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| E-Sport

Volkssport und Milliardengeschäft

Die DSV-Gruppe richtet 2020 den nächsten Sparkassen E-Sport-Cup aus. 25 Häuser haben das Fullservice-Paket schon gebucht, mit 35 weiteren laufen Gespräche.

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34 Millionen Bundesbürger zocken regelmäßig an PCs, Konsolen und Smartphones. Die DSV-Gruppe hat diesen Trend aufgegriffen. Seit Juli 2019 richtet der DSV den „Sparkassen eSport-Cup“ aus.

„Bei einer Sparkasse hat der Vorstand persönlich gesagt: Das Turnier buchen wir!“ Franziska Walter, Produktverantwortliche bei der DSV-Gruppe, zeigt sich erfreut über den großen Erfolg des neuen Angebots.

„Es kommen fast täglich neue Terminanfragen an. Wir haben sehr hohe Erwartungen an das kommende Jahr“, sagt Walter. Für die die Sparkassen sei der Cup eine Gelegenheit, mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen ins Gespräch zu kommen und sich selbst als modern und innovativ zu präsentieren.

 
Fifa-Gamer beim Turnier der Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert. Auch künftige Mitarbeiter könnten darunter sein. © Sparkasse

Fifa – beliebtestes Nicht-Shooting-Spiel in Deutschland

Gespielt wird auf den Turnieren die Fußball-Videosimulation Fifa, das beliebteste Nicht-Shooting-Spiel in Deutschland. Die Version Fifa 2019 verkaufte sich allein in Deutschland über zwei Millionen Mal und ist damit die Nummer eins in den Videogame-Verkaufscharts.

Vom Nachfolger Fifa 20, der im Oktober erschienen ist, wurden binnen weniger Tagen schon mehr als 500.000 Stück abgesetzt. Das Spiel ist populär, weit verbreitet und kommt bereits jetzt auf vielen Turnieren zum Einsatz.

E-Sport ist ein Milliardengeschäft und Fifa gehört zu den Schwergewichten der Branche. Auf zahlreichen Turnieren weltweit ringen Gamer vor Tausenden von Zuschauern um Punkte, Preisgeld und Pokale. Inzwischen haben sich auch zahlreiche Erst- und Zweitligaklubs zur Virtuellen Bundesliga zusammengeschlossen.

Im August 2019 wurde Mohammed „MoAuba“ Harkous, damals Spieler der E-Sport-Abteilung des Bundesligisten Werder Bremen, sogar Fifa-Weltmeister und gewann 250.000 US-Dollar Preisgeld. Gemeinsam mit Werder-Profigamer Michael „MegaBit“ Bittner tritt Harkous auch in der offiziellen DFB-Nationalmannschaft im bundesdeutschen Trikot an.

Junge Kunden im Blick

Manche Sparkassen hatten sich schon zuvor mit dem Thema E-Sport auseinandergesetzt. Bei anderen Instituten muss Produktmanagerin Walter noch Aufklärungsarbeit leisten. Danach sei das Echo auf jeden Fall positiv, weil die Sparkassen erkennen, dass man damit die junge Zielgruppe gut erreichen kann.

 
Teilnehmerinnen gibt es bei den Fifa-Turnieren der Sparkassen bisher leider nur ausnahmsweise. © Sparkasse

Beispielsweise bei der Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert sieht Jan Breitenbach, verantwortlich für den Bereich Nachwuchskunden, eine „enorme Zielgruppe“, weil viele Freizeitkicker auch Fifa-Gamer seien, sagte Breitenbach im DSV Report. Auch in der Sparkasse Krefeld und in der Sparkasse Neu-Ulm – Illertissen haben bereits Fifa-Turniere stattgefunden. Bilder von E-Sport-Cups telnehmender Sparkassen gibt es bei Facebook, auf Vimeo informiert ein Videoclip über den Cup bei der Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert.

Das erste von vier Turnieren der Sparkasse fand am 7. September in Velbert statt. Das Institut hatte 64 Teilnehmer aus den gesammelten Anmeldungen ausgewählt. Diese traten an ihren Konsolen vor großen Monitoren in 32 Zweierteams gegeneinander an.

Nach einer Vorrunde mit acht Vierergruppen kamen jeweils die beiden Ersten ins Achtelfinale und kämpften sich weiter voran. Im Finale behielten die beiden Turnierfavoriten Dennis Hammer und Ali Oskoui Rad die Oberhand – die beiden stehen als sogenannte Pro-Gamer bei einem professionellen Berliner E-Sport-Team unter Vertrag.

Sparkassen können drei Pakete auswählen

„In der Regel finden die Events an einem Wochenende statt, denn bei unseren Turnieren sind die Spieler fünf bis sechs Stunden anwesend“, sagt DSV-Produktmanagerin Walter.

Die DSV-Gruppe kümmert sich um die gesamte Abwicklung des Turniers und kooperiert mit einer E-Sport-Agentur aus der Schweiz, die bereits etwa 200 Turniere für Finanzinstitute und andere Unternehmen ausgerichtet hat. „Jetzt läuft alles exklusiv über uns“, sagt Walter. Dazu habe die DSV-Gruppe ein Standardkonzept auf die Beine gestellt, dass als Fullservice-Komplettpaket angeboten werde.

 
Beim Fifa-Turnier der Sparkasse Neu-Ulm – Illertissen © Sparkasse

Die Sparkassen können unter drei Paketen wählen. Das kleinste ist das Paket S mit 64 Spielern, dann folgen das Paket M mit 128 Spielern und das Paket L mit 256 Spielern. Nach oben ist allerdings keine Grenze gesetzt.

„Theoretisch können wir auch bis zu 500 Teilnehmern gehen“, sagt Walter. Dann stelle sich allerdings die Frage nach dem passenden Ort. Am populärsten sei aktuell das mittlere Paket. Das Preisgeld legt jede Sparkasse individuell fest. Walter: „Wir empfehlen 1000 Euro – aufgeteilt auf die ersten drei Plätze.“

Auswahl auch beim Rahmenprogramm

Oft bieten die Sparkassen den Teilnehmern und Zuschauern ein Rahmenprogramm an – mit Catering, Infoständen rund um das Thema Ausbildung, Jugendberatern vor Ort und einem professionellen Moderator, der auch über die DSV-Gruppe gebucht werden kann.

Dieser Moderator führt durch den Tag, macht Interviews, kommentiert die Livespiele und bietet Hintergrundinfos zur E-Sport-Szene. Die Sparkassen können über die DSV-Gruppe auch eine E-Sport-Lounge buchen, zum Beispiel für Festivals oder andere größere Veranstaltungen.

 
Konzentrierte Teilnehmer am Fifa-Turnier der Sparkassen Hilden-Ratingen-Velbert. © Sparkasse

Die Lounge bietet Sitzsäcken, einen Racingseat für das Spiel Grand Theft Auto, einer Mario-Kart-Station und ein paar Fifa-Stationen. Ein Profispieler vor Ort steht nach dem Motto „Beat the Pro“ auch für Schaukämpfe zur Verfügung.

Mit Hilfe von E-Sport neue Mitarbeiter gewinnen

Zu ihren Infoständen zum Thema Ausbildung wollen einige Sparkassen ihre Azubis einladen, um auf diese Weise besser auf die Zielgruppe eingehen zu können. So könnten IT-affine Mitarbeiter gewonnen werden, sagt Franziska Walter.

Eine Sparkasse habe auch ihre Firmenkunden mit potenziellen Bewerbern vernetzt. Personaler oder Führungskräfte von lokalen Firmen kommen dann in die Sparkasse und spielen mit den Teilnehmern an der Fifa-Konsole.

 
Am Fifa-Turnier der Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert im September 2019 nahmen 64 Gamer teil. © Sparkasse

Und wie ist das Echo in der Zielgruppe? „Von den jungen Leuten haben wir nur positives Feedback erhalten“, sagt Walter. „Die sind überrascht, dass die Sparkasse den E-Sport-Cup anbieten. Und: Sie finden es gut, dass es so ein Turnier für alle um die Ecke gibt. Turniere sind sonst meist nur auf Profiebene üblich.“

Ein Manko gibt es allerdings: Der typische Teilnehmer ist männlich, zwischen 16 und 25 Jahren, und IT-affin. Teilnehmerinnen gibt es zwar auch, sind aber selten. In der DSV-Gruppe gibt es Überlegungen, wie das zu ändern wäre.

Walter: „Eventuell bieten wir ein zweites Videospiel aus Anlass der Olympischen Spiele 2020 an – mit Disziplinen wie Springreiten und Weitwurf.“ Damit lassen sich allerdings keine Turniere wie mit dem Fifa-Game ausrichten.

Zehn Wochen Vorlaufzeit für Sparkassen

Sparkassen, die Interesse daran haben, einen E-Sport-Cup zu buchen, sollten genug Zeit einplanen. Die Vorlaufzeit zwischen Auftrag und Turnier beträgt zurzeit etwa zehn Wochen. Sparkassen müssen einen geeigneten Turnierort finden und Ankündigungsmarketing betreiben und den Teilnehmern genug Zeit geben, sich anzumelden.

Oft wollen die Sparkassen den Cup mit anderen Events oder Anlässen verbinden – auch das muss geplant werden. Walter rät zum Beispiel, das Turnier an verkaufsoffenen Sonntagen oder parallel zu Stadtfesten auszurichten, um so die Zahl der Besucher zu erhöhen.

„Für uns steht fest, wir wollen unser Angebot ausbauen und sehen darin noch viel Potenzial“, sagt Walter. „Außer unserem Sparkassen E-Sport-Cup wollen wir auch einen kürzeren Abendevent ins Leben rufen – dieses Kurzturnier kann auch unter der Woche ausgerichtet werden, anders als der Cup, für den man einen Tag am Wochenende benötigt.“ Der Komplettservice soll zudem um Recruiting-Angebote erweitert werden.