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Soziale Medien
Mit Facebook und Instagram
Mit Social Media können Sparkassen den werblichen Auftritt kleinerer Geschäftskunden verstärken. Die Kreissparkasse Limburg zeigt, wie das funktioniert.

Vom „schönsten Tag im Leben“ schwärmen viele: Wenn angehende Ehepaare ihre Hochzeit vorbereiten, ist der Kauf des Brautkleids ein erster Höhepunkt. Mehr als 2500 User riefen bislang ein Video auf, das die Kreissparkasse (KSK) Limburg im Winter 2019 in den Geschäftsräumen des Einzelhandelsunternehmens „Plötzlich Braut“ gedreht und am Valentinstag auf ihrer Facebook-Seite gepostet hatte.

Auch auf Instagram und Youtube wurde der Clip veröffentlicht: Er zeigt eine freudestrahlende Braut, die sich von Inhaberin Melina Angelidis ausführlich beraten lässt, mehrere Kleider probiert und schließlich ihren Favoriten mit der Sparkassen-Kreditkarte bezahlt.

Follower-Zahlen vervielfacht

„Das Video hat den Bekanntheitsgrad meines Geschäfts schlagartig erhöht“, freut sich die geprüfte Modedesignerin, die „Plötzlich Braut“ erst im Dezember 2018 eröffnet hatte. „Mit dieser Werbeaktion konnte ich mich besser gegen den örtlichen Wettbewerb behaupten.“ Gleich nach dem Filmstart stiegen auch die Follower-Zahlen von „Plötzlich Braut“ an.

Als Reaktion fuhr Angelidis auch ihre eigenen Social-Media-Aktivitäten hoch. Allein auf Instagram hat die Einzelhändlerin 2019 rund 80 Beiträge veröffentlicht. Viele wurden mehr als 100-mal aufgerufen. Außerdem setzt sie regelmäßige Postings auf Facebook ab. Über 450 Abonnenten folgen diesen mittlerweile. Für eine Unternehmerin, die die meisten Kundinnen nur einmal in deren Leben betreut, ist das eine bemerkenswert hohe Zahl.

Social Media
Auch auf Facebook werden regelmäßig Postings von der Kreissparkasse Limburg abgesetzt.

Auf allen bekannten Plattformen präsent

Der knapp 45 Sekunden lange Streifen zeigt nicht nur, dass gut konzipierte Social-Media-Auftritte unternehmensübergreifend Kunden mobilisieren können und deshalb eine Win-win-Situation für alle Teilnehmer sicherstellen. Er festigt auch den Ruf der Kreissparkasse Limburg, bundesweiter Vorreiter für Social-Media-Auftritte in der Sparkassenlandschaft zu sein.

Seit Anfang 2017 zeigt das mittelhessische Institut auf nahezu allen bekannten Plattformen Flagge. Der Vorstand der Sparkasse, die mit einer Bilanzsumme von rund 1,5 Milliarden Euro und rund 350 Mitarbeitern ein vergleichsweise kleines Institut ist, wollte mit der Digitalisierung vorhandene Kundenkontakte intensivieren und neue beschleunigt aufbauen.

„Wir machen bei Facebook, Twitter, Instagram, Youtube und Snapchat mit“, zählt Sylvana Löw, Multikanalmanagerin der Sparkasse, auf. „Außerdem haben wir einen Blog für die interne Kommunikation eröffnet.“ Auf den einzelnen Plattformen setzt die mittelhessische Sparkasse sehr unterschiedliche Akzente.

Videos über Produkte und Dienstleistungen

Auf Facebook und Instagram posten Löw und ihre Kollegin Julia Jeuck Inhalte, die grundsätzlich für jeden Kunden interessant sind und die mit ihrem Arbeitgeber nicht unmittelbar zu tun haben müssen. Auf Youtube laden sie Image- und Nutzwertvideos hoch, die den Kunden in die Sparkassenwelt einführen und einzelne Produkte und Dienstleistungen erklären.

Auf Twitter geben sie ebenfalls Tipps über Geldanlagen und andere Sparkassenprodukte und informieren außerdem über gesetzliche Neuerungen und Veränderungen in der Finanzwelt. Und auf Xing stellen sie ausgesuchte Mitarbeiter vor, lassen Kollegen die KSK als Arbeitgeber bewerten und informieren über neue Stellenangebote.

Den Snapchat-Kanal überlassen beide Kommunikationsexpertinnen den Azubis im Haus. Hier berichten diese von ihren Ausbildungserfahrungen und ermuntern Gleichaltrige, ihre berufliche Zukunft ebenfalls bei der Kreissparkasse zu suchen.

90 Prozent Eigenproduktionen

Am meisten Arbeit machen Facebook und Instagram. Mehr als 6600 User folgen der Kreissparkasse Limburg auf Facebook, mehr als 5000 haben ihren Instagram-Kanal abonniert.

Während der letzten Wochen und Monate sind Löw und Jeuck dazu übergegangen, auf beiden Plattformen immer mehr selbst produzierten Content zu posten und diese mit Inhalten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) abzurunden. „Rund 90 Prozent der Beiträge werden von uns hergestellt“, sagt Löw. „Vor allem auf Facebook rufen die User gerne regionale Inhalte auf und kommentieren diese.“

Auf dem Account der Kreissparkasse findet der User Inhalte, die vor wenigen Jahren fast ausschließlich die Seiten von Lokalzeitungen und Anzeigenblättern füllten. Über Spenden an die freiwillige Feuerwehr wird er ebenso informiert wie über den Auftritt der Sternsinger in den Filialen.

Außerdem findet er Links zu den Beiträgen anderer Medien wie den Film eines lokalen Fernsehsenders über die Aufzucht von Berner Sennenhunden, den die Kreissparkasse unterstützt hat. Immerhin knapp 14.000 User haben den zehn Minuten langen Streifen über diese Tiere, die sich als klassische Familienhunde einen Namen gemacht haben, aufgerufen.

In diesem Umfeld kommuniziert das Institut regelmäßig Sparkassenprodukte und -dienstleistungen. Das Spektrum reicht vom Fondssparen über das klassische Sparbuch bis zur persönlichen Geldplanung auf Basis des Sparkassen-Finanzkonzepts.

Neuer Programmpunkt: Produkt des Monats

Solcher Content soll auch in Zukunft der rote Faden auf dem Account sein. 2020 will die KSK regelmäßig ein „Angebot des Monats“ vorstellen und Kunden mit Rabatten und anderen Vorteilen gewinnen. Für Social-Media-Expertin Löw bietet eine solche Umgebung den passenden Rahmen für Auftritte von Geschäftskunden. „Solcher Content kommt sehr authentisch hinüber“, sagt die ausgebildete Bankkauffrau. Wenn ein Kunde einen neuen Standort eröffnet oder zu einer Veranstaltung einlädt, ist außer dem Firmenkundenberater auch ein Sparkassenmitarbeiter mit Videokamera anwesend.

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Nicht nur bei Jugendlichen beliebt: Instagram. Instagram ist ein kostenloser Online-Dienst zum Teilen von Fotos und Videos, der zu Facebook gehört.

Häufig kommt das Social-Media-Team der Kreissparkasse auch von sich aus auf Firmenkunden zu, wenn es interessanten Content für die Plattformen sucht. So ließ sich Löw von zwei Bäckermeisterinnen in die Geheimnisse des Kuchenbackens einführen.

Der User, der das knapp drei Minuten lange Video über Jung’s Backstube aufruft, erfährt außerdem interessante Einzelheiten über den Bäckerberuf selbst und erhält Tipps für die Herstellung von Pralinen. Knapp 3900 Besucher haben diesen Streifen, der im Frühjahr 2019 gedreht worden ist, gesehen. „Wir sind eine kleine Dorfbäckerei und haben wenig Laufkundschaft“, sagt Marina Lanois, Mitinhaberin von Jung’s Bachstube. Übers Internet haben Kunden wiederholt Kuchen bei diesem Unternehmen, das drei Standorte im Limburger Umland hat, bestellt. Jetzt wollen die „Mädels von Jung’s Backstube“, wie Lanois und ihre Mitinhaberin Manuela Werner sich selbst nennen, diese florierende Nachfrage mit eigenen Social-Media-Aktivitäten forcieren. Rund 720 Fans haben sie bereits.

Eigenes Konzept für Instagram

Rund zwei Jahre haben Löw und Jeuck an ihrer Strategie gefeilt. „Wir hatten viele Ideen und mussten diese einfach mal ausprobieren“, sagt Löw. Schritt für Schritt haben beide Multikanalmanagerinnen so auch ein Konzept für Instagram-Auftritte entwickelt.

Vor allem User unter 35 rufen diesen Kanal auf. Der Video- und Foto-Onlinedienst rundet die Aktivitäten auf dem Mutterkanal Facebook ab, der zunehmend von älteren Zielgruppen aufgerufen wird. Viele Videos werden auf beiden Kanälen geschaltet. Allerdings sprechen die Sparkassen-Expertinnen Instagram-User nicht nur wegen des jüngeren Alters anders an. Diesen Kanal rufen vor allem Frauen auf, welche sich offenbar von Bloggerinnen und Influencerinnen inspirieren lassen. „Wir orientieren uns an dem Kommunikationsstil solcher Trendsetter“, versichert Löw.

Über 3000 Beiträge haben die Kreissparkassen-Marketer bislang auf Instagram gepostet. Viele erhielten knapp unter oder über 100 Likes. Aber es gibt einige bemerkenswerte Ausreißer. So erhalten Postings über besonders erfolgreiche Azubis und Spendenaufrufe für soziale Projekte überdurchschnittlich hohen Zuspruch.

Besonderes Highlight vor Weihnachten

Und vor allem in der Vorweihnachtszeit häufen sich die Like-Zahlen bei manchen Beiträgen auf über 1000 Stück. Kein Wunder: In diesen Wochen postet die KSK Adventskalender mit attraktiven Preisen und Gutscheinen, welche Geschäftskunden wie „Plötzlich Braut“ und Jung’s Backstube gestiftet haben. Gemeinsame Social-Media-Aktionen können so den Grundstein für langfristige Werbepartnerschaften legen.

Solche Erfolge haben auch außerhalb der Sparkassenwelt Aufsehen erregt. Das Hamburger Institut für Management und Wirtschaftsforschung (IMWF), das 2019 die 50 „Digital Champions“ in der deutschen Bankenwelt ermittelt hat, rangiert die Kreissparkasse Limburg auf Platz acht dieser Hitparade.

Die Wissenschaftler bewerteten auf Basis von Fragebögen nicht nur die digitale Transformation von Geschäftsprozessen, sondern analysierten auch die Online-Kommunikation mit Kunden und Multiplikatoren.

Auch auf anderen vorderen Plätzen finden sich auffallend viele öffentlich-rechtliche Institute – die Kreissparkasse Ostalb (Platz eins), die Sparkasse Paderborn-Detmold (Platz zwei), die Mittelbrandenburgische Sparkasse (fünf) und die Sparkasse Südliche Weinstraße (sieben). Die Kreissparkasse Limburg ist das mit Abstand kleinste Institut in dieser Spitzengruppe.

Stefan Bottler
– 16. Januar 2020