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| Blick nach Schweden

Sparen lernen ohne Geld

Sparkassen wollen weltweit den Spargedanken verbreiten. In Schweden, wo das Bargeld aus dem Alltag der Menschen verschwindet, soll eine App diesen Bildungsgedanken übernehmen.

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Die meisten Menschen in Deutschland sind mit dem Sparschwein oder einer Spardose groß geworden. Hier passte das erste Taschengeld ebenso hinein wie das zugesteckte Geld der Oma oder die ersten selbstverdienten Markstücke. Doch was passiert in einer Welt, in der Bargeld auf dem Rückzug ist und Zahlungen online, per Karte oder Smartphone getätigt werden? Ein Blick nach Schweden liefert erste Hinweise.

Weniger als zehn Prozent aller Bezahlungen in Schweden sind Bargeldzahlungen. Viele Geschäfte akzeptieren kein Bargeld mehr und etliche Bankfilialen zahlen weder Geld aus noch können Kunden dort Geld einzahlen. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung nutzt die "Swish-App", die es ermöglicht, über mobile Geräte in Echtzeit Tag und Nacht Geld von ihrem Bankkonto zu transferieren, schreibt der wissenschaftliche Dienst des Bundestags.

 
Eine überdimensionale Münze versinkt im Boden. Die Skulptur vor der Hauptstelle der Swedbank in Stockholm soll das Sparen symbolisieren, doch könnte es ebenso gut das Verschwinden des Bargelds in der Versenkung bedeuten. © dpa

Der Spargedanke muss aber anders vermittelt werden, wenn das Geld den Kindern nicht mehr physisch zur Verfügung steht. Einen Ansatz hat das 2015 gegründete schwedische Fintech-Unternehmen Gimi entwickelt. Die App ist mehr als eine Millionen mal heruntergeladen worden und die Firma zählt laut CB Insights zu den 250 vielversprechendsten Fintech Startups.

Die App soll Kindern den Spargedanken und das Haushalten erläutern. Zudem soll Finanzwissen vermittelt werden. Während die Basisfunktionen umsonst sind, beinhaltet die Premiumversion eine Mastercard auf Guthabenbasis. Neben praxisrelevanter Wissensvermittlung wird auch den Eltern ein Zugriff beziehungsweise eine Beschränkung der Zahlfunktionen eingeräumt.

Pädagogen kritisieren dass Kinder Geld auch anfassen können sollten, damit sie das Prinzip besser verstehen. Doch selbst wenn schwedische Kinder sich Bargeld besorgen würden, könnten sie damit in der Eisdiele oder am Kiosk deutlich seltener bezahlen als mit ihrem Smartphone oder der Karte. Denn Bargeld kommt im schwedischen Alltag kaum noch vor.