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30. November 2017 - 17:07Charity

"Fragen Sie mal nach einem Jahresabschluss"

von Thomas Rosenhain

In der Adventszeit steigt die Spendenbereitschaft; Spender sollten darauf achten, dass ihr Geld seriösen Organisationen zugute kommt, mahnt der Journalist Stefan Loipfinger.

Loipfinger: Oft sind die kleinen Vereine die bessere Wahl. (privat)
Der renommierte Finanzjournalist hatte vier Jahre lang mit "Charity-Watch" versucht, einen besseren Überblick über die vielfältigen Wohltätigkeitsorganisationen zu geben. Kritische Berichte Loipfingers zogen juristische Extremreaktionen nach sich, wie er sie "im Finanzbereich nie erlebt" habe. Das Aus für "Charity-Watch" war eine Folge. Um besser einschätzen zu können, wie seriös Vereine seien, reiche es oft, nach Geschäftsberichten oder Jahresabschlüssen zu fragen, so Loipfinger. Unseriöse Organisationen verheimlichten diese meist.
DSZ: Herr Loipfinger, Sie haben lange im Bereich der Spendenorganisationen recherchiert und geschrieben. Spenden Sie selbst überhaupt noch?
Stefan Loipfinger: Ja, ich spende privat immer noch. Durch meine Arbeit hat sich mein Spendenverhalten im Vergleich zu früher aber geändert, als ich etwas unbedarfter war. Ich schaue mir heute genau an, wem ich mein Geld anvertraue.
DSZ: Worauf muss man achten, wenn man spenden will, und wie gut ist die Arbeit der Wohltätigkeitsvereine wirklich?
Loipfinger: Es gibt viele gute Organisationen und Vereine, wo die Spenden für gute Arbeit verwendet werden. Das Problem ist, dass die Organisationen, die man meist wahrnimmt, eher die schlechteren sind. Denn diese nimmt man wahr, weil sie viel Geld für Werbung ausgeben. Eigentlich will man ja nicht Geld für Fundraising, sondern für gute Taten spenden. Oft sind die kleineren Organisationen, die weniger aktiv auftreten, besser als diejenigen, die viele Briefe schreiben und aggressiv für sich werben.
DSZ: Wie kann ich als Laie einschätzen, wie seriös die jeweiligen Vereine sind?
Loipfinger: Eine einfache Frage ist, ob die Organisation einen Geschäftsbericht für das Vorjahr vorlegen kann. Allein die Tatsache, ob man einen solchen Bericht erhält – egal, ob man ihn wirklich liest –, hilft enorm weiter. Denn unseriöse Akteure verheimlichen zumeist diese Zahlen.
DSZ: Gibt es ein Siegel für die Qualität im Spendenbereich?
Loipfinger: Es gibt verschiedene Siegel, und eine ganze Reihe davon sind eher Marketinginstrumente, die von der Branche selbst entwickelt wurden. Glaubwürdig ist wohl nur das Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI). Selbst wenn es daran im Detail Verbesserungspotenzial gibt, ist es um Welten besser als andere Siegel.
DSZ: Wie transparent ist die Arbeit der Spendenorganisationen, und kann man das überhaupt verallgemeinern?
Loipfinger: In jedem Fall lässt sich sagen: Je intransparenter eine Organisation ist, desto unseriöser ist sie in der Regel. Wenn ich bei meinen Recherchen früh auf Hürden gestoßen bin, habe ich bei intensiverer Beschäftigung zu der jeweiligen Organisation festgestellt, dass es dafür entsprechende Gründe gab. Aus der Transparenzbereitschaft kann man bereits auf die Qualität der Wohltätigkeitsorganisation schließen. Das ist zwar nur ein erster Indikator, aber durchaus ein aussagekräftiger.
DSZ: Was waren positive und negative Überraschungen aus der Zeit mit dem Projekt "Charity-Watch"?
Loipfinger: Es gibt viele positive Erinnerungen an die gute Arbeit gerade einiger kleiner Vereine. Wenn man sieht, wie dort beispielsweise Tieren oder Kindern geholfen wird, freut einen das sehr. Und das war ja mein Ziel, Geld von unseriösen Anbietern zu seriösen Vereinen und Stiftungen umzulenken. Negativ war der Umgang der weniger seriösen Organisationen mit Kritik. Das habe ich als kritischer Journalist im Finanzbereich in dieser extremen Form noch nie erlebt. Die massenhaften Abmahnungen und rechtlichen Schritte gegen mich zielten direkt darauf ab, meine Recherchearbeit in diesem Bereich zu sabotieren.
DSZ: Inwieweit verändert die Digitalisierung die Branche?
Loipfinger: Da gibt es einen Wandel. Der Spendenbereich wird digitaler. Aber noch wird das meiste Geld über direkte Ansprachen in Fußgängerzonen oder Einkaufszentren akquiriert. Diese professionellen Werber sammeln meist Dauerspenden und Mitgliedschaften. Ebenso wichtig sind die Bettelbriefe, die jetzt vor Weihnachten bei uns in den Briefkästen landen. Dabei wird zudem deutlich, dass Datenschutz in diesem Bereich keine große Rolle spielt. Daten bereitwilliger Spender werden unter den Organisationen mitunter getauscht und von Fundraising-Agenturen intensiv genutzt.
Zu "Charity-Watch":
Der Rosenheimer Journalist und Buchautor Stefan Loipfinger hatte 2008 die Plattform „Charity-Watch" gegründet mit dem erklärten Ziel, für mehr Transparenz im Bereich der Wohltätigkeitsorganisationen zu sorgen. Zweifelhafte Akteure wollte Loipfinger entlarven und damit seriöse Vereine stärken. Klagen und Prozesse der Branche bis hin zu persönlichen Bedrohungen führten schließlich dazu, dass Charity-Watch 2012 seine Arbeit einstellte und Loipfinger sich wieder Finanz- und Fondsthemen widmet. Die Erfahrungen aus dieser Arbeit hat Loipfinger im Buch "Die Spendenmafia" verarbeitet.
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