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20. März 2017 - 08:00Standardisierung

"Manchmal ist einfach Bauchgefühl gefragt"

von Oliver Fischer, Alexander Hartberg

Der wachsende Kostendruck zwingt Sparkassen zu einem schwierigen Spagat zwischen standardisiertem Arbeiten und individuellem Gestalten. Über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Möglichkeiten spricht Christian Burmester, in der Sparkasse Aachen als Marktfolgevorstand unter anderem verantwortlich für Compliance, Datenschutz, Geldwäschebekämpfung, Arbeits- und IT-Sicherheit, im Interview mit dem Managermagazin Sparkasse.

Christian Burmester, in der Sparkasse Aachen als Marktfolgevorstand unter anderem verantwortlich für Compliance, Datenschutz, Geldwäschebekämpfung, Arbeits- und IT-Sicherheit. (Sparkasse)

Herr Burmester, Standardisierung und Vereinfachung gelten als probate Mittel, um innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe Größenvorteile auszunutzen.
Christian Burmester: Ja, definitiv. Es gibt allerdings ein großes "Aber", denn Standardisierung und Vereinfachung können uns auch in ein Dilemma führen: Wir wollen standardisieren, um den Aufwand in unserem Hause gering zu halten. Aber mit einer abweichenden Herangehensweise wären wir vielleicht im Vertrieb lokal vor Ort erfolgreicher. Den möglichen Vertriebserfolg müssen wir abwägen gegen den Preis, dass wir für individuelle Prozesse und IT-Parametrisierungen bezahlen müssen.

Die Sparkassen-Finanzgruppe hat in den vergangenen Jahren einiges auf die Beine gestellt, um die Institute – gerade bei der Bewältigung regulatorischer Anforderungen – zu unterstützen. Wie beurteilen Sie die Aktivitäten?
Burmester: Dies sind sehr positive Entwicklungen, sowohl bei der Finanz Informatik, den Verbänden als auch bei der S-Rating und Risikosysteme. Ohne diese Unterstützung könnten auch wir als größeres Haus kaum die gesamten Aufgaben bewältigen. Wir müssen nicht nur die klassische Regulatorik in der Banksteuerung umsetzen, sondern auch alle neuen Anforderungen zum Beispiel an den sicheren IT-Betrieb, an die Compliance-Organisation oder den Verbraucherschutz beachten und zur Zeit das neue Finrep und Anacredit implementieren. Dies alles könnten wir gar nicht alleine bewerkstelligen.
Wo nimmt Ihr Institut die Angebote in Anspruch?
Burmester: Wir nutzen das gesamte Spektrum der FI, der S-Rating, des Sparkassenverlags und die Vorarbeit der Verbände. Wir hatten beispielsweise gerade Unterstützung beim neuen Berichtswesen für die Risikotragfähigkeit im Haus. Unsere Mitarbeiter profitieren sehr davon, dass ihnen die Fachleute die richtigen Wege und Kniffe zeigen konnten. Unser Institut hat dadurch viel weniger Aufwand, als wenn wir alles von vorne bis hinten alleine hätten durchdenken und recherchieren müssen.
Sparkassen sollten weiter individuelle Prozesse und Produkte pflegen können, findet der Aachener Sparkassenvorstand Christian Burmester; allerdings sollten die Häuser dann auch die Kosten dafür tragen. (Sparkasse)

Reichen die Angebote aus? Oder wünschen Sie sich noch mehr Unterstützung?
Burmester: Ein uneingeschränktes "Mehr" wäre nur vordergründig gut, denn auch diese Dienstleistungen müssen bezahlt werden. Aus meiner Sicht sollten sich die Angebote auf solche Themen fokussieren, die für alle Sparkassen relevant sind. Damit wäre der größte Grenznutzen erreicht. Dazu gehört aber auch, dass die Sparkassen sich in diesen Bereichen Standards – bei den Prozessen und Produkten – unterwerfen. Individuelle Wünsche, die je nach Größe des Hauses und nach Wettbewerbsumfeld gegeben sein können, sollten die Häuser dann selbst tragen.

Ist Standardisierung ist der Schlüssel zum Erfolg? Oder birgt sie auch Risiken?
Burmester: Es ist offensichtlich, dass die Standardisierung einen großen Beitrag zu Kostensenkungen darstellt. Die zentralen Dienstleister können uns Sparkassen nur sinnvoll unterstützen, wenn wir die Standardprodukte und -prozesse nutzen, die alle in der Gruppe einsetzen. Zum Thema Risiko möchte ich die Standardisierung allerdings einmal von einer anderen Warte aus betrachten: Wenn wir in der Sparkassen-Finanzgruppe konsequent alle Produkte und Prozesse standardisieren und damit fast wie ein Konzern arbeiten würden, bliebe für regionale Besonderheiten wenig Spielraum. Wenn wir mit einem neuen Verfahren einmal nicht richtig liegen sollten, dann haben nicht ein paar Sparkassen, sondern alle zusammen aufs falsche Pferd gesetzt. Die Dezentralität hat gerade den Charme, dass viele unterschiedliche Ideen entwickelt und getestet werden können, ohne dass bei einem Scheitern gleich die ganze Organisation betroffen ist.
Damit wäre zunehmende Standardisierung ein Risikofaktor.
Burmester: Die Granularität aller Sparkassen führt zu einer robusten Organisation – gedanklich im Sinne der Portfoliotheorie. Der Vorteil der dezentralen Sparkassen ist es, dass wir wie ein diversifiziertes Portfolio zu betrachten sind, das risikomindernd wirkt. Eine perfekte Standardisierung und Homogenisierung aller Strategien, Prozesse und Produkte würde diesem Vorteil zuwiderlaufen, ihn konterkarieren. Da wir davon aber noch weit entfernt sind, ist es in der heutigen Zeit in jedem Falle sinnvoll, weiter in die Standardisierung zu investieren. Und wenn eine Sparkasse die Ressourcen hat, kann sie gern auch ein gewisses Maß an eigenen Ideen entwickeln, um am lokalen Markt zu reüssieren.
Bedeutet Standardisierung für Sie auch Gleichmacherei?
Burmester: Sie bedeutet zumindest zwangsläufig, dass nicht jeder individuelle Kundenwunsch, den wir im Vertrieb gern realisiert hätten, möglich ist. Einigen sehr großen Mittelständlern in unserem Geschäftsgebiet müssen wir im Wettbewerb mit den großen Privatbanken Produkte anbieten, die nicht im Standardkatalog der Finanz Informatik vorkommen, beispielsweise Cash-Pooling oder konzernübergreifende Multifunktionslinien. Dies ist immer ein Spagat: Wollen wir aufwendig eigene Lösungen – notfalls mit manuellen Eingriffen; ich denke da an das Meldewesen – betreiben, um in bestimmten Feldern mitspielen zu können? Oder wollen wir kostengünstig bei den Standardangeboten bleiben? So gesehen gleicht unser Geschäft manchmal der Quadratur des Kreises.
Eine gewisse Individualität ist demnach für Sie in Ordnung?
Burmester: Es ist ein Abwägen zwischen den Kostenvorteilen und möglichen entgangenen Vertriebschancen. Eine Quantifizierung der Vor- und Nachteile fällt mir schwer, deshalb würde ich Ihre Frage anders beantworten: Wenn Sie ein Girokonto, ein Konsumentendarlehen oder eine ganz simple Baufinanzierung verkaufen möchten, ist sicher eine umfassende Standardisierung der Produkte und Prozesse möglich – und auch sinnvoll. Denn bei diesen Produkten sind die Unterscheidungsmerkmale gering – wenn überhaupt – und im Vertrieb nicht entscheidend. Wenn Sie aber einen starken Mittelstand zu Ihren Kunden zählen oder ein wettbewerbfähiges Private Banking anbieten wollen, kommen Sie an die Grenzen unserer derzeitigen Standards. Dann ist abzuwägen, Teile der Prozesse und Produkte entsprechend den Wünschen der Kunden anzupassen, vor allem im Wettbewerb mit spezialisierten Kreditinstituten. In der Regel wächst man aber in solche "Boutique-Ansätze" hinein und baut über lange Jahre Know-how auf. Und gerade deshalb müssen wir uns immer fragen, ob diese Individualität noch zeitgemäß ist und einen Mehrwert im Vertrieb erbringt. Tendenziell sehe ich diese Vorteile immer mehr schwinden, sodass zumindest in unserem Haus der Trend eindeutig in Richtung Standardisierung geht, auch weil die technischen Lösungen der FI immer leistungsfähiger werden.
Auslagerungen hält Christian Burmester nur für tragfähig, solange sie nicht risikorelevante Bereiche betreffen. (Sparkasse)

Alternativ könnten Sparkassen doch Aktivitäten an spezialisierte Dienstleister auslagern.
Burmester: Auslagerungen funktionieren meiner Meinung nach nur bei Themen, die nicht risikorelevant sind. Regulatorik ist mittlerweile von besonderer Bedeutung für die Banksteuerung – und ist damit die Kernkompetenz eines Kreditinstituts. Die Aufsicht wird eine weitgehende Auslagerung kaum akzeptieren. Und selbst wenn, müssten wir im Haus trotzdem die Experten vorhalten, die den Dienstleister kontrollieren.

Ist eine Auslagerung an spezialisierte Dienstleister nicht trotzdem günstiger?
Burmester: Erstens brauchen wir wie gesagt weiterhin hochkarätige Experten, um als auslagernde Stelle die Dienstleister zu kontrollieren. Zweitens sind Dienstleistungen, die wir zukaufen, mehrwertsteuerpflichtig – es kommt automatisch ein Aufschlag von 19 Prozent hinzu. Kurz: Ich habe Zweifel, ob Dienstleister bei so komplexen Themen wie der Banksteuerung dann noch konkurrenzfähig sind. Und nicht zuletzt sind für einen Sparkassenvorstand regulatorische Prozesse – auch persönlich in der Verantwortung als Geschäftsleiter – so bedeutend, dass man sie eher nicht auslagern wird.
Könnten Ihrer Meinung nach der Verbund, die Verbände und Verbundunternehmen der Sparkassen noch effizienter – und damit kostengünstiger – werden?
Burmester: Diese Frage könnte ich nur dann fair beantworten, wenn ich alle Verbünde und Verbände aus eigener Erfahrung kenne. Dennoch könnte ich mir vorstellen, dass eine gewisse Arbeitsteilung sinnvoll ist. Es braucht nicht jeder Verband alle Expertise über alle Regulierungsaufgaben vorzuhalten. Stattdessen könnten die Verbände zum Beispiel Expertencenter bilden, sich dadurch mehr fokussieren und dann verbandsübergreifend zusammenarbeiten. Die S-Rating und Risikosysteme, die für ganz Deutschland Ratingverfahren und Aufgaben rund um das MaRisk-Reporting bündelt, ist da sicherlich ein gutes Vorbild.
Standardisierung bedeutet einen Verlust an Souveränität; Individualität bedeutet Aufwand und hohe Kosten – welchen Mix empfehlen Sie?
Burmester: Letztlich muss das jede Sparkasse individuell entscheiden: Wer mit möglichst wenig Personal auskommen will, muss maximal standardisieren. Wer noch eigene Prozesse, Produkte oder Programme entwickeln will, braucht einen etwas größeren Mitarbeiterstab, kann damit aber vielleicht in bestimmten Kundensegmenten zusätzlichen Service bieten. Der Königsweg ist schwer zu berechnen, manchmal ist auch einfach Bauchgefühl gefragt.
Das klingt nicht gerade nach einer gemeinsamen, einheitlichen Marschrichtung für die gesamte Sparkassen-Finanzgruppe…
Burmester: Dann hätten Sie mich missverstanden. Wie gesagt ist es gerade in der heutigen Zeit wichtiger denn je, gemeinsam und gleichgerichtet den Markt zu bearbeiten, damit der Kunde in jeder Region dieselbe Qualität unter der Marke Sparkasse erhält. Der Wettbewerb ist zu intensiv, die Zinskurve zu niedrig, als dass es möglich wäre, auf gemeinsame Synergiepotenziale zu verzichten. Und dazu gehören Standardprozesse und -produkte, die zum Beispiel vom Rechenzentrum und dem Sparkassenverlag unterstützt werden. Aber es bedeutet auch, dass kundengetriebene Anforderungen mitunter individuelle Lösungen erfordern, beispielsweise im Konsortial- und Großkundengeschäft oder im internationalen Geschäft.
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