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| Blick in die Medien - Interview

"Zinspolitik gefährdet Stabilität des Finanzsystems"

DSGV-Präsident Helmut Schleweis fordert in einem Gastbeitrag ein Ende der Minuszinsen, eine Kompensationen für Sparer und die Modernisierung des Vermögensbildungsgesetzes.

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Deutschland müsse sich nicht nur wegen des verlangsamten Welthandels, der Demografie und weltpolitischer Unsicherheiten auf gedämpftes Wirtschaftswachstum einstellen. Gleichzeitig führe die EZB-Zinspolitik zu einer "Umverteilung von unten nach oben", kritisiert DSGV-Präsident Helmut Schleweis im Magazin "Focus" vom 5. Oktober.

Kapitalstärkere Bevölkerungskreise könnten Anlagechancen nutzen, schwächere verlören schrittweise ihre Altersversorgung. Schleweis erneuert damit seine Kritik an der Europäischen Zentralbank, die er im August bereits in einem offenen Brief an EZB-Präsident Mario Draghi geäußert hatte.

 
"Die Deutschen gehen mit nur gut 50 Prozent des letzten Einkommens in den Ruhestand. Anderswo in Europa ist es deutlich mehr", schreibt DSGV-Präsident Helmut Schleweis in seinem "Focus"-Gastbeitrag. © DSZ

Dass die EZB erneut Anleihen ankaufe, schade der Kreditwirtschaft, schreibt Schleweis. Da die EZB bereits ein Drittel der europäischen Staatsanleihen halte, verknappe das die Anlagemöglichkeiten für andere Marktteilnehmer.

Die Einführung von Staffelzinsen sei zwar ein richtiger Schritt, doch federe das nur die direkten Auswirkungen der Negativzinsen etwas ab. Die indirekten Belastungen der expansiven Geldpolitik seien weitaus größer.

Die öffentliche Hand solle daher ersparte Zinsen an die Sparer zurückgeben. Erleichterungen beim Wertpapiersparen und eine Modernisierung des Vermögensbildungsgesetzes würden die finanziellen Teilhabemöglichkeiten der Bevökerung verbessern, schreibt Schleweis in seinem Gastbeitrag und fordert ebenfalls eine Senkung der Grunderwerbsteuern.