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| Grundsatzreferat

Gemeinwohl geht vor Renditemaximierung

Was eigentlich sind Sparkassen? Wofür stehen sie? Das machte ein Grundsatzreferat von DSGV-Präsident Helmut Schleweis beim Institut für internationales Recht des Spar-, Giro- und Kreditwesens an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz deutlich.

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Schleweis' Credo: Die Sparkassenphilosophie beinhaltet weit mehr als das simple Geld- und Kreditgeschäft. Sparkassen sind aus ihrer Historie heraus „Kinder“ des aufgeklärten Bürgertums und deshalb in ihrem Handeln dem Gemeinwohl und der Sicherung einer breiten gesellschaftlichen Prosperität verpflichtet.

Und wie zur Zeit der Gründung der ersten Sparkasse in Hamburg 1778 die erste industrielle Revolution zu tiefgreifenden Umbrüchen führte, sieht Schleweis auch die aktuellen gesellschaftlichen Strukturen durch Globalisierung und Digitalisierung auf den Prüfstand gestellt: „Wir sind davon überzeugt, dass durch Globalisierung und Digitalisierung große Innovationssprünge und ein höherer Wohlstand möglich werden.“ Doch gerade die Auswirkungen der Digitalisierung machten deutlich, dass die Frage einer finanziellen und damit gesellschaftlichen Teilhabe aller Menschen an diesem Fortschritt eine der großen Aufgaben des 21. Jahrhunderts sein wird. Für die Sparkassen bedeute das, an der Entwicklung von Konzepten und Strukturen zu arbeiten, die eine gerechte Verteilung des gemeinsam Erwirtschafteten ermöglichen.

Bankdienstleistungen und eine sichere Vermögensvorsorge für Menschen auch mit kleinsten Budgets sicherzustellen, die mittelständische Wirtschaftsstruktur zur Sicherung hochwertiger Arbeitsplätze zu fördern und das Grundbedürfnis nach bezahlbarem und angemessenem Wohnraum aktiv zu unterstützen - das nannte Schleweis als Kernpunkte eines Prinzips, das der Gemeinwohlorientierung Vorrang vor Renditemaximierung gibt. Dieser Verantwortung stelle sich die Sparkassen-Finanzgruppe und sei damit eine der letzten Institutionen, die Menschen aller Altersgruppen, aller sozialen Schichten, aller politischen Grundüberzeugungen und aller Lebensentwürfe zusammenbringe.

Dass der Spagat zwischen gemeinwohlorientiertem Handeln und der notwendigen Sicherung einer gesunden betriebswirtschaftlichen Basis in einem schwierigen Zinsumfeld gelungen sei, wertet Schleweis als großen Erfolg der Sparkassen. Dieser sei auf die konsequente Ausrichtung an den Kundenbedürfnissen zurückzuführen.

Ein digitales finanzielles Zuhause bieten

Um dieses Erfolgskonzept in die Zukunft fortzuschreiben müssten die Sparkassen ihre Strukturen und Angebote auf die Herausforderungen eines sich wandelnden Wettbewerbs und neuer digitaler Möglichkeiten ausrichten, forderte der Sparkassenpräsident. Deshalb gelte es, den Menschen zusätzlich zur Filialpräsenz ein digitales finanzielles Zuhause zu bieten, das einerseits die technologischen Möglichkeiten im Finanzgeschäft ausschöpfe, andererseits aber auch der Sicherheit und dem Schutz der Privatsphäre Rechnung trage. In diesem Zusammenhang plädierte Schleweis für fairen Wettbewerb durch ein neues digitales Ordnungsrecht und die Entwicklung einer europaweiten, mittelständisch organisierten Plattformtechnologie, um langfristig „auf Augenhöhe mit den Bigtechs der Welt“, insbesondere aus dem US-amerikanischen und zunehmend auch dem chinesischen Sektor agieren zu können. Hier könnten die Sparkassen mit ihrem breiten Nutzerpotenzial eine entscheidende Rolle spielen, betonte er.

"Sphären schrittweise entflechten"

Auch die Verbundstrukturen der Sparkassen-Finanzgruppe müssten weiter den Herausforderungen angepasst werden, so Schleweis. Es gebe gute Gründe, Kräfte zu bündeln und Geschäftsmodelle neu aufzustellen. Hier sei bereits viel geschehen, doch weitere Veränderungen seien notwendig, forderte er mit Blick vor allem auf eine Konsolidierung im Landesbanken-Sektor. Die aktuelle Diskussion zeige, dass die Sparkassen eine einzige, von ihnen gemeinsam getragene und kontrollierte Zentralbank benötigten und wünschten, um mit einem solchen Spezialanbieter auch im internationalen Geschäft, bei der Produktentwicklung oder im Großkundengeschäft erfolgreich zu sein. Beispiele wie die Dekabank oder die Finanz Informatik zeigten, dass die einzelnen Sparkassen von einer solch „gebündelten Spezialisierung mit einem hochwertigen Angebot“ profitieren könnten. Deshalb sei es im Interesse beider bisheriger Trägergruppen der Landesbanken, den Sparkassen und den Bundesländern, die „Sphären schrittweise zu entflechten“ und ein neues Spitzeninstitut ausschließlich in der Trägerschaft der Sparkassen zu organisieren. Der notwendige Konzentrationsprozess werde nur in vielen Zwischenschritten zu organisieren sein, so Schleweis, dennoch sei er nötig, um die Wettbewerbsfähigkeit der Sparkassen als wesentlichen Garanten der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Prosperität zu sichern.

In der anschließend von Institutsdirektor Prof. Uwe H. Schneider geleiteten Diskussionsrunde bestimmten dann auch die Fragen nach der Neuorganisation im Landesbanken-Sektor und die Herausforderungen des technologischen Umbruchs den regen Meinungsaustausch.