Anzeige
Anzeige

Exklusiv für Abonnenten

Dieser Beitrag steht exklusiv Abonnenten des SparkassenZeitung Portals zur Verfügung.
Bitte loggen Sie sich hier ein:

Haben Sie Ihr Passwort vergessen oder benötigen Sie ein neues?
Hier anfordern

Weitere Informationen zu Produkten, Bestellmöglichkeiten mit Testzugang, Lizenzprüfung oder FAQs finden Sie im Bereich Abo-Service.
Bei Fragen nehmen Sie gern Kontakt online mit uns auf oder rufen Sie uns an:
Tel.: +49 711 782-1173.

Passwort vergessen

Geben Sie Ihre E-Mail Adresse an und erhalten Sie einen Link um Ihr Passwort zurückzusetzen.

Bitte geben Sie hier Ihre E-Mail-Adresse an, mit der Sie bei uns registriert sind. Nach dem Klicken auf "Absenden" bekommen Sie eine Mail mit dem Link. Klicken Sie den Link an oder kopieren Sie diesen in die Adressleiste Ihres Internetbrowsers. So werden Sie automatisch angemeldet und können Ihr Passwort ändern.

Anzeige
10. Oktober 2018 - 17:24Italien - Kommentar

Jeder sorgt nur für sich

von Thomas Rosenhain

Es braucht mehr Fürsprecher Europas; leider wächst aber die Zahl der Nationalisten.

Rechtmäßigkeit, Ordnung und Zucht suche man in Italien vergebens, klagte schon Johann Wolfgang von Goethe. Das Vorurteil hält sich hartnäckig, wenn über den Mittelmeerstaat geschrieben und gesprochen wird. Die aktuelle Regierung, geprägt von Rechtspopulisten, tut auch alles, um diese Einschätzung zu bestätigen.
Auf Goethes zweiter Italienreise entstand ein Gedicht, in dem es heißt: "Jeder sorgt nur für sich, ist eitel, misstrauet dem andern, und die Meister des Staats sorgen nur wieder für sich." Der Dichterfürst kannte zwar nicht den aktuellen Streit des Landes mit der Europäischen Union, aber er hätte es kaum besser treffen können.
Der italienische Haushalt verstößt gegen Vorgaben der EU sowie der italienischen Verfassung selbst, monierte etwa der niederländische Notenbankchef und EZB-Zentralratsmitglied Klaas Knot. Die EU-Kommission scheint diese Bedenken zu teilen. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker kündigte bereits an, dass seine Behörde gegebenenfalls Änderungen vorschlagen werde. Für ihn zählen weniger die Details als vielmehr, wie hoch am Ende die Neuverschuldung sein werde.
Die italienische Regierung hat angekündigt, im nächsten Jahr dreimal so viel neue Schulden aufzunehmen wie die Vorgängerregierung. Der Schuldenberg des Landes liegt bereits bei 130 Prozent des BIP, rund doppelt so viel wie in der EU erlaubt. Die Auswirkungen auf die Banken des Landes könnten erheblich sein. Die Risikoaufschläge für italienische Anleihen steigen bereits wieder rasant, die Aktienkurse der Banken sind im Sinkflug.
Für kurzfristigen politischen Rückenwind sind die italienischen Politiker derzeit gewillt, Arbeitsmarkt- und Pensionsreformen der Vorgängerregierung rückgängig zu machen und anstelle von Haushaltsdisziplin Wahlgeschenke zu verteilen. Im Zeitalter der Populisten kann anscheinend jeder seine alternativen Fakten schaffen.
Für die EU sind dies keine guten Zeichen. Der Brexit könnte chaotisch werden, die Griechenlandkrise schwelt weiter, und mit Italien entwickelt sich ein Kernland der Eurozone zum Sorgenkind. Es ist noch nicht lange her, dass Deutschland der "kranke Mann Europas" genannt wurde. Doch die wirtschaftliche und politische Wende wurde hierzulande geschafft, auch wenn wir immer viel zu mäkeln haben.
Der Unterschied zum heutigen Italien ist der, dass in Deutschland die Vorgaben der EU weitgehend akzeptiert wurden. Es braucht wieder mehr Fürsprecher Europas, leider wächst die Zahl der Nationalisten. Im italienischen Bankenmarkt werden es ironischerweise die kleinen, landeseigenen Kreditgenossenschaften sein, die am stärksten von den voraussehbaren Härten getroffen werden – nachdem es die Sparkassen dort schon nicht mehr gibt.
Anzeige
 Druck-PDF herunterladen

Kommentare zum Artikel (0)