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09. Mai 2018 - 08:30Problemkredite

Letzte Sicherung

von Dr. Silvio Andrae

Notleidende Kredite behindern die Belebung der Wirtschaft. Zahlreiche Vorschläge zum Risikoabbau liegen auf dem Tisch. EU-Kommission und EZB wollen einen Backstop-Mechanismus einführen. Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede werden näher unter die Lupe genommen.

Eine Kurzzusammenfassung finden Sie hier.

(BBL)
Während der Finanzkrise hat sich die Zahl der Forderungsausfälle in Europa stark erhöht. Unternehmen und Privathaushalte konnten ihre Kredite, die sie in den Boomjahren aufgenommen hatten, nicht zurückzahlen. Zwei Kennziffern werden für Problemkredite verwendet: die Quote der notleidenden Kredite (Non-Performing Loans, NPL) und die NPL-Deckungsquote. Bei der NPL-Quote wird der Anteil notleidender Kredite ins Verhältnis zum gesamten Kreditbestand gesetzt. 2017 war die durchschnittliche NPL-Quote weiter rückläufig und hat mit 4,5 Prozent in der EU den tiefsten Stand seit dem vierten Quartal 2014 erreicht (s. Abb. 1). Nach Angaben der EU-Kommission beträgt das notleidende Kreditvolumen in der EU rund 910 Milliarden Euro. Die Streuung der NPL-Quoten zwischen den EU-Ländern ist sehr hoch und schwankt zwischen 0,9 Prozent in Schweden und 46,1 Prozent in Griechenland. In Deutschland lag die durchschnittliche NPL-Quote bei 2,2 Prozent.
(BBL)
Die NPL-Deckungsquote ist für den Beitrag hier noch wichtiger. Diese Kennziffer setzt die Rückstellungen in Relation zu den Bruttowerten des gesamten NPL-Bestands. Rückstellungen für Kreditrisiken bilden den Betrag, der jährlich für Kreditverluste abzüglich der Wiederverwertung der Sicherheiten zur Seite gelegt wird. Hohe NPL-Deckungsquoten bringen zum Ausdruck, dass ein Institut in hohem Umfang Wertberichtigungen gebildet hat. Die durchschnittliche NPL-Deckungsquote beträgt in der EU etwa 45 Prozent (s. Abb. 2). Sie war in den vergangenen drei Jahren relativ stabil. Große Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern sind auch hier festzustellen. Schweden und Deutschland weisen etwa recht niedrige Deckungsquoten aus, Rumänien hingegen relativ hohe. Die Höhe der Deckungsquote allein zeigt noch kein NPL-Problem an. Der massive Anstieg notleidender Kredite in der Finanzkrise ist in einigen Ländern wie in Italien trotz hoher Deckungsquoten einhergegangen.
Die Unterschiede für hohe oder niedrige NPL-Quoten bzw. NPL-Deckungsquoten sind häufig länder-, branchen- und schuldnerspezifisch. Sie weisen auf tieferliegende wirtschaftliche Probleme hin. Daher sollte man mit der Bewertung vorsichtig sein. Zwar hat die wirtschaftliche Erholung in den EU-Ländern die Qualität der Vermögenswerte der Banken verbessert. Die Kreditrisikomodelle der Institute weisen daher geringere durchschnittliche Ausfallrisiken aus. Im Ergebnis werden durchschnittlich geringere Rückstellungen für diese Risiken gebildet.
Kommt es allerdings zu einem Konjunkturumschwung, reichen die Rückstellungen unter Umständen nicht aus, um die Verlustrisiken abzudecken. Zudem verbessern niedrige Zinsen die Kapitaldienstfähigkeit und damit die Bonitätsbewertungen einzelner Kreditnehmer. Die Kombination dieser Faktoren bedingt eine zyklische Risikovorsorge.
Die Zahlen zu den NPL-Kennziffern sind natürlich nur dann vergleichbar, wenn die Definition für einen notleidenden Kredit exakt vorgegeben wird. Um die mit unterschiedlichen Definitionen einhergehenden Probleme zu lösen, hat die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) bereits 2013 eine einheitliche Definition des Begriffs "notleidende Risikoposition" (Non-Performing Exposure, NPE) festgelegt. Darunter fallen ausgefallene Kredite, Kredite mit geringer Rückzahlungswahrscheinlichkeit sowie überfällige Kredite (90 Tage Zahlungsverzug).
Hinzu kommen Ausleihungen, bei denen das Institut Zugeständnisse gegenüber dem Schuldner macht. Hier erfolgt eine Anpassung der Kreditbedingungen auf nicht marktübliche Konditionen, um einem in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Schuldner die weitere Bedienung des Kredits zu ermöglichen. Zusätzlich soll der sogenannte "Sogwirkungseffekt" beachtet werden. Dies bedeutet, dass der Ausfall eines Kreditnehmers mit einer einzelnen Kreditfazilität zu einem Gesamtausfall des Kreditnehmers führt, wenn der Schuldner mit 20 Prozent seiner Verbindlichkeiten gegenüber dem Institut ausgefallen ist.
(BBL)
Streng genommen ist die EBA-Definition jedoch bisher nur für das aufsichtliche Meldewesen bindend. In den Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) werden dagegen Begriffe wie Intensiv- und Problemkredite verwendet. In der Prüfungsberichtsverordnung (PrüfBV) ist von bemerkenswerten Engagements die Rede. Abbildung 3 gibt einen Überblick zu den verschiedenen Definitionen.

Auf EU-Ebene sind in den vergangenen Monaten verschiedene Vorschläge zum Abbau von NPLs vorgelegt worden. Insgesamt sind es 14 europäische Initiativen, die im Wesentlichen unter der Überschrift "EU-Aktionsplan für den Abbau notleidender Kredite in Europa" laufen. Abbildung 4 stellt schematisch die unterschiedlichen Ansätze dar. Sie setzen sowohl bei den Kreditinstituten als auch den Kreditnehmern an. Sie beziehen sich aber auch auf die NPL-Sekundärmärkte und die Angleichung der juristischen Rahmenbedingungen.
Zwei Ansätze der Europäischen Zentralbank und der EU-Kommission müssen dazu näher untersucht werden. Dabei geht es um quantitative Erwartungen hinsichtlich des Mindestmaßes an Risikovorsorge für notleidende Risikopositionen (Backstop). Dieser soll das Kreditausfallrisiko aus NPEs durch eine vollständige Deckung auffangen. Im Folgenden werden die Anforderungen näher erläutert und deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede dargestellt. Beide Regelungen haben aufsichtsrechtliche Konsequenzen für den Umgang und die Steuerung von NPEs.
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  1. Letzte Sicherung
  2. EZB-Ansatz
  3. Vorschlag der EU-Kommission
  4. Gemeinsamkeiten und Unterschiede
  5. Fazit
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