. Wo vermutet wird, dass Ehrenamtliche Professionelle ersetzen können, werden Löhne leiden und im schlimmsten Fall Arbeitsplätze vernichtet. Da muss man sehr genau hinschauen. Alles, was notwendige Daseinsvorsorge ist, muss von professionellen Kräften erbracht werden und finanziert werden. Dazu gehört auch die Anleitung von Angehörigen, die Ehemann oder Mutter pflegen helfen. Letzteres ist aus meiner Sicht auch kein bürgerschaftliches Engagement. Die Angehörigen machen das nicht freiwillig, und sie können nicht jederzeit damit aufhören. Anders als Menschen, die sich bereit erklären, ins Pflegeheim zu gehen, sich neben ein Bett zu setzen und eine Hand zu halten, zuzuhören oder vorzulesen. Solche Menschen brauchen wir millionenfach. Sie sollten aber nicht auch noch Bettpfannen säubern oder im Stationsalltag mitarbeiten müssen. Ehrenamt hat einen eigenen Wert, den muss man hochhalten. Er ist etwas Selbstbestätigendes und Selbstbestimmtes.
DSZ: Das Geschäftsmodell der Sparkassen ist nicht die Gewinnmaximierung, sondern die Orientierung am Gemeinwohl. Die Sparkassen-Finanzgruppe ist auch der größte nichtstaatliche Förderer von Kultur und Sport. Machen Sparkassen also alles richtig?
Hein: Ich halte von den gemeinwohlorientierten und genossenschaftlich organisierten Kreditinstituten in Deutschland viel und sehe sie auch nicht als Auslaufmodell.
Kordula Schulz-Asche wünscht sich eine längerfristige Förderung, von Sportlern, Projekten oder auch Ehrenämtlern mit geringerem Einkommen.

Schulz-Asche: Das Einzige, was man an der Förderung kritisch anmerken könnte: Mir wäre es lieber, wenn Sparkassen nicht nur Einzelprojekte einmalig förderten, dokumentiert im berühmten Bild der Scheckübergabe. Sondern wenn sie eine längerfristige Engagementförderung in den Fokus nähmen, also beispielsweise junge Menschen, Arbeitslose oder Geringverdiener unterstützen, wenn diese sich ehrenamtlich engagieren.

Pahlmann: Das eine sollte das andere nicht ausschließen. Die vielfältige Unterstützung kleiner Projekte, die oft als "Gießkannenprinzip" bezeichnet wird, hat ihre Berechtigung. Die Sparkassen mit ihrer regionalen Anbindung wissen eben oft auch in kleinen Orten, wo gerade Bedarf ist. Das kann bei einer Sparkasse, die 300 Kilometer entfernt ist, ja schon wieder ganz anders sein. Daneben kann man bundesweit einheitliche, längerfristige Projekte unterstützen.

DSZ: … wie etwa die deutsche Olympiamannschaft. Ist das ein Projekt, das zu den Sparkassen passt, oder ist das schon eine Nummer zu groß?
Pahlmann: Gerade bei den Olympioniken gibt es viele Sparten, die nicht gut gefördert sind und immer Geldprobleme haben. Wenn man bedenkt, was Nachwuchstalente leisten und worauf sie verzichten müssen, dann finde ich eine Unterstützung auf jeden Fall angemessen.

Schulz-Asche: Die Sparkassen-Finanzgruppe unterstützt ja vom Breitensport bis zum Spitzensport das ganze Spektrum. Sportler hier auch längerfristig auf ihrem Weg zu begleiten, halte ich für unbedingt notwendig.

Es geht nicht darum, bei einer prestigeträchtigen Sache dabei zu sein

Hein: Mir ist nur wichtig, dass es nicht darum gehen sollte, bei irgendeiner prestigeträchtigen Sache dabei zu sein. Sondern zu unterstützen, wo wirklich Geld fehlt. Und da ist es mir egal, ob das ganz unten ist oder ganz oben, ob dauerhaft oder punktuell. Es kann allerdings nicht alles durch Sponsoring geleistet werden. Eine ordentliche staatliche Sportförderung ist in jedem Fall vorzuziehen.
Schulz-Asche: Mir fällt ein schönes Beispiel ein: Bei den Wasserfreunden Spandau 04 haben wir zwei Flüchtlingsmädchen aus Syrien aufgenommen, die beide sehr gut im Schwimmen sind. Eines der Mädchen ist vergangenes Jahr zu den Olympischen Spielen nach Rio mitgefahren und hat in der Flüchtlingsmannschaft an den Wettkämpfen teilgenommen. Solche Projekte zeigen, wie notwendig es unter Umständen auch mal ist, über einen längeren Zeitraum eine Sportlerkarriere zu unterstützen, weil er oder sie es sonst gar nicht schaffen würde. Ich fände es sehr gut, wenn Sparkassen bei ihrer Sportförderung auch den sozialen Aspekt berücksichtigten.
DSZ: Wissen Kunden und die Öffentlichkeit überhaupt von Förderengagement und Gemeinwohlorientierung der Sparkassen?
Stadler: Sicher wissen das viele nicht. Ich wünschte mir, dass bei Neujahrsempfängen der Sparkassen, bei Ansprachen oder auch im Bilanzbericht nicht als selbstverständlich vorausgesetzt wird, dass jeder weiß, was für ein breites Feld die Sparkasse bedient und auf welchen Säulen sie fußt. Denn das muss immer wieder gesagt werden. Erst wenn man es 500-mal wiederholt hat, hat es der Empfänger auch verstanden.
Pahlmann: Ich habe den Eindruck, dass die Öffentlichkeitsarbeit der Sparkassen in den vergangenen Jahren besser geworden ist. Wir haben in unserer Kleinstadt relativ viele Projekte, die wir ganz genau zuordnen können: Dies wird von der Sparkasse unterstützt, das wird von der Volksbank unterstützt. Außerdem profitieren wir davon, dass bürgerschaftliches Engagement momentan ein Thema ist.
Schulz-Asche: Also: Wenn ich mit einem Verein nichts zu tun habe und mit der Sparkasse auch nicht, dann sehe ich vielleicht mal das Bild einer Scheckübergabe in der Zeitung. Aber das tangiert mich dann als Außenstehenden nicht.
Hein: Ich kann das nicht nachvollziehen. Bei uns ist die Sparkasse lokal immer gut präsent gewesen. Sie hat zwei Riesenvorteile: erstens die Präsenz mit dem immerhin gelegentlich geöffneten Schalter, wo man auch mal mit einem Mitarbeiter ins Gespräch kommen kann - was andere Banken ja nicht mehr haben. Und zweitens bekommt bei uns jede Aktivität der Sparkasse eine Reflexion in der Lokalpresse und in den kleinen kostenlosen Zeitungen.

Sparkassen müssen ihre besondere Rolle stärker bekannt machen

Stadler: Es stimmt: Was die Sparkasse bei uns vor Ort tut, das weiß man. Aber warum sie das tut, das wissen die wenigsten. Viele sagen: "Na klar, die Bank zahlt was, aber die hat ja auch Geld." Das ist aber nicht der Grund. Sparkassen haben ja einen ganz anderen Anspruch, warum sie diese Projekte unterstützen. Diese Philosophie jedoch, die dahintersteckt, die kommt beim Bürger nicht an. Da bleibt wirklich der Wunsch, das in der Öffentlichkeitsarbeit noch mehr nach vorn zu stellen.
Schulz-Asche: In einer Phase, in der wir alle über den Zusammenhalt in der Gesellschaft sprechen, eine Bank zu haben, die sich als Aufgabe setzt, diesen Zusammenhalt zu unterstützen, ist etwas ganz Besonderes. Das gibt es doch in anderen Ländern gar nicht.
DSZ: Über den Spendenscheck hinaus gedacht: Wie können Sparkassen ihre besondere Rolle in der Gesellschaft noch nutzen, um bürgerschaftliches Engagement voranzubringen?
Pahlmann: Eine spannende Aufgabe, die sie gut übernehmen könnten, ist sicher das Zueinander-Bringen von Akteuren. Die Sparkassen sind gut vernetzt, sie haben die Verbindung zu ihren kommunalen Trägern und zu ihren Kunden, dem regionalen Mittelstand. Sie wissen, welche Akteure auf welchem Feld die richtigen Ansprechpartner sind. Mindestens genauso wichtig, wie den Scheck zu überreichen und so Öffentlichkeit in der Tagespresse zu bekommen, sollte in Zukunft das Netzwerken im Hintergrund sein: das Sponsern von Ehrenamtsabenden etwa, wo Sparkassen als Partner dabei sind und selbst Aufmerksamkeit durch ihre Anerkennungskultur bekommen.
Rosemarie Hein kann sich die Sparkassen gut als Netzwerker zum sozialen Wohl vorstellen.

Hein: Das wäre, genau genommen, eine Form von bürgerschaftlichem Engagement, die Sparkassen da leisten könnten. Es muss nicht immer gleich Geld fließen. Es kann auch darum gehen, Netzwerke zu bilden, Unternehmen auf Projekte aufmerksam zu machen, Probleme gemeinsam lösen zu helfen. Das fände ich wünschenswert und eine schöne Möglichkeit für die Institute, sich noch mehr in der Gesellschaft zu verankern. Ich bin mir aber nicht sicher, ob Sparkassen das leisten können, in Zeiten schmaler Margen und anderer Probleme. Denn dafür braucht man auch hauptamtliche Kräfte.

Schulz-Asche: Eine Vernetzung von Kommunalpolitik, Unternehmen und Verein wäre auch wichtig für die längerfristige Förderung. Man kann ja nicht von der Sparkasse verlangen, dass sie Projekte, die sie einmal ausgezeichnet oder einmalig gefördert hat, dauerhaft fortführt. Aber vielleicht kann sie Partner finden, die sich solch ein Engagement vorstellen könnten. Vielleicht kann sie Kontakte knüpfen zwischen engagierten Bürgern und Menschen in Unternehmen, die ein Projekt finanzieren oder mit Rat und Tat unterstützen können.

Stadler: Ich sehe das auch so. Beim Miteinander-Verbinden oder Netzwerken muss es nicht immer nur um den finanziellen Aspekt gehen. Es gibt ja auch Fachkompetenzen, die man zur Verfügung stellen kann, ob sie jetzt juristisch oder politisch sind, ob es da um das Texten oder das Organisieren von Veranstaltungen geht. Es gibt viele Möglichkeiten des sachlichen Austauschs, die sowohl für den Verein als auch für die Sparkasse und das Unternehmen gewinnbringend sein können. Und zum Teil passiert das auch schon, im Hintergrund.
Pahlmann: Diese Zusammenarbeit dient auch der Kundenbindung. Das ist eine Win-Win-Situation für alle. Für Kommunen, für Unternehmen, für die Bank – und für Engagierte und ihre Projekte.

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