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07. Februar 2018 - 09:07US-Banken

Nase vorn in der neuen Welt

von Markus Gärtner, USA

Regionalbanken und Kreditkooperativen in den USA haben die Geschäftsbanken überholt, wenn es darum geht, die Kundschaft zur häufigeren Nutzung der Onlineangebote zu motivieren.

Kunden mit und ohne Smartphone bei einer Filialeröffnung der US-Genossenschaftsbank Bethpage. Auch mit ihren Apps und digitalen Angeboten sind die zahlreichen Kreditkooperativen in den USA viel näher am Kunden als die Wall-Street-Banken, wie Umfragen zeigen. (dpa)
Es war ein besonderes Angebot, mit dem die "Consumers Credit Union" in Lake County im US-Bundesstaat Illinois ihre Mitglieder auf ihrer freundlich gestalteten weiß-blauen Website erfreuen wollte: Inmitten digitaler Weihnachtsglöckchen bot die Kreditgenossenschaft unter dem Motto "Holiday Skip-A-Pay" gegen eine Gebühr von 40 Dollar an, die Tilgung für Haus- oder Autokredit einen Monat lang auszusetzen. Für die Weihnachtseinkäufe sollte den Mitgliedern mehr Geld auf dem Konto bleiben.

Von der außergewöhnlichen Weihnachtsofferte abgesehen ist das Onlineangebot der 1911 von finnischen Einwanderern gegründeten Finanzkooperative allerdings eher schmal: Mit Überweisungen, Scheckreinreichungen, simplen Einzahlungen und Kontoabfragen ist die Consumers Credit Union eher untypisch für die kleinen Kreditanbieter in den USA. Dem jüngsten Monatsbericht des auf digitales Banking spezialisierten Software-Anbieters Malauzai zufolge haben die Regionalbanken und Kreditkooperativen mittlerweile die Geschäftsbanken überholt bei der Nutzung ihrer Onlineangebote − auch wenn sie wie die Consumers Credit Union eine sehr analoge Vergangenheit haben: Als Milchhändler in Illinois um das Jahr 1910 ihre Preise auf einen Schlag um 30 Prozent anhoben, begannen die Hausfrauen in der Region, ihre Milch direkt auf den Höfen der Milchbauern zu kaufen. Sie wurden selbst zu Milchhändlern, kauften die nötigen Anlagen, legten 2000 Dollar Kapital ein und gründeten mit 62 Mitgliedern jene Finanzgenossenschaft, die heute mit mehr als 83 000 Mitgliedern und einer Bilanzsumme von 930 Millionen Dollar eines der größten genossenschaftlichen Institute im ganzen Bundesstaat ist.

Die im Vergleich zu den US-Großbanken immer noch kleinen Kreditanbieter − wie eben die Consumers Credit Union − haben laut einer Umfrage mit 875 000 Usern bei mehr als 400 Banken und sparkassenähnlichen Instituten im Onlinegeschäft inzwischen deutlich die Nase vorn. Fast drei Viertel der registrierten Onlinekunden bei den Kreditgenossenschaften hatten in den vergangenen 90 Tagen mindestens einmal eines der digitalen Angebote genutzt − zehn Prozentpunkte mehr als bei den Geschäftsbanken. So berichtet es das Softwarehaus Malauzai in seinem Report mit dem Titel "Monkey Insights“, zu deutsch "Einsichten eines Affen": Die Kreditgenossenschaften schnitten "bei dieser Statistik auf ganzer Linie besser ab“.

Kleine Institute profitieren von ihrer Agilität


"Es gibt eine enge Beziehung zwischen dem Leistungsumfang der jeweiligen App und der Inanspruchnahme der Kunden“, versucht Malauzai eine Erklärung für den digitalen Vorsprung der Regionalbanken, Sparkassen und Kooperativen. Doch viel ist das nicht. Erst ein genauerer Blick auf die Zahlen und Marktverhältnisse erklärt, warum die kleinen Institute die Onlinekundschaft auf einigen Kanälen besser mobilisieren. Zunächst fällt auf, dass die Finanzbranche insgesamt die Einzahlungen von Mobilgeräten aus noch relativ stark beschränkt. Das engt die Kundschaft kleiner Kreditinstitute, wo es sich ohnehin um kleinere Transaktionen handelt, weniger ein. Bei der Hälfte aller Finanzdienstleister liegen diese Einzahlungen per Smartphone oder Tablet bei weniger als 400 Dollar. Offenbar bekommen die kleineren Institute auch die Einzahlungen von unterwegs aus besser in den Griff, wenn es um die Sicherheit geht. Lediglich 67 Prozent aller Finanzdienstleister berichten laut dem Technologieberater Celent, dass sie bei Onlineeinzahlungen mit Mobilgeräten keine Verluste erleiden. Banken mit mehr als 50 Milliarden Dollar Bilanzsumme verlieren am meisten Geld durch Missbrauch. Bei den kleineren Dienstleistern ist das weniger ein Problem.

Der wahre Grund für den Vorsprung, den sich die kleineren Institute in den USA erarbeitet haben, ist ein ganz anderer: Weil sie bei deutlich verschärfter Regulierung und dem Mehrfronten-Wettbewerb gegen Geschäftsbanken und Fintech-Firmen agiler geworden sind, haben die Kreditgenossenschaften in den USA mit Hilfe ihrer "CU Solutions Group", einer verbandseigenen Service-Organisation, eine Kampagne für mehr digitales Engagement der Kunden und Mitglieder gestartet. Die CU Solutions Group hat eine Mobil-App entwickelt, die auf existierende Apps einzelner Institute aufsetzt und diese stark erweitert. Mit der "Lifesteps Wallet" genannten App können Kunden eine direkte Onlineverbindung zu allen möglichen Händlern herstellen und dabei anstatt Paypal oder vergleichbaren Anbietern bevorzugt die Kredit- und Kundenkarten der Kreditgenossenschaften benutzen.

Onlinekunden sind umsatzstärker


"Wenn ein Mitglied sich bei einem Onlineangebot umschaut, oder einen Kauf abschließt, taucht die Kundenkarte des Finanzdienstleisters als erste Option auf, egal, ob es um eine Immobilie, ein Auto oder eine bestimmte Finanzierung geht", heißt es in einer Pressemitteilung der CU Solutions Group. Die gezielte Erweiterung der Onlineanwendungen für die Kleinbanken-Apps hat neben dem wachsenden Wettbewerb auch noch einen anderen Hintergrund: Laut dem Technologiespezialisten Fiserv, der sich mit kleinen Kreditinstituten gut auskennt, verdienen genossenschaftliche Finanzdienstleister 36 Prozent mehr Geld mit Kunden, die nicht nur die Zweigstellen besuchen, sondern auch digitale Angebote nutzen.

Die Kampagne der genossenschaftlichen Finanzdienstleister durch ihre CU Solutions Group darf auf zusätzlichen Rückenwind durch die prognostizierte Entwicklung des digitalen Marktes hoffen. Kleine Unternehmen mit weniger als einer Million Dollar Umsatz pro Jahr, die bevorzugt bei Sparkassen und Kreditkooperativen Beratung suchen, greifen laut Celent deutlich verstärkt auf Onlinekanäle zurück. So haben in den vergangenen drei Jahren lediglich 15 Prozent von ihnen von Mobilgeräten aus Einzahlungen vorgenommen. Dieser Prozentsatz soll schon bald auf 25 Prozent ansteigen. Eine starke Zunahme wird vor allem der gleichzeitigen Online-Einreichung mehrerer Schecks auf einmal vorhergesagt, ein Angebot, das vor allem Kleinunternehmer annehmen dürften.

Für die Zweigstellen kleinerer Finanzdienstleister eröffnet sich in diesem Zusammenhang auch noch eine weitere Chance. Wenn so viel zusätzliche Kunden auf die digitalen Angebote zurückgreifen, wird in den Zweigstellen, wo man Kunden und Mitglieder gut kennt, mehr Personalkapazität frei, um die Zweigstellen in das zu verwandeln, was sie nach Aussagen von Finanzexperten ohnehin werden müssen: Verkaufs- und Service-Plattformen.
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