Anzeige
Anzeige

Exklusiv für Abonnenten

Dieser Beitrag steht exklusiv Abonnenten des SparkassenZeitung Portals zur Verfügung.
Bitte loggen Sie sich hier ein:

Haben Sie Ihr Passwort vergessen oder benötigen Sie ein neues?
Hier anfordern

Weitere Informationen zu Produkten, Bestellmöglichkeiten mit Testzugang, Lizenzprüfung oder FAQs finden Sie im Bereich Abo-Service.
Bei Fragen nehmen Sie gern Kontakt online mit uns auf oder rufen Sie uns an:
Tel.: +49 711 782-1173.

Passwort vergessen

Geben Sie Ihre E-Mail Adresse an und erhalten Sie einen Link um Ihr Passwort zurückzusetzen.

Bitte geben Sie hier Ihre E-Mail-Adresse an, mit der Sie bei uns registriert sind. Nach dem Klicken auf "Absenden" bekommen Sie eine Mail mit dem Link. Klicken Sie den Link an oder kopieren Sie diesen in die Adressleiste Ihres Internetbrowsers. So werden Sie automatisch angemeldet und können Ihr Passwort ändern.

Anzeige
13. Juli 2018 - 06:00Private Equity

Massenhafte Beteiligung

von Stefan Bottler

Im Beteiligungsgeschäft geht es aufwärts. Viele Anbieter konzentrieren sich auf das Geschäftsfeld Nachfolge, Wachstumsprojekte tun sich oft schwer, Investoren zu finden. Mit der Plattform "Crowd-Investing" gibt es im Verbund jetzt eine Alternative zu herkömmlichen Finanzierungsformen.

Die Menge macht‘s – wenn genug Kleinanleger auf einer Plattform wie Crowdinvest Geld sammeln, steigt die Summe an beteiligungsähnlichem Kapital – Start-ups können gedeihen und Unternehmen wachsen. (Grafik: dpa)
Gemeinsamkeit macht stark. Diese alte Erfahrung macht sich Crowd-Investing zunutze. Auf Internetplattformen unterstützen beliebig viele Investoren und Anleger Start-ups und andere Jungunternehmen. Wenn allerdings deren Geschäftskonzepte und Projekte scheitern, drohen die Geldmittel verloren zu gehen, zumal es sich häufig um Nachrangdarlehen handelt. Diese Gefahr will die neue Plattformgesellschaft Deutsche Crowdinvest in Saarbrücken so gering wie möglich halten.

Die Crowdfunding-Plattform biete Jungunternehmern und Wissenschaftlern die Möglichkeit, über private Investoren oder Unternehmen eigenkapitalähnliche Mittel einzusammeln, erläuterten jetzt die Geschäftsführer Michael Schmidt, Georg Rase und Jörg Regitz. „Damit unterstützt die Plattform die wirtschaftliche Verwertung von Forschungsergebnissen“, sagt Regitz. Wenn mithilfe des eingeworbenen Fremdkapitals wissenschaftliche Erkenntnisse in wirtschaftliche Innovationen münden könnten, habe das auch positive Effekte für den Arbeitsmarkt.

Ausdrücklich ermuntert das Unternehmen, an dem die Sparkasse Saarbrücken, SaarLB und die Saarländische Investitionskreditbank beteiligt sind, auch im Markt bereits etablierte Unternehmen, neue Geschäftsfelder und Projekte mithilfe von Crowd-Investing zu finanzieren. Zu den ersten Kunden der Deutschen Crowdinvest gehört Qbing. Der 2008 gegründete Lösungsentwickler für Logistik- und Produktionsprozesse will mit per Crowd-Invest eingesammelten Geldern neue Anwendungen mit der sogenannten Transpondertechnologie entwickeln, die elektronische Signale empfängt, verstärkt und umwandelt.

Wollen aus Forschungsergebnissen Wirtschaftsunternehmen machen: Crowdinvest-Geschäftsführer (von links) Jörg Regitz, Michael Schmidt und Georg Rase (Crowdinvest)
Ende Juni 2018 waren bereits mehr als 20 000 Euro eingegangen, immerhin mehr als 40 Prozent des Mindestvolumens von 50 000 Euro. Die Konditionen sind attraktiv. Bei drei Jahren Laufzeit winken den Investoren 5,5 Prozent Zinsen. Für die Gründer der Deutschen Crowdinvest ergänzt die Plattform Finanzierungsangebote für neue Geschäftsideen. „Wachstumsstarke Unternehmen können zusätzlich zu Hausbank- und Fördermitteln eigenkapitalähnliche Mittel einsammeln“, sagt Geschäftsführer Michael Schmidt.

Für manchen Finanzmarktexperten birgt Crowd-Investing noch mehr Potenzial. Auch im Private-Equity-Markt könne diese Finanzierungsform Fuß fassen. Während der vergangenen Jahre sind verstärkt Private-Debt-Fonds eingestiegen. Für die Finanzierung größerer Projekte sind Plattformen ebenso wie Fonds vor allem dann attraktiv, wenn die Kapitalnehmer nicht nur von einzelnen Kapitalgebern abhängig sein wollen und über operative und strategische Ziele weiterhin selbst entscheiden möchten.

Beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) in Berlin stößt der Saarbrücker Kick-off für die Deutsche Crowd­invest auf Interesse und Resonanz. „Auch für Crowd-Investing kann endlich Beteiligungskapital mit Sparkassenqualität akquiriert werden“, sagt Markus Schulz, DSGV-Abteilungsdirektor Firmenkunden. Als Konsequenz dürfte der Wettbewerb im Privat-Equity-Markt weiter zunehmen.

Die saarländische Wirtschaftministerin Anke Rehlinger (links) mit dem Crowdinvest-Vorstandsteam (rechts) bei einer Kick-off-Verantstaltung im Haus der Wirtschaftsförderung in Saarbrücken. (Crowdinvest)
Tochterunternehmen von Sparkassen und Landesbanken sowie weitere Beteiligungsgesellschaften mit öffentlich-rechtlichen Gesellschaftern haben sich im Markt für Wachstumsfinanzierungen längst einen Namen gemacht. Die Beteiligungsgesellschaften der Sparkassen-Finanzgruppe haben im vergangenen Jahr insgesamt mehr als eine Milliarde Euro investiert. Davon sind 41 Prozent in Unternehmen mit neuen Geschäftsfeldern und -konzepten geflossen.

Mittelstand erwartet Beratung von Sparkassen

14 Prozent wurden für Management-Buyout-Projekte ausgegeben. Vor allem Familienunternehmen, die die Nachfolge regeln wollen, wünschen Beteiligungen oder Übernahmen. Sechs Prozent gingen an Start-ups, für die übrigen 39 Prozent blieb der Verwendungszweck offen.

DSGV-Experte Schulz erwartet künftig mehr Wachstum bei den Finanzierungen per Management-Buyout. Schulz verweist auf eine neue Untersuchung des Instituts für Mittelstandsforschung (IFM) in Bonn, wonach etwa 43 von 1000 Familienunternehmen bis 2023 ihre Nachfolge regeln wollen.

Vor allem in den großen Flächenstaaten Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein- Westfalen stehen viele Mittelstandsbetriebe vor dieser Herausforderung. Dem IFM zufolge regeln bereits jetzt 47 Prozent der Familienunternehmen ihre Nachfolge extern. „Für diese Zielgruppen sind die öffentlich-rechtlichen Institute erste Ansprechpartner“, sagt der DSGV-Experte. Sparkassen sollten diesen Trend nicht ignorieren. Wer bislang im Private-Equity-Markt nicht präsent sei, sollte einen Einstieg jetzt prüfen, sagt Schulz.

Uwe Johmann, Vorstandsmitglied der Sparkasse Saarbrücken, informiert über die umfangreichen Möglichkeiten von Crowdfunding. (Crowdinvest)
Auch der Private-Equity-Monitor der Hans-Böckler -Stiftung sieht bei Management-Buyouts steigende Nachfrage von Familienunternehmen. „Verstärkt schauen sich die Investoren auch nach kleinen Unternehmen um“, schreibt Monitor-Autor Christoph Scheuplein. Beteiligungsgesellschaften sind im deutschen Markt so präsent wie noch nie. 2016 haben sie laut Private-Equity-Monitor 212 Unternehmen mit insgesamt 106 000 Beschäftigten übernommen, ein Plus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Knapp zwei Drittel der übernommenen Unternehmen beschäftigten weniger als 250 Mitarbeiter.

2017 und 2018 dürften die Übernahmezahlen weiter steigen. Außer Softwareanbietern und weiteren IT-Dienstleistern wurden laut Scheuplein vor allem Maschinenbau-, Elektrotechnik-, Chemie- und kunststoffverarbeitende Unternehmen übernommen – das sind genau die Branchen, in denen es überdurchschnittlich viele mittelständische Unternehmen gibt. Mit einem Anteil von 47 Prozent machten Gründer, Erben und Familienunternehmer den Löwenanteil bei den Verkäufern aus.

Als Folge der niedrigen Zinsen drängen laut Monitor immer neue Anbieter in den Markt und treiben die Kaufpreise für Unternehmen weiter nach oben. Vor allem Family Offices, die private Großvermögen verwalten, suchen nach Anlagemöglichkeiten und haben die Private-Equity-Branche für sich entdeckt. Die öffentlich-rechtlichen Beteiligungsgesellschaften können sich dem Trend nicht entziehen und zahlen für Beteiligungen heute deutlich mehr als noch vor wenigen Jahren. Laut Auskunft des Hannoveraner Verbundunternehmens Nordholding müssen manche Unternehmensbewertungen heute auf Basis des zehnfachen Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen vorgenommen werden. Vor Kurzem habe noch der Faktor Acht genügt.

„Antizyklische Beteiligungen sind gefragt“: Nordholding-Chef Andreas Bösenberg (Foto: Nordholding)
„Vor allem antizyklische Beteiligungen sind jetzt gefragt“, sagt Andreas Bösenberg, Geschäftsführer des Hannoveraner Finanzdienstleisters Nordholding. Weil die Sorge vor einem wirtschaftlichen Abschwung zunehme, gehe die Nachfrage nach Automotive-Unternehmen zurück, in geringerem Umfang auch diejenige nach Chemieunternehmen. Das Interesse an Healthcare-Unternehmen nehme hingegen zu.

Bösenberg sieht „Traumkunden“ in regionalen Familienunternehmen, die einen Management-Buyout wünschen. „Weil deren Strukturen häufig noch auf die Gründer zugeschnitten sind, müssen sie häufig völlig umgebaut werden“, sagt der Nordholding-Geschäftsführer. Dagegen können mit einem Management-Buy-in Wachstumspotenziale realisiert werden. Wenn der Käufer Persönlichkeiten mit Branchen- und Managementerfahrungen engagieren kann, falle auch die Erschließung von neuen Geschäftsfeldern und die Entwicklung von weiteren Produkten und Dienstleistungen leichter. Dann gehen Nachfolgeregelung und Wachstumsfinanzierung Hand in Hand – Bösenberg spricht von „Buy and Build“.

Allerdings ist die Suche nach Managern schwierig, die solch einen Prozess in die Wege leiten. „Kandidaten müssen einerseits mit Umstrukturierungen und Personalentscheidungen dem Unternehmen ihren Stempel aufdrücken, und andererseits diplomatisches Fingerspitzengefühl beweisen können, wenn der Verkäufer als Mitgesellschafter oder Aufsichtsrat weiterhin mitwirkt“, sagt Bösenberg.

Jüngstes Beispiel für die Buy-and-Build-Strategie der Nordholding ist das Digitaldruckunternehmen PPS Imaging mit sieben deutschen und zwei internationalen Standorten. Im Mai 2017 erwarb die Nordholding die Mehrheit an dem Hamburger Unternehmen. Im Oktober 2017 unterstützte die Nordholding PPS Imaging bei der Übernahme des Berliner Portals Klebefinder, eine Akquisition, die das E-Commerce-Angebot von PPS abrundet.

„Viele Verkäufer wünschen Buy-and-Build-Strategien“: Florentin Walker, Geschäftsführer S-Kap, Pforzheim. (S-Kap)
Reine Wachstumsfinanzierungen seien allerdings rückläufig. Während der vergangenen zwölf Monate habe die Nordholding solche Projekte nicht mehr realisiert, sagt Bösenberg. Andere öffentlich-rechtlichen Dienstleister finanzieren hingegen fast ausschließlich Nachfolgeregelungen. Florentin Walker, Geschäftsführer der Pforzheimer Beteiligungsgesellschaft S-Kap, sagt, das Tochterunternehmen der Sparkasse Pforzheim Calw habe während der vergangenen zwei Jahre 20 neue Beteiligungen abgeschlossen und halte jetzt 84 Beteiligungen an 60 Unternehmen.

Viele Verkäufer wünschten Buy-and-Build-Strategien. Weil sie wegen der niedrigen Zinsen im Kapitalmarkt ohnehin nicht unter Verkaufsdruck stehen, forderten sie von Private-Equity-Anbietern „stimmige Übernahmekonzepte und nachhaltige Entwicklungsperspektiven“, sagt S-Kap-Chef Walker.

Schneller Gewinn ist oft kontraproduktiv

S-UBG-Vorstand Bernhard Kugel (links) mit seinem Vorstandskollegen Harald Heidemann. (S-UBG Aachen)
Doch vor allem kleine Unternehmen möchten strategischen und operativen Handlungsspielraum behalten und begnügen sich mit mezzaninen Minderheitsbeteiligungen. Walker zufolge macht mezzanines Kapital zwei Drittel des Beteiligungsgeschäfts aus. „Bei Übernahmefinanzierungen beobachten wir insgesamt einen Rückgang der Eigenkapitalanteile“, sagt der Pforzheimer S-Kap-Geschäftsführer.

Die S-UBG Gruppe in Aachen beobachtet ähnliche Trends: „Der Mittelstand hat die Chancen, die Private Equity für Nachfolgeregelungen eröffnet, endlich erkannt“, sagt S-UBG-Vorstand Bernhard Kugel. Am liebsten investiere die S-UBG, an der ein halbes Dutzend Sparkassen im Rheinland beteiligt sind, mit anderen öffentlich-rechtlichen Private-Equity-Anbietern.

Für Kugel ermöglicht dies besonders nachhaltige Beteiligungen, die nicht sofort den schnellen Gewinn versprechen. „Wir können uns mit deren Verkauf bis zu 20 Jahre Zeit lassen“, sagt der Manager. So viel Zeit nimmt sich der private Wettbewerb meist nicht. Viele Anbieter verkaufen Beteiligungen bereits nach drei bis vier Jahren.
Anzeige
 Druck-PDF herunterladen

Kommentare zum Artikel (0)