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17. Juli 2017 - 08:30Aktienrisiken

Neue Bemessungsstandards

von Dr. Silvio Andrae, Matthias Hetmanczyk-Timm

Institute stocken aufgrund der Ertragslage ihre Aktienquoten auf. Da ist es wichtig zu wissen, wie Aktienrisiken künftig bemessen werden. Der Beitrag liefert praktische Hinweise zum Berechnungsverfahren.

Eine Kurzzusammenfassung finden Sie hier.

Eigentlich sollen risikosensitivere Verfahren zu geringeren Kapitalbelastungen führen. (sdecoret/fotolia)
Angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase weiten die Institute sukzessive ihre Aktienbestände aus. Bei großen Instituten geschieht das in der Direktanlage. Bei kleinen Instituten erfolgt dies in der Regel über eine Neuausrichtung der Investmentfondsmandate. Auch den Landesbausparkassen erlaubt der Gesetzgeber seit einiger Zeit höhere Aktienquoten.

In einer solchen Situation ist es wichtig zu wissen, wie die Aktienrisiken künftig gemessen und mit Kapital unterlegt werden. Die Europäische Kommission hat Ende November 2016 ein Paket zur Überarbeitung der Kapitalverordnung (CRR II) vorgelegt. Darin sind auch die neuen Verfahren zur Berechnung der Marktrisiken enthalten. Sie setzen wesentliche Punkte des im Januar 2016 veröffentlichten Baseler Marktrisikostandards um (siehe BBL 04/16: Sensitivitäten berechnen). Die Anforderungen lassen sich grob in drei Teilbereiche untergliedern:
  1. Abgrenzung des Handelsbuchs
  2. Einführung eines neuen Standardansatzes zur Bemessung von Marktrisiken
  3. Neue Vorgaben für interne Marktrisikomodelle (dieser Aspekt wird in diesem Beitrag nicht behandelt).
Die aktuelle Zuordnung von Positionen zum Handelsbuch wird wegen des primären Kriteriums der subjektiven Handelsabsicht kritisiert. Die neuen Regeln sollen zu einer präziseren Festlegung von Handels- oder Anlagebuchpositionen führen. Am Prinzip der Handelsabsicht wird zunächst festgehalten. Um dem zentralen Kritikpunkt aber entgegenzuwirken, enthalten die neuen Regeln neben verpflichtenden Zuordnungsvorgaben für bestimmte Positionen auch eine Liste von Finanzinstrumenten. Für diese Produkte ist eine grundsätzliche Handelsbucheinstufung vorgeschrieben. An Börsen notierte Aktien stehen auf dieser Liste. Sie sind also generell dem Handelsbuch zuzuweisen.
In einem ersten Schritt wird im Folgenden die neue Anforderung zur Bemessung von Aktienrisiken kurz dargestellt. Anschließend wird anhand eines Beispielportfolios gezeigt, welche Kapitalwirkungen die neuen Vorschriften im Vergleich zum Status quo haben. Abschließend werden ausgewählte geschäftspolitische Implikationen diskutiert.

Anwendung des neuen Marktrisikostandardansatzes

(BBL)
Die Eigenmittel für die Marktrisiken setzen sich im neuen Standardansatz aus verschiedenen Teilrisiken zusammen. Sie umfassen neben dem allgemeinen Zinsrisiko, dem Spread-Risiko, dem Fremdwährungs- und Rohwarenrisiko auch das Aktienkursrisiko. Hinzukommen das Ausfallrisiko und ein Zuschlag für sonstige Risiken. Gemeint sind hier vor allem die Modellrisiken (s. Abb. 1).

Die ersten fünf Risikoklassen sind klassische Marktrisiken. Sie leiten sich aus der ungünstigen Entwicklung von beobachtbaren Marktpreisen ab. Das Ausfallrisiko kann nicht direkt auf handelbare und damit absicherbare Preise bzw. Instrumente zurückgeführt werden. Die Eigenmittel für die fünf Risikoklassen werden danach aufgeteilt, ob es sich um lineare oder nicht-lineare Preisänderungen handelt. Die linearen Preisänderungen sind für alle Instrumente – also auch Aktienpositionen – zu berechnen. Hier geht es zunächst um das Delta-Risiko dieser Positionen. Es wird betrachtet, wie sich der Wert einer Position verändert, wenn sich der zugrundeliegende Risikofaktor ändert.
Hinzukommt das Vega-Risiko, das die Volatilität des Risikofaktors erfasst. Dieses Risiko ist allerdings nur für Optionen – wie zum Beispiel eine Aktienoption – zu berechnen. Schließlich gibt es das sogenannte Konvexitäts- oder Krümmungsrisiko. Es erfasst die Auswirkung, dass sich der Delta-Wert bei Änderung eines Risikofaktors selbst verändert.
Bei den fünf Risikoklassen ist zusätzlich zu beachten, dass die Eigenmittel für insgesamt drei Korrelationsszenarien berechnet werden müssen. Beim Standardszenario beträgt der Faktor für die anzuwendenden Korrelationen 1,0. Es werden also die im Standardansatz vorgegebenen Werte verwendet. Hinzukommen zwei weitere Szenarien. Die Szenarioergebnisse sind mit einem erhöhten Korrelationsfaktor von 1,25 bzw. einen verringerten Faktor von 0,75 zu multiplizieren. Für die Eigenmittelunterlegung wird der jeweils größte Wert aus den drei Szenarien angesetzt.
(BBL)
Die den fünf Risikoklassen zugeordneten Instrumente werden im Standardansatz zerlegt. Die kleinste Ebene ist die der Risikofaktoren. Dies sind beobachtbare Marktpreise wie der Aktienkurs. Die Einteilung in Risiko-Buckets auf der zweiten Ebene orientiert sich an Marktsegmenten. In einem Risiko-Bucket weisen verschiedene Risikopositionen gemeinsame Merkmale auf. So können verschiedene Risikofaktoren eine gemeinsame Währung haben oder zur selben Branche gehören. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass risikoarme bzw. risikoreiche Geschäfte unterschiedliche Risikogewichte erhalten. Den Zusammenhang zwischen den verschiedenen Ebenen zeigt Abbildung 2.
Das Institut muss für alle zu unterlegenden Finanzinstrumente Sensitivitäten in Bezug auf die definierten Risikofaktoren berechnen. Die Sensitivitäten sind die Grundlage für die Delta- und Vega-Komponenten der fünf Risikoklassen. Die Delta-Sensitivität für eine Aktienposition entspricht dem Marktpreis der Aktie. Für die nicht-linearen Preisänderungen sind neben dem aktuellen Marktpreis zusätzlich noch zwei Marktpreise bei gestressten Marktbedingungen erforderlich. Die Berechnung der Ausfallrisiken basiert auf Marktwerten. Die Berechnung der Modellrisiken basiert dagegen auf Nominalwerten und nicht auf Sensitivitäten.
(BBL)
Für eine Aktienposition soll einmal am Beispiel der Lufthansa-Aktie die Berechnung im Standardansatz veranschaulicht werden. Sie hat für das Beispiel einen Aktienkurs von 15 Euro. Damit beträgt auch die Delta-Sensitivität 15 Euro.

Die Aktie der Lufthansa gehört zum Risiko-Bucket Nummer 5, denn es handelt sich um ein Verkehrsunternehmen mit einer Marktkapitalisierung größer als zwei Milliarden Euro. Für die Aktien dieses Buckets wird ein Risikogewicht von 30 Prozent unterstellt (s. Abb. 3).

Damit beträgt der Verlust (WS5) 4,50 Euro. Dies entspricht der Formel 3 in Abbildung 4. Weil wir nur eine Aktienposition im Bucket Nr. 5 haben, stellen diese 4,50 Euro gleichzeitig auch den Anrechnungsbetrag für die Delta-Aktienrisiken dar. Die Aggregationsformeln Nr. 4 und 5 entfallen in diesem Fall.
Im Folgenden beschreiben die Autoren ein Fallbeispiel mit mehreren Aktienpositionen. Zudem wird verglichen, zu welchen Ergebnissen die verschiedenen Verfahren zur Eigenmittelunterlegung von Marktrisiken führen.
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  1. Neue Bemessungsstandards
  2. Fallbeispiel eines Aktienportfolios
  3. Portfoliovergleich
  4. Fazit
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