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| Kolumne 11/19: Sparkasse 2030 | mit Umfrage

Mehr Kreativität freisetzen

Was braucht die Sparkasse der Zukunft? Eine essentielle Antwort der Scope19: mehr Kreativität, mehr Freiräume, weniger Reglementierung... Und motivierte Mitarbeiter, die Digitalisierung als Chance und nicht als Gefahr begreifen.

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Drei Tage war die Scope19 kürzlich in Offenbach der Treffpunkt für Innovat­io­nen, Trends, Workshops, Keynotes, Lösungen, In­sights und Networking. Erstmals präsentierte die DSV-Gruppe auf dem Event ihre gesamte Themen- und Lösungsvielfalt. Der traditionellen Vertriebs- und Marketing-Tagung wurde ein zeitgemäßeres Outfit und Konzept verpasst – mit Erfolg.

Schon die Optik signalisierte Kreativität und Aufbruch: statt öder Stuhl­reihen locker im Raum aufgestappelte Europaletten mit Sitzkissen, statt langer Vorträge kurze Impulsgedanken, statt Tradiertem eher der Blick über den Teller­rand auf aktuelle Themen wie digitale Services, New Work oder Künstliche Intelligenz.

Aus den normalen Denkschemata ausbrechen

„Ein Festival der Ideen“ versprach DSV-Chef Michael Stollarz in seiner Eröffnungsrede. Und keine klassische Fachtagung und keinen traditionellen Kon­gress mehr, sondern eine moderne, innovative Veran­staltungsform. Mit der Scope wird künftig ein Forum etabliert, auf dem Ideen gemeinsam für verschiedenste Kundengruppen entwickelt werden – sozusagen eine „operative Lebenshilfe“ in schwierigen Zeiten, wie es die DSV-Geschäftsführung plakativ formulierte.

Dass die Zeiten schwierig sind, betonte Gerhard Grandke, Geschäfts­füh­render Präsident des Sparkassen- und Giroverbands Hessen-Thürin­gen (SGVHT) in seinem Scope-Grußwort. Trotz eines problematischen wirtschaftlichen und finanzpolitischen Umfelds plädierte er aber zugleich – an die eigene Organisation gerichtet – dafür, noch mehr auszuprobieren und insgesamt schneller zu werden.

„Brechen Sie ruhig einmal aus der Denkroutine aus“, ermunterte auch Wis­senschaftsjournalist Bas Kast die Scope-Teilnehmer. Aus seiner Sicht kann das ganz neue Kräfte im Menschen freisetzen. Anhand zahl­rei­cher Praxisbeispiele zeigte der Bestsellerautor (Ernährungs­kompass), wie sich Kreativität steigern lässt – etwa durch Ent­span­nen. Denn die zu starke Konzentration auf Bewährtes ist quasi ein Kreativitätskiller.

Kreati­vität ist für Kast keine Talentsache. Den sprich­wörtlich „krea­tiven Kopf“ hält der Wissenschaftsjournalist für eine Schimäre. Jeder kann kreativ sein. Wir müssen unser Gehirn nur darauf trainieren. Mit außer­gewöhnlichen Situationen konfrontieren. Aus der Routine, die weite Teile unserer Arbeitswelt bestimmt, herausführen. Das Gehirn zum Denken zwingen.

So haben Untersuchungen ergeben, dass, wer beruflich häufiger im Ausland ist und sich dort vielfach auf veränderte Lebensum­stände und Situationen einstellen muss, mehr Kreativität entfaltet. Das funktioniert laut Kast auch im Kleinen: Mitarbeiter, die im Unternehmen viele Kontakte auch außerhalb ihrer Abteilung pflegen, sind kreativer.

In digitalen Zeiten an die Menschen denken

Aber was nützt die größte Kreativität, wenn Maschinen künftig doch alles besser, schneller und effizienter machen, fragte sich so mancher auf der Scope angesichts der heranrollenden Digi­talwelle. „Selbst wenn künftig smarte Ma­schinen vermehrt Routine- und As­sistenz­tätig­keiten in Büros über­nehmen: Die menschliche Urteilskraft wird nicht durch KI ersetzt“, beruhigte Jochen Maetje, Geschäftsführer des Spar­kassen-Finanzportals, Skeptiker.

In einer Mischung aus menschlicher Exper­tise und schneller Datenverar­beitung der Maschine sieht der Manager das Erfolgsrezept. Ähnlich sah es der Zukunftsforscher Dr. Ulrich Eberl in seinem Vortrag „Wie smarte Maschinen und KI unser Leben verändern“. Smarten Ma­schi­nen fehlt für ihn ganz eindeutig die Alltags­intelligenz, die noch lange den Men­schen vorbehalten bleiben wird.

Aber dass es durchaus berechtigte Ängste gibt, räumten Stollarz und FI-Chef Franz-Theo Brockhoff im Rahmen eines „Mensch&Maschine-Talks“ auf der Scope unisono ein. Die IT-Durchdringung im Front- und Backend wird nämlich weitergehen. Die Manager haben jedoch die Hoffnung, dass diese Techni­sie­rung ganz im Sinne von Kast neue kreative Kräfte bei Mitarbeitern freisetzen kann. Die haben dadurch mehr Zeit für intensivere und qualitativ noch bessere Beratung. Brockhoff schwebt so etwas vor wie eine „Re­naissance der menschlichen Beziehung“.

Stollarz bestätigte diese Sichtweise. Auch für ihn ist Digitalisierung kein Geschäftsmodell, sondern hauptsächlich eine Funktionalität. KI und Algorithmen sind eine Hilfestellung, aber „vorne steht bei der Sparkassen-Finanzgruppe immer der Mensch“. „Sorgen von Mitarbeitern und Kunden nehmen wir dennoch sehr ernst“, ergänzte Brockhoff: „Die Gruppe geht damit fair um.“ Maschinen haben aus seiner Sicht am Ende des Tages nur eine binäre Logik und einen Riesenberg von Daten. Deshalb braucht es auch weiterhin den Menschen, der den Umgang damit steuert, etwa über Data Analytics.

Konzentration aufs Wesentliche

Was bleibt somit in digitalen Zeiten, was inspiriert uns, warf Stollarz ein. Mutig nach vorn zu gehen, mehr eigene Erfahrungen einzubeziehen, so Brockhoffs Replik: „In diesen Zeiten werden wir die Gruppe nicht weiter­bringen mit Gremienarbeit, mit Konferenzen, mit Pflichtenheften, sondern durch Kreativität und das Schaffen von Freiräumen“.

Ins gleiche Horn blies auch Florian Holstein. Der ehe­malige N26-Produkt-Designer und heute Design-Direktor von IXDS warn­te davor, die ganze Kraft in zig neue technische Innovationen zu stecken. „Es braucht eine radikale und vielfach auch schmerzhafte Prio­risierung und vor allem weniger Diskussion.“

Holstein sehnt sich nach „mutigen Leuten“, die Produkte schnell zum Ende bringen. „Am Ende des Tages muss das fertige Produkt stehen.“ Das muss so „geschnei­dert“ sein, dass es zum Kunden passt, so eine seiner Perspektiven.

Für extrem wichtig hält er, Veränderungsbereitschaft zu trainieren und in neuen Modellen zu denken. Schnelligkeit ist eine weitere Triebfeder. Sein Tipp: Schreiben Sie alles auf, was Sie in zehn Jahren erreichen wollen. Und dann überlegen Sie sich, wie Sie es in sechs Monaten schaffen können. Das vereinfacht Lösungen und führt zu weniger Schritten und Prozes­sen.

„Doch wie können wir radikal priori­sieren“, wollte Stollarz von Holstein wissen. Dessen einfache Antwort: „Extrem zu vielen Dingen Nein sagen, da Zeit sehr limitiert ist.“ Auch die Sparkassen sollten sich lieber auf zwei, drei Dinge konzentrieren. „Es geht aber nicht darum, alte Produkte neu anzumalen, sondern wirklich neue Dinge auszuprobieren“, so Holstein.

In reinen Berater-Bots sieht der Designer allenfalls ein technisches Vehikel. „Es braucht den Menschen, der einem hilft, und der mehr weiß als eine Maschine. Den unmittelbaren Kundenkontakt kann vermutlich kein Bot ersetzen.“ Unterstützende Expertensysteme können in der Zukunft jedoch die menschliche Komponente stärken.

Zukunft resultiert aus Vergangenheit und Gegenwart

Doch dass das mit der Zukunft so eine zweischneidige Sache ist, ver­deut­lichte Prof. Dr. Armin Nassehi, Soziologe an der Uni München. „Die Zukunft erreichen wir nie“, lautete seine zentrale These. Nassehi erläu­terte in Offenbach plastisch, wie Zukunft entsteht und was das mit Digita­lisierung und letztlich sogar dem Klimawandel zu tun hat.

Auch wenn die Zukunft heute stattfindet und nie beginnen kann, gemacht wird sie im Hier und Jetzt. Frühere Zukunftserwartungen haben laut Nas­sehi gezeigt, dass Zukunftstrends immer „Funktionen der Gegenwart“ sind, und Veränderungen gibt es nur mit den „gegenwärtigen Bord­mitteln“. Dennoch ist es wichtig, eine Vorstellung von der Zukunft zu entwickeln.

Und dann muss man sich fragen, welche Mittel haben wir, um sie zu realisieren. Gefährlich ist es allerdings, dabei nur die gegenwärtig erfolgreichen Parameter berücksichtigen. Was also zeichnet wirklich bahnbrechende Erfindungen wie Buchdruck, Dampfmaschine, Radio und Fernsehen aus? Es sind Leittechniken, die gesellschaftliche Probleme lösen, sagte Nassehi. Und deshalb ist auch der Siegeszug der Digita­lisierung aus seiner Sicht nicht aufzuhalten. Sie trägt dazu bei, das Problem der zunehmenden gesellschaftlichen Komplexität zu lösen. Denn wir brauchen Mittel, die uns verraten, „wer wie tickt“.

Kreativer Navigator

 
Vor allem junge Mitarbeiter entwickeln oft kreative Ideen. Man muss sie künftig nur stärker lassen. © Rother
Und dabei können Betriebswirtschaftliche Blätter, Spar­kassenZeitung, 1Voraus und alle anderen internen Medien des DSGV helfen. Sie alle wollen jeden Tag ein Stück Navigationshilfe bei der Bewäl­tigung der Zukunft sein. In den vergangenen Monaten – seit dem Start des neuen Portals im Januar – hat das bereits gut funktioniert. Rund 1,85 Millio­nen Zugriffe auf unsere Inhalte verzeichnen wir seither. Über 27 000 Nutzer haben sich inzwischen im Portal registriert – Tendenz steigend. Das neue Kommunikationssystem – bestehend aus Web, App, Newsletter und monatlich erscheinender Printausgabe – hat Leser und Nutzer offen­bar überzeugt.

Das Ziel, die SparkassenZeitung mit ihren neuen Kommunikations­bau­stei­nen zum zentralen Medium der internen Kommunikation der Spar­kas­sen-Finanzgruppe auszubauen, geht auf. Doch geht die Reise weiter. Zum Januar 2020 zünden wir mit „SparkassenZeitung plus“ die zweite Stufe. Künftig kann die eigene Kommunikation der Sparkasse mit den Inhalten der SparkassenZeitung gebündelt werden. Sparkassen können ihren lokalen Content direkt auf der Internetseite der Sparkas­senZeitung inklusive App einstellen. Die lokalen Inhalte fließen erkenn­bar, aber doch harmonisch in die Welt der SparkassenZeitung ein – sozusagen eine greifbare und kreative Zukunft.

Fazit

Das neue Veranstaltungsformat Scope signalisiert Aufbruch und Wandel zugleich. Was meint: kreativer sein, Ballast über Bord werfen, keine Angst vor der (digitalen) Zukunft haben, stärker priorisieren und vieles mehr. Und darüber hinaus auch einmal Fehler zuzulassen. Die Sparkassen-Finanz­gruppe hat so viele kreative, junge und talentierte Leute und Ideen, wie die Ergebnisse des Young Talents Award gezeigt haben, dass man mit Optimismus in die Zukunft schauen kann.

Und auch die längst totge­sag­te Filiale lebt. Vielleicht „kreativer“ als früher. Immer mehr Azubis wollen nach ihrem Abschluss dorthin und in Start-up-Manier ihre Ideen in die Praxis umsetzen – vielleicht auch ’mal ohne das tradierte S-Finanzkonzept. Man muss sie nur lassen. Und diese Botschaft von der Scope bleibt.

Autor
Jürgen Janik ist Redakteur der Betriebswirtschaftlichen Blätter in Mannheim.

Sämtliche Berichte von der Scope19 sowie diverse Bilderstrecken finden Sie im SparkassenZeitungs-Portals hier .