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| Chefvolkswirte

"Antizyklischer Kapitalpuffer wäre kontraproduktiv"

Die Konjunkturrisiken blieben sehr hoch, schreiben die Chefvolkswirte und fordern: Dem sollte auch die deutsche Aufsicht Rechnung tragen.

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"Eine Aktivierung des antizyklischen Kapitalpuffers wäre derzeit kontraproduktiv und könnte die Erholung gefährden." Das schreiben die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe in ihren aktuellen Informationen zur Wirtschaftslage. Als größte Risiken identifizieren die Volkwirte den erneut zugespitzten Handelskonflikt der USA mit China, die sicherheitspolitische Krise am Persischen Golf und den Brexit. All das habe "das Potenzial, der Weltwirtschaft einen Rückschlag zu verpassen".

Strukturell gesehen herrsche in Deutschland eine "gespaltene Situation". Es sei nicht alles so erholt und ausgeheilt, wie es die zum Wachstum zurückgekehrte gesamtwirtschaftliche Entwicklung auf den ersten Blick suggeriere. Zwar herrsche ein Boom in der Bauwirtschaft, nicht aber in der Industrie. Auch die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe lägen seit Monaten unter den Vorjahreswerten. Falls die Geldpolitik im Euroraum noch länger sehr expansiv bleiben sollte, schlagen die Chefvolkswirte einen sogenannten Staffelzins für die Überschussliquidität vor, um schädliche Nebenwirkungen des Negativzinses für den Finanzsektor abzumildern.

EZB begrüßt den Kapitalpuffer

Laut Medienberichten berfürchtet die Europäische Zentralbank künftig vor allem abnehmendes Wachstum. Damit erhöhe sich die Notwendigkeit, die Ertragskraft von Banken zu stärken. Ein antizyklischer Kapitalpuffer wie in Deutschland sei daher zu begrüßen. Laut EZB-Schätzungen könnten europäische Banken in den nächsten zwei bis drei Jahren nicht mehr als etwa sechs Prozent aggregierte Eigenkapitalrendite erreichen, hinzu kämen die niedrige Kosteneffizienz und die hohen Bestände an notleidenden Krediten.