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| Entwicklung − Interview/mit Video

„Den deutschen Sparkassen ist auch geholfen worden“

Der ehemalige DSGV-Präsident Heinrich Haasis plädiert dafür, dass die Sparkassen sich stärker für die Versorgung mit Finanzdienstleistungen in Entwicklungsländern engagieren. Die Lage des Finanzsektors insgesamt ist nach seiner Einschätzung unsicherer geworden.

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Heinrich Haasis im Gespräch mit der SparkassenZeitung: Gerade mit Frauen arbeitet die Stiftung in Entwicklungsländern zusammen. © Michael Altenhenne

DSZ: Herr Haasis, Sie sind mittlerweile seit gut sechs Jahren Vorstandsvorsitzender der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation. Was hat sich bei der Stiftung geändert, wo geht sie hin?
Heinrich Haasis: Der Schwerpunkt besteht nach wie vor darin, in anderen Ländern eine Versorgung mit Finanzdienstleistungen zu gewährleisten. Die Stiftung hilft beim Aufbau von Finanzinstituten, bei der Ausbildung der Mitarbeiter und Kunden. Das ist so, seit Helmut Geiger, mein Vor-Vor-Vorgänger als DSGV-Präsident, die Stiftung nach der deutschen Wiedervereinigung1992 gegründet hatte. Das damals praktizierte Modell, bei dem Partnersparkassen aus der früheren Bundesrepublik mit Häusern aus der ehemaligen DDR kooperierten, war so erfolgreich, dass er dies weiter in die Welt tragen wollte. Verändert hat sich, dass wir mittlerweile in viel mehr Ländern als früher aktiv sind, aktuell etwa 50 an der Zahl. Dazu gehören auch immer mehr afrikanische Länder. Und die Ausrichtung der Projekte hat sich teilweise geändert, die Themen Klima und „Fluchtursachen bekämpfen“ rücken in den Vordergrund.

 
Heinrich Haasis (73) ist Vorstandsvorsitzender der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation. Im November 2018 wurde der gebürtige Balinger zum Ehrenpräsidenten des Weltinstituts der Sparkassen (WSI) ernannt, nachdem er sechs Jahre lang dessen Präsident war (Lebenslauf am Ende des Textes). © Stiftung

DSZ: Wie entwickelt sich das Volumen der verfügbaren Mittel?
Haasis: Wir haben unser Projektvolumen seit der Gründung auf 20 Millionen Euro nahezu verzehnfacht. Leider sind aber nur 70 Prozent der Sparkassen Mitglieder der Stiftung, die ja ein freiwilliger Verein ist. Da würde ich mir mehr wünschen. Unser jährlicher Beitrag ist steuerlich abzugsfähig und überschaubar: Er beginnt bei 500 Euro bei den kleinsten Sparkassen, Großsparkassen zahlen 7000 Euro. Und wir holen viel an Komplementärmitteln heraus: Wenn wir 1000 Euro bekommen, machen wir daraus mit externen Fördermitteln pro Jahr 20.000 Euro.

DSZ: Welcher Anteil der Stiftungsmittel kommt von den Instituten der Sparkassen-Finanzgruppe?
Haasis: Wir haben im vergangenen Jahr 998.000 Euro von den Häusern bekommen, der Großteil unserer Mittel kommt aber vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und von Einrichtungen wie der Weltbank. Es steht uns als gemeinwohlorientierten Unternehmen allerdings sehr wohl an, etwas im übrigen Teil der Welt zu tun, obwohl wir lokale Institute sind. Auch unsere Existenz hängt davon ab, dass wir einen funktionierenden Staat und eine Rechtsordnung haben, die öffentlich-rechtliche, lokale Institute zulässt. Uns ist auch geholfen worden – denken Sie an den Marshall-Plan nach dem Krieg.

DSZ: Welches Projekt der Stiftung erachten Sie als besonders erfolgreich?
Haasis: Besonders intensiv haben wir in den vergangenen Jahren in Mexiko gewirkt. Unser dortiges Büro hatte zeitweilig 70 lokale Mitarbeiter, die sich um den Aufbau kleinerer Institute in der Fläche gekümmert haben. In Mexiko ist – oder war – es wie in vielen anderen Ländern: In der Hauptstadt sind alle Banken dieser Welt vertreten, wenn Sie aber eine Stunde rausfahren, finden Sie gar nichts mehr. Es geht darum, den Bauern und Handwerkern vor Ort dabei zu helfen, eine Existenz aufzubauen.

DSZ: Wodurch unterscheidet sich die Arbeit in unterschiedlichen Regionen?
Haasis: Wir sind in Lateinamerika bereits stark vertreten, was auch mit dem Engagement einzelner Personen aus unserer Gruppe zusammenhängt. Wir sind von El Salvador nach Kolumbien und dann nach Ecuador, Chile und noch einige andere lateinamerikanische Länder gegangen. Peru ist das einzige Land der Region, in dem es kommunal getragene Sparkassen gibt wie in Deutschland. Dieses Modell wurde Mitte der 1980iger Jahre durch den DSGV mit initiiert. Die Sparkassen haben auch ein Logo, das so ähnlich aussieht wie unser S, ein A in Rot (Caja de Ahorro). Mir gefällt das sehr gut, wenngleich es natürlich nicht mit der Mustersatzung des DSGV kompatibel ist.

 
Heinrich Haasis im Gespräch mit Chefredakteur Oliver Fischer in Berlin. © Altenhenne

DSZ: Neuerdings engagiert sich die Stiftung sogar im sozialistischen Kuba.
Haasis: Das Land hat sich in den vergangenen Jahren ja etwas geöffnet. Es gibt etwa 100 000 Selbstständige, die Gaststätten, Beherbergungsbetriebe, Boutiquen oder Einzelhandelsgeschäfte betreiben. Wir lehren dort die Finanzinstitute, wie man Kredite vergibt, vor allem Kleinkredite, an Leute, die sich selbstständig machen. Bankangestellte besuchen die Menschen, die einen Kredit haben möchten. So etwas hat es vorher nicht gegeben. Mitarbeiter haben uns bestätigt, dass sie nie auf die Idee gekommen wären, zu einem Töpfer zu gehen, um seine Arbeit zu beurteilen. Wir bilden auch die Kunden in kaufmännischen Fragen aus. Wie gründet man überhaupt ein Geschäft? Wie bilanziert man das?

DSZ: Schreiben die Regionalinstitute in Kuba eine ähnliche Erfolgsgeschichte wie die ostdeutschen Sparkassen nach dem Mauerfall?
Haasis: Nein, es ist leider viel mühsamer, denn je erfolgreicher die Privatunternehmen in Kuba sind, desto mehr fängt der Staatsapparat wiederum an, die Unternehmen zu deckeln. Da gibt es ein Auf und Ab. Immerhin hat die Stiftung mittlerweile gute Kontakte zur Regierung und ist gebeten worden, ihre Aktivitäten auszuweiten. Vor wenigen Wochen war bei uns die Ministerin für die Zentralbank zu Besuch, die gleichzeitig Zentralbankchefin ist. Es gibt nun einen Vertrag mit der Nationalbank über den Ausbau der Finanzwirtschaft, der Ostdeutsche Sparkassenverband hilft uns bei der Umsetzung. Unter dem Strich ist das Engagement also ermutigend.

DSZ: Wie läuft die Arbeit in Afrika?
Haasis: Wir sind hier zwar stärker vertreten, wie erwähnt, aber hier gestaltet sich die Arbeit als manchmal zäh. Die Kultur ist anders als anderswo, was sich auch beim Thema Korruption zeigt. Wir tun uns teilweise schwer, dort überhaupt die Haltung zu fördern, dass man sich an bestimmte Bedingungen halten muss, dass Regeln einzuhalten sind.

DSZ: Sollte die Stiftung sich dann nicht eher auf andere Länder konzentrieren?
Haasis: Nein, Afrika dürfen wir nicht vernachlässigen. Bedenken Sie das explosive Bevölkerungswachstum. Horst Köhler, mein Vor-Vorgänger als DSGV-Präsident und späterer Bundespräsident, hat zu Recht gesagt, wer Afrika hilft, hilft Deutschland. Das heißt umgekehrt, wenn wir Afrika nicht helfen, werden wir Dinge erleben, die man sich gar nicht vorstellen kann. Eine Milliarde Menschen mehr in einer Generation ohne Erwerbsmöglichkeit, ohne Ernährungsmöglichkeiten – das ist die Katastrophe. Wir wollen dort helfen, dass junge Leute sich selbstständig machen können, dass Arbeitsplätze geschaffen werden, dass es Strukturen gibt, die den Leuten Chancen eröffnen. Damit sie sehen, dass sie im eigenen Land etwas erreichen können. Wir haben ganz aktuell ein Projekt in Ghana begonnen, um dort den Finanzsektor zu entwickeln und so Unternehmensgründungen zu fördern. Und wir wollen Gespräche mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung darüber führen, ob wir in Afrika nicht noch forcierter vorgehen könnten.

 
Mit Schulungsteilnehmern in Mexiko: Heinrich Haasis (stehend, links) mit Sparkassenstiftungs-Vorstand Hans-Ulrich Schneider (zweiter von rechts) und Mitgliedern des Kuratoriums. © Stiftung

DSZ: In Asien ist die Arbeit wohl einfacher?
Haasis: In der Tat. Wir haben etwa in Vietnam und Myanmar Mikrokreditbanken mitgegründet. In Laos, Vietnam und Bhutan haben wir gemeinsam mit vielen Frauenorganisationen kleine lokale Banken aufgebaut. Übrigens arbeitet die Stiftung in vielen asiatischen Ländern – wie auch in vielen Ländern außerhalb Asiens - ausschließlich mit Frauen.

DSZ: Wieso arbeitet die Stiftung vorwiegend mit Frauen?
Haasis: Sie sind generell sehr verlässlich. Es gibt ja viele Regionen in der Welt, in denen Männer sich vor allem dadurch auszeichnen, dass sie die Konversation pflegen, vor dem Haus sitzen und Tee trinken. Die Frauen hingegen organisieren den Kleinbetreib, das, was an Landwirtschaft da ist, nehmen die Finanzen der Familien in die Hand. Toll, was diese Frauen leisten, wir haben die weitaus besten Erfahrungen mit ihnen gemacht. Es ist sehr schön mitzuerleben, wie eine Frau sich eine Suppenküche kauft. Nach zwei Jahren kann sie die zweite kaufen, in der die Tochter mithilft. Oder sie hat Hühner oder einen Ochsen gekauft und kann so die Landwirtschaft ausweiten. Bei den Kreditnehmerinnen haben wir eine Rückzahlungsquote von fast 100 Prozent.

DSZ: Wie erzielen die Kreditgeber diese traumhafte Quote?
Haasis: Wir vermitteln den Frauen „A loan is a loan and not a gift“ – dass diejenige, die einen Kredit bekommen will, ihn nicht nur zurückzahlen, sondern gleichzeitig etwas ansparen muss. Da mag man sich fragen, wie das geht bei 100 oder 200 Dollar Monatseinkommen. Aber es geht, selbst wenn es nur 50 Cent oder ein Dollar sind. Alle zwei Wochen treffen sich die Frauen, um den Kredit zurückzuzahlen. Die Beträge werden in ein kleines, rotes Büchlein, wie früher das Sparbuch, eingetragen. Bei den betreffenden Meetings mit der Dorfgemeinschaft gibt es auch Vorträge über Landwirtschaft, Düngung, über die Lebensverhältnisse. Das ist auch ein Stückweit soziale Erziehung oder auch sozialer Druck. Es funktioniert ausgezeichnet.

DSZ: Die Stiftung setzt sich vor allem für die Vergabe von Mikrokrediten ein. Diese geraten allerdings wegen überhöhter Zinsen immer wieder in Misskredit.
Haasis: Die Sparkassen in Deutschland waren in ihrer Frühzeit selbst Mikrofinanzinstitute und sind erst später Allfinanzinstitute geworden – unser Wissen geben wir gern weiter. In den Philippinen haben wir zum Beispiel einzelne Mikrokreditbanken gefördert und mit ihnen dann eine Bank gegründet, die auch Unternehmen mit etwas größeren Beträgen um die 5000 Dollar unterstützen soll. Die Sparkasse Essen war hier sehr aktiv. Das Problem, das Sie ansprechen, gibt es aber tatsächlich. Viele private Institutionen gründen Mikrokreditbanken und vergeben Kredite zu unsäglichen Bedingungen. Das macht es seriösen Anbietern schwerer, das Vertrauen der Kunden zu gewinnen. Wir versuchen in den einzelnen Ländern Marktstrukturen einzuführen, die die Vergabe von Wucherkrediten verhindern.

DSZ: Setzt sich die Stiftung auch für das Sparen ein?
Haasis: Ja, dazu haben wir zum Beispiel in den Ländern der früheren UdSSR den Weltspartag wieder ins Leben gerufen. Der ist ja 1924 von unserem Weltinstitut damals in Mailand ausgerufen worden. Deutschland ist eines der wenigen Länder, die den Weltspartag traditionell pflegen. Das tragen wir jetzt auch in weitere Länder. Von Vorteil ist dabei, dass wir Materialien nutzen können, die vom Deutschen Sparkassenverlag oder von der Abteilung Geld und Haushalt des DSGV produziert werden. Wir müssen sie nur übersetzen und an die lokalen Verhältnisse anpassen, wobei uns die Sparkassen helfen. Das „Knax“-Heft gibt es zum Beispiel in Südamerika auf Spanisch.

DSZ: Wie bereitwillig vertrauen die Kunden der betreffenden Länder den Kreditinstitutionen ihr Geld an?
Haasis: Auch hier gibt es, wie bei den Mikrokrediten, gelegentlich Rückschläge. So wurde vor einiger Zeit von Privatleuten in einer mexikanischen Gemeinde eine „Caja de Ahorro“ gegründet – deren Gründer allerdings später mit den Einlagen durchgebrannt sind. Solche Vorfälle stürzen benachbarte Institute in eine Vertrauenskrise – und viele Leute ziehen ihr Geld dort ab. Unsere Stiftung arbeitet mit den Regierungen und Aufsichtsbehörden zusammen, um Regelungen zu schaffen, die solche Vorfälle unmöglich machen. In Mexiko müssen mittlerweile alle Kreditinstitute zugelassen und registriert sein, und sie werden staatlich überwacht.

DSZ: Der sogenannte Sparkassengedanke war im Zuge der Finanzkrise in Europa wieder populär geworden. In Ländern wie Griechenland oder Irland gab es Initiativen, Sparkassen zu errichten. Ist das Engagement inzwischen erlahmt?
Haasis: In der Finanzkrise haben die Sparkassen für Stabilität gesorgt, das wurde allgemein anerkannt. Trotzdem hat die Begeisterung für das Thema etwa in Brüssel leicht nachgelassen. Man redet wieder über die großen, internationalen Champions, die die Welt bestimmen sollen. Dabei benötigen wir weiterhin auch die lokalen Institute. Der DSGV unterstützt die Stiftung jedenfalls darin, in Europa den Sparkassengedanken weiter zu pflegen. In Irland sind wir relativ weit gekommen. Dort wurde die gründliche Prüfung des „German Sparkassen“-Modells in das Regierungsprogramm aufgenommen. Derzeit stocken die Gespräche allerdings, weil alles von Brexit und Außengrenze überlagert wird.

DSZ: Was ist mit Griechenland?
Haasis: Wir hatten dort viele Gespräche, momentan prüft ein Arbeitskreis verschiedener Ministerien, in dem auch die Stiftung vertreten ist, die Voraussetzungen für eine Sparkassengründung. Neben der Wahl der Rechtsform und der notwendigen Eigenkapitalausstattung sind auch gesetzliche Änderungen nötig, denn wir werden nur bei einer Gründung mithelfen, wenn das nach entsprechenden Regeln läuft, das Institut beispielsweise unverkäuflich ist. Aber es dauert immer einige Zeit, den Ländern klarzumachen, dass wir selbst keine Bank gründen oder Zweigstellen eröffnen wollen, dass wir kein Geld investieren, sondern lediglich Know-how und Wissen beibringen können.

DSZ: Sie sind neuerdings Ehrenpräsident des Weltinstituts der Sparkassen, WIS, nachdem Sie sechs Jahre lang dessen Präsident waren. Wo sehen Sie den Nutzen des WIS für die Sparkassen?
Haasis: Ich freue mich, der erste Ehrenpräsident seit 1924 zu sein. Auf Vorschlag meines Nachfolgers helfe ich bei der Mitgliederwerbung und habe ich im Advisory Service, einer Tochtergesellschaft, die Präsidentschaft übernommen. Der Nutzen der Einrichtung besteht traditionell darin, dass sie den Erfahrungsaustausch zwischen den Sparkassenorganisationen ermöglicht und diesen eine Stimme verschafft. Wir haben den Verband im Zuge der Finanzkrise aber anders aufgestellt. Wir sind die einzige Organisation, die weltweit lokale Sparkassen und Banken bei internationalen Organisationen vertritt.

DSZ: Was ist denn anders geworden beim Weltinstitut?
Haasis: Seit der Finanzkrise hat die Welt sich verändert: Die Basel-Eigenkapitalregeln werden plötzlich in mehr Ländern angewandt, die internationalen Regelungen gleichen sich an. Mit der Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer G20 gibt es quasi eine Weltregierung. Diese beschließt Regulierungen, die die nationalen Aufseher umsetzen müssen. Solche Vorgänge zu beeinflussen, haben wir uns im Weltinstitut zur Aufgabe gemacht. Wir organisieren Konferenzen mit G20-Vertretern– das habe ich übrigens vom Deutschen Gewerkschaftsbund gelernt -, in denen wir die Position der Sparkassen und sparkassenähnlichen Institute formulieren. Wir fordern eine adäquate Regulierung; nicht für jeden dasselbe, sondern für jeden nach seinem Risiko. Das Weltinstitut ist somit eine Einrichtung geworden, die politischen Einfluss auf Entscheidungen zu nehmen versucht, welche die Banken betreffen. Wir vertreten sie auch nachhaltig beim IWF, bei der Weltbank und beim Baseler Ausschuss.

DSZ: Ist die Anzahl der Mitglieder so groß, dass eine schlagkräftige Lobbyarbeit möglich ist?
Haasis: Wir haben etwas über 100 Mitglieder, die über 6500 Sparkassen/Banken vertreten in 80 Ländern. Bei den Mitgliedern handelt es sich aber um Banken unterschiedlichen Typs sowie um Verbände, was es gelegentlich schwer macht, alle Interessen unter einen Hut zu bringen. So ist der deutsche DSGV ein Mitglied, ebenso wie kleine regionale Sparkassen oder Postbanken aus Afrika, Asien oder Südamerika Mitglieder sind. Dass wir vor großen Lobby-Aufgaben stehen, stimmt: Es war richtig, nach der Krise die Anforderungen an das Eigenkapital der Banken zu erhöhen. Alles, was zusätzlich an Regulierungsvorschriften kam, ist aber überzogen. Vieles, was im sogenannten Verbraucherinteresse festgelegt wurde, schafft Verbraucherverwirrung. Die Regulatoren sind oftmals weit über das Ziel hinausgeschossen.

DSZ: Ist der Finanzsektor heute stabil genug, um potenzielle Krisen wegzustecken, die etwa mit Italiens neuer Regierung oder dem Brexit verbunden sein könnten?
Haasis: Die Banken sind schon sicherer geworden. Sie haben mehr Eigenkapital, und es gibt Abwicklungsmechanismen. Aber insgesamt ist die Lage nach meiner persönlichen Einschätzung unsicherer als früher. So haben Banken, Sparkassen und deren Kunden in Papiere investiert, die man vor zehn Jahren noch nicht angefasst hätte. Dies ist der Zinspolitik der EZB geschuldet, die die Leute in riskante Investitionen treibt. In Italien rächt sich jetzt, dass in der Griechenland-Krise nicht der Beschluss der Finanzminister befolgt wurde, das Land solle sporadisch die Eurozone verlassen, um seine Währung abwerten zu können. Das hatten die Regierungschefs gekippt. Deshalb wissen die Italiener: Man hat es in Griechenland nicht gemacht, dann wird man es bei ihnen erst recht nicht machen.

DSZ: Als ehemaliger DSGV-Präsident haben Sie die Finanzkrise ab 2007 miterlebt und dazu beigetragen, dass Probleme etwa mit der SachsenLB oder der WestLB bewältigt werden konnten. Hat die Sparkassen-Finanzgruppe letztlich die richtigen Schlüsse gezogen?
Haasis: Die Unternehmen der Gruppe wissen heute noch besser, dass der Leitsatz „Schuster, bleib bei Deinen Leisten“ richtig ist. Mache nur die Geschäfte, die Du verstehst. Die Sparkassen sind gut als lokale Institute. Wir kennen den Kunden, wir kennen die Produkte. Dabei müssen wir bleiben. Ich glaube, dass wir auch nicht mehr vermeintlichen Verheißungen erliegen würden, die mit hochtrabenden Begriffen daherkommen. Vor der Finanzkrise wurde häufig vom „Global Player“ geschwärmt. Hätten wir stattdessen das deutsche Wort „Globaler Spieler“ benutzt, wäre in keiner Aufsichtsratssitzung gesagt worden: „Wir werden jetzt mehr Geschäfte als Global Player machen“. In der Krise haben wir nämlich gelernt, dass es tatsächlich um Spiele ging – mit negativem Ausgang.

Heinrich Haasis (73) ist Vorstandsvorsitzender der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation. Im November 2018 wurde der gebürtige Balinger zum Ehrenpräsidenten des Weltinstituts der Sparkassen (WSI) ernannt, nachdem er sechs Jahre lang dessen Präsident war. Zwischen 2006 und 2012 war Haasis Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV); in diese Phase fielen der Erwerb der Landesbank Berlin durch die Sparkassen-Finanzgruppe und die Bewältigung der Probleme, die insbesondere bei den Landesbanken in der Finanzkrise entstanden waren, sowie die Aufstockung der Sparkassenanteile auf 100 Prozent bei der Deka, die Verhinderung der Brüsseler Initiative zur Änderung des Paragrafen 40 KWG (Namensschutz Sparkasse) und die Aufrechterhaltung der Institutssicherung.
Begonnen hatte Haasis seine Laufbahn in der Kommunal- und Landespolitik, ab 1980 war er stellvertretender Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion von 1981 bis 1991 war Landrat in Baden-Württemberg. 1991 wurde er Präsident des Württembergischen Sparkassen- und Giroverbands. Erfolge seiner Amtszeit waren die Bildung der LBBW aus mehreren Instituten, die Fusionen der öffentlichen Versicherer, der Landesbausparkassen sowie die Fusion der beiden Sparkassenverbände in Baden-Württemberg.